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Aigner: Deutsche werfen zu viele Lebensmittel weg;

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Studie: Jeder Deutsche wirft 82 kg Essen weg

20.04.2012, 13:03 Uhr | dpa

Mit dem Essen fliegt auch jede Menge Geld mit in die Tonne. (Quelle: dpa)

Mit dem Essen fliegt auch jede Menge Geld mit in die Tonne. (Quelle: dpa)

Eine Studie, die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner am Dienstag vorstellt, fasst die deutsche Verschwendung in punkto Lebensmittel in Zahlen: Durchschnittlich wirft jeder deutsche Bundesbürger jährlich knapp 82 Kilogramm Lebensmittel in den Müll. Das ist deutlich zu viel, findet Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner und laut der Studie sind zwei Drittel der Abfälle vermeidbar. Aigner macht nun erneut deutlich, dass bei dieser Problematik eindeutig Handlungsbedarf besteht.

Aus dem Kühlschrank in die Tonne

Jeder Bundesbürger wirft pro Jahr 81,6 Kilogramm Lebensmittel in den Müll. Die Studie der Universität Stuttgart, die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner an diesem Dienstag vorstellt, ist eine Bestandsaufnahme zum Umgang mit Lebensmitteln in Deutschland und zugleich der Ausgangspunkt für die Aufklärungsaktion "Zu gut für die Tonne" zum Mindesthaltbarkeitsdatum. Die soll vermeiden, dass Lebensmittel in die Abfalltonne kommen, obwohl sie nach diesem Datum noch genießbar sind. Viele Verbraucher werfen Produkte jedoch direkt in den Müll, sobald diese das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben.

"Wir wollen den Menschen nützliches Wissen  und praktische Tipps vermitteln über den Umgang mit Lebensmitteln – vom Einkauf über die richtige Lagerung bis hin zur Verarbeitung in der Küche. Auf einer neuen Internet-Plattform werden alle Informationen gebündelt", so Aigner. Das Programm soll am kommenden Montag gestartet werden. Zudem setzt sich die Bundesregierung für eine europaweite Bioabfallrichtlinie ein, um die Verwertung der Abfälle EU-weit zu verbessern. Aigner: "Wenn schon Lebensmittel weggeworfen werden, sollten sie wenigstens so sinnvoll wie möglich verwertet werden, etwa über Biogas oder Kompost. Deutschland nimmt hier bereits eine führende Rolle ein."

Privathaushalte sind größter Faktor

Laut den Autoren der Studie zur Lebensmittelverschwendung wären zwei Drittel dieser Abfälle vermeidbar. Jährlich werden so knapp elf Millionen Tonnen Lebensmittel als Abfall entsorgt. Rund 60 Prozent stammen aus den Privathaushalten, jeweils rund 17 Prozent entfallen auf Großverbraucher – etwa Gaststätten, Schulen und Kantinen – sowie auf die Industrie. Die übrigen fünf Prozent fallen im Einzelhandel an.

Mit dem Essen landet auch bares Geld in der Tonne

Der Wert der vermeidbaren Lebensmittelabfälle wird pro Kopf auf jährlich 235 Euro geschätzt. Bei einem Vier-Personen-Haushalt summiert sich der Betrag im Schnitt pro Jahr auf rund 940 Euro, auf Deutschland hochgerechnet sind es bis zu 21,6 Milliarden Euro pro Jahr, die die vermeidbare Verschwendung kostet. Am häufigsten auf dem Müll landen Gemüse und Obst – sie machen 44 Prozent aller vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Privathaushalten aus.

Verschwendung muss vermindert werden

Aigner hat mehrfach deutlich gemacht, dass sie Handlungsbedarf sieht: "Lebensmittel sind kostbar – wir können es uns nicht leisten, dass jährlich viele Millionen Tonnen auf dem Müll landen", sagte die Ministerin zu Jahresbeginn. Am 27. März soll mit Herstellern, Gastronomie, Landwirtschaft, Verbraucherschützern und Kirchen über Strategien gegen die Lebensmittelverschwendung beraten werden. Ein Thema wird sein, die Ernteverluste in Entwicklungsländern zu verringern.

Aufhebung unsinniger Handelsnormen als einer von vielen Schritten

Die Grünen haben Aigner aufgefordert, politisch aktiv zu werden. Unter anderem sollten unsinnige Handelsnormen aufgehoben werden. In Schulen und Kindergärten müsse es eine bessere Ernährungsbildung geben. Diskutiert wird auch darüber, Warenströme besser zu organisieren und kleinere Verpackungsgrößen anzubieten. "Erfolg werden wir im Kampf gegen die Müllberge nur haben, wenn alle an einem Strang ziehen – Bund und Länder, EU-Kommission und Mitgliedstaaten, Handel, Industrie, Landwirtschaft, Gastronomie – und nicht zuletzt die Verbraucher."

Quelle: dpa


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