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"Foodsharing" - So landen Lebensmittel nicht im Müll

01.02.2013, 10:52 Uhr | feelgreen.de, t-online.de

Gemeinsam gegen LebensmittelVerschwendung: Mitglieder von "foodsharing" (Quelle: PR\foodsharing e.V.)

Gemeinsam gegen LebensmittelVerschwendung: Mitglieder von "foodsharing" (Quelle: foodsharing e.V./PR)

Tomaten, Gurken und Salat gekauft und nun lädt der Partner spontan ins Restaurant ein. In vielen Fällen landet das erworbene Gemüse bald darauf im Abfall. Das gleiche passiert häufig vor dem Urlaub. Der Kühlschrank ist voll und wird gedankenlos entleert, damit nichts verschimmelt. Dem Trend des schnellen Wegwerfens möchte die Initiative "foodsharing.de" entgegenwirken. Seit Mitte Dezember ist die Internetplattform online, bei der Privatpersonen und Händler überflüssige Lebensmittel anbieten. Von der Resonanz sind die Betreiber überwältigt. Das Anliegen der Initiatoren zeigt auch unsere Foto-Show.

Vom Film zur Internet-Plattform

Allein die Zahlen machen fassungslos: 15 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich in Deutschland im Müll. Haushalte werfen hierzulande Essbares für 20 Milliarden Euro weg - was dem Jahresumsatz von Aldi entspricht. Die Aussagen stammen aus dem Film "Taste the Waste". Die Dokumentation von Valentin Thurn aus dem Jahr 2011 zeigt mit drastischen Bildern, wie unbesonnen in der westlichen Welt mit Lebensmitteln umgegangen wird. Für den Filmemacher war der Dreh Auslöser für mehrere darauffolgende Aktionen. So verfasste er ein Kochbuch mit dem gleichnamigen Filmtitel, das im November 2012 erschien. Und Thurn gründete gemeinsam mit weiteren Aktivisten im Mai vergangenen Jahres den Verein "foodsharing.de". Alle seine Handlungen haben ein gemeinsames Ziel: auf den gedankenlosen Umgang mit Lebensmitteln hinzuweisen.

Essen teilen statt wegwerfen

Hinter "foodsharing.de" steht die simple Idee des Teilens. Wer zuviel gekauft hat oder Obst und Gemüse aus dem heimischen Garten nicht selbst verzehren kann, gibt es kostenfrei weiter. "In erster Linie geht es uns um Privatpersonen," erklärt Ulrike Beck. Sie ist, wie alle anderen ehrenamtlich im Vorstand für das Projekt aktiv. Langfristig können und sollen sich aber vermehrt auch Firmen und Händler an der Gratis-Weitergabe beteiligen. Im Raum Köln ist beispielsweise schon die Supermarktkette "Alnatura" mit im Boot. Und das, obwohl die Plattform erst seit Mitte Dezember online ist. "Der Zuspruch, den wir bekommen, ist enorm", freut sich Beck über das Interesse. Über eine Millionen Mal sei die Homepage bereits aufgerufen worden, mehr als 7800 Mitglieder sind bereits eingeloggt und bieten das "Zuviel" der eigenen Küche anderen an. Gleichfalls positiv auch das Echo bei Facebook: rund 11.000 Personen bewerteten das Angebot bereits mit einem "Daumen hoch".

Noch ist das Angebot teilweise dürftig

Weit über 1000 Kilogramm Lebensmittel hat "foodsharing.de" nach eigenen Angaben bereits vor dem Wegschmeißen gerettet. "Wir wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger kommen", stellt Ulrike Beck vom Vorstand des Vereins klar. Vielmehr gehe es darum, den ideellen Wert von Lebensmitteln Wert zu schätzen. Mitunter muten die Angebote noch kläglich an. Da werden in Aalen eine Packung Walnüsse angeboten, in Osnabrück zwei Eier und in Oldenburg eine Flasche "Flensburger Pils". Derlei Kleinteiliges wird kaum einen Abholer finden. Schließlich muss die angebotene Ware zum Abnehmer. Dies funktioniert häufig über so genannte "Hotspots", so der derzeitge Arbeitstitel der Tauschpunkte. An einem zuvor ausgemachten Treffpunkt übergibt der Spender seinen Essenkorb. Doch Ulrike Beck ist zuversichtlich. "Es geht bereits jetzt viel rein und raus" - immerhin mehr als 480 Essenskörbe wurden in den nun anderthalb Monaten Laufzeit der Kamapgne übergeben. Die Verantwortlichen denken zudem, dass sich das Angebot zur Erntezeit im Sommer enorm erweitern wird.

Regeln für die Lebensmittel-Ausgabe

Wenngleich die Lebensmittelausgabe völlig kostenfrei und ungezwungen ablaufen soll - ein paar Regeln müssen die Teilnehmer doch einhalten. Schließlich sind Lebensmittel ein empfindliches Gut. So dürfen beispielsweise Gehacktes und Speisen mit rohem Ei nicht übergeben werden. Wer sich nicht daran hält, wird ausgeschlossen. Dies sei tatsächlich schon vorgekommen, bestätigt Ulrike Beck von "foodsharing.de". Auch ein gutes Maß an Vertrauen ist wichtig, kommen doch die Angebote weitestgehend aus privaten Haushalten. Überdies möchten die Macher von "foodsharing" auch zum Miteinander-Kochen anregen. "Alles läuft von Mensch zu Mensch", beschreibt Beck die Philosophie. Eine politische Richtung wollen die Aktivisten explizit nicht einschlagen. Gleichwohl aber soll das Netzwerk wachsen. So ist der Bau einer App auf deutsch und englisch in Planung.

Quelle: feelgreen.de, t-online.de

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