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ARTE-Dokumentation: Wölfe wandern tausende Kilometer durch Europa

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Wölfe wandern tausende Kilometer durch Europa

20.12.2016, 12:48 Uhr |

Anpassungsfähig, scheu und ausdauernde Wanderer: Einige Wölfe durchqueren ganz Europa auf der Suche nach einer Partnerin. (Quelle: dpa)

Anpassungsfähig, scheu und ausdauernde Wanderer: Einige Wölfe durchqueren ganz Europa auf der Suche nach einer Partnerin. (Quelle: dpa)

Drei Wölfe auf der Suche nach einer Partnerin: Hunderte Kilometer legen sie zurück, durchqueren Europa - weder mehrspurige Autobahnen noch Flüsse oder Gebirge können sie aufhalten. Der Fernsehsender ARTE zeigte am Dienstag in einer aufwendigen Dokumentation "Die Odyssee der einsamen Wölfe".

Für den Film wurden drei Wölfe mit Funksendern versehen. Wolfsforscher aus verschiedenen Ländern beobachteten vier Jahre lang die ausgedehnten Wanderungen und lieferten wissenschaftlich fundierte Fakten über ihre Lebensräume in Europa.

Drei Schicksale penibel verfolgt

Da ist der Wolf Slavko, der in Slowenien aufbricht und über 1000 Kilometer weit bis in einen Nationalpark bei Verona wandert. Ein Einzelgänger wie er hat oft keine Chance, einen Hirsch oder gar ein Wildschwein zu erlegen, wohingegen ein ganzes Rudel mitunter auch mal ein Bisonkalb zur Strecke bringen kann. Der Rüde Alan gelangt nach 1500 Kilometern - teilweise durch dicht besiedelte Gebiete - von der ostdeutschen Lausitz bis zur weißrussischen Grenze. Und schließlich ist da noch ein Wolf, der von den Wolfsbeobachtern Ligabue genannt wird. Er verlässt sein Rudel in Parma und macht sich auf den 1000 Kilometer langen Weg in die französischen Seealpen. Er wird - kurz vor der Paarung mit einer jungen Wölfin - ausgerechnet von Artgenossen aus einem anderen Rudel getötet und gefressen.

Da Wölfe sehr scheue Tiere sind, stellt der ungarische Wolfstrainer Zoltan Horkai einzelne Episoden der Wanderungen mit dressierten Tieren nach: "Das Wichtigste ist sein Vertrauen. Wenn man das hat, dann kann man mit ihm arbeiten", sagt er über seinen Umgang mit den Raubtieren.

Der Wolf ist sehr anpassungsfähig

Seit dem Mittelalter werden Wölfe dämonisiert und häufig mit allen Mitteln verfolgt und gejagt. Offiziell ging 1904 in Deutschland der letzte Wolf in die ewigen Jagdgründe ein, heute wird er hierzulande wieder verstärkt gesichtet. 2007 wurde ein Tier erstmals in Niedersachsen gesichtet. Die Fähigkeiten der Raubtiere faszinieren die Forscher über die Grenzen hinweg. Luigi Boitani, Biologe an der Universität La Sapienza in Rom, erklärt: "Die Gründe für die Rückkehr des Wolfes sind klar: Er ist sehr anpassungsfähig und kann in den verschiedensten Lebensräumen überleben."

Der Wissenschaftler plädiert dafür, nicht jeden einzelnen Wolf zu schützen, sondern ist für einen Abschuss, wenn ein Tier zu viel Ärger anrichtet. Sein Erfolgsrezept lautet Koexistenz und Kompromiss: "Die Menschen müssen lernen, ein paar Schäden in Kauf zu nehmen, und die Wölfe müssen tolerieren, dass ab und zu einige von ihnen geschossen werden." Er glaubt, dass das hinzubekommen ist. Die einzelnen weit verzweigten Wolfspopulationen in Europa werden sich verbinden und für Nachwuchs sorgen. Der Wolf erobert sich einen Lebensraum zurück, der ihm genauso gehört wie dem Menschen.

Wölfe haben Respekt vor Menschen und vermeiden die Begegnung. Ein junger, neugieriger Wolf kann aber schon mal etwas näher herankommen. Aber er greift Menschen nicht an und verfolgt sie auch nicht. Dennoch sitzt die Angst vor dem Wolf tief. Der Filmautor Volker Schmidt-Sondermann hat eine sehenswerte und lehrreiche Reportage gedreht. Er geht darin ebenso dem Mythos vom Werwolf auf den Grund wie dem Bild des "bösen Wolfes" in so manchem Märchen, er beleuchtet "Isegrim" in der Götterwelt und die römische Sage der ausgesetzten Zwillinge Remulus und Romulus anhand von Animationsszenen.

Mit Material der dpa

Quelle: uwe


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