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Diese "Seekuh" frisst Plastikmüll

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Diese "Seekuh" frisst Plastikmüll

03.01.2016, 13:58 Uhr | dpa

Die Zeichnung zeigt, wie die "Seekuh" aussehen wird. (Quelle: One Earth - One Ocean)

Die Zeichnung zeigt, wie die "Seekuh" aussehen wird. (Quelle: One Earth - One Ocean)

Mit einem speziellen Müllsammelschiff namens "Seekuh" soll vor den Küsten gegen Plastikmüll zum Einsatz kommen. Eine kleine deutsche Werft in Lübeck baut den Katamaran derzeit. Im Sommer dieses Jahres soll es in Dienst gestellt werden. 

Plastikmüll im Meer ist ein ernstes Problem. Dieser treibt in "Garbage Patches" (Müllflecken) über die Meere. Der größte, "Great Pacific Garbage Patch" genannt, hat eine 16 mal größere Fläche als das Land Österreich. Würden alle diese gigantischen Inseln aus Plastikabfall zu einer Fläche zusammen wachsen, entstünde laut Experten ein achter Kontinent.

Ein ganzer Kontinent aus Müll

Auf dieses wachsende Problem weisen Wissenschaftler und Umweltschutzorganisationen seit Jahren hin. Auf einer kleinen Lübecker Werft entsteht derzeit ein Schiff, das helfen soll, die Menge des im Meer treibenden Plastikabfalls zu reduzieren.

Im Auftrag des Vereins "One Earth - One Ocean" baut die Werft gegenüber der Lübecker Altstadt den Katamaran "Seekuh". "Von Sommer 2016 an soll die "Seekuh" als Müllabfuhr der Meere im Einsatz sein", sagt der Vorsitzende von "One Earth - One Ocean", Günther Bonin.

Mit Solarantrieb und speziellem Netz auf Müllfang

Er hat das Schiff zusammen mit dem Kieler Ingenieur Dirk Lindenau und der Werft entwickelt. "Zwischen den jeweils zwölf Meter langen Rümpfen wird eine bewegliche Netzkonstruktion angebracht. Damit fischen wir an der Wasseroberfläche treibende Kunststoffteile ab, während sich der Katamaran mit einer Geschwindigkeit von etwa zwei Knoten, also knapp vier Kilometern pro Stunde übers Wasser bewegt", sagt Bonin. Angetrieben werden soll der Katamaran mit Solarenergie.

Eine besondere Herausforderung für die Schiffbauer ist die Vorgabe, dass der Katamaran zerlegbar sein muss. "Seine acht Module können in Container verpackt und so an jeden Ort der Erde gebracht werden", sagt Lindenau. Pro Fahrt kann die "Seekuh" rund zwei Tonnen Müll aufnehmen, der dann an Land recycelt werden soll. "Der Katamaran ist hauptsächlich für den Einsatz in Küstennähe und auf Binnengewässern gedacht, denn die Netze reichen nur etwa drei bis vier Meter tief", sagt Lindenau.

Weitere Seekühe sind in Planung

Rund 250.000 Euro kostet der Katamaran. Wenn sich der Prototyp bewährt, will Bonin weitere Seekühe in Auftrag geben. Die "Lübeck Yacht Trave Schiff GmbH" hat sich unter anderem auf den Bau von Arbeitsschiffen spezialisiert. "Der Katamaran ist eine spannende Herausforderung", sagt Werft-Geschäftsführer Till Schulze-Hagenest.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) begrüßt die Idee, große Plastikteile, den sogenannten Makromüll, aus dem Meer zu fischen. "Das Abfischen von Mikroplastik sehen wir dagegen kritisch, weil dadurch die ökologischen Grundlagen des Lebens im Meer zerstört werden können", sagte der Meeresschutz-Experte des Nabu, Kim Cornelius Detloff. Der Verband organisiert seit Jahren die Müllsammelaktion "Fishing for Litter", bei der Fischer den in ihren Netzen landenden Plastikmüll kostenlos in Häfen entsorgen können.

Zehn Millionen Tonnen pro Jahr

Nach Angaben von Umweltschutzorganisationen landen jährlich etwa zehn Millionen Tonnen Plastikabfälle in den Ozeanen. "Sie bilden eine große Gefahr für Seevögel und Meerestiere, die sich in Plastikteilen verheddern oder sie mit Nahrung verwechseln und verschlucken. Außerdem gelangen winzige Kunststoffpartikel, die unter anderem krebserregend sein können, in die Nahrungskette", sagt Stephan Lutter, Meeresschutzexperte des WWF. "Von daher ist solch ein Müllsammelschiff allemal einen Versuch wert", sagt er.

Müllvermeidung muss ebenfalls forciert werden

Gleichzeitig müsse man aber dafür sorgen, dass der Müll gar nicht erst ins Meer gelangt, fordert er. "Es braucht unter anderem Geld und Wissenstransfer für den Aufbau eines funktionierenden Kreislaufwirtschaftssystem in Südostasien", sagt Lutter.

Nächstes Projekt heißt "See-Elefant"

Bonin plant unterdessen schon ein neues Projekt. Der "See-Elefant" soll ein größeres Müllsammelschiff werden und den Plastikmüll nicht nur einsammeln, sondern auch in Energie umwandeln. Damit würde sich das Schiff gewissermaßen mit dem Müll selbst antreiben. 

Quelle: dpa


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