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Energie: Energieversorger will Nachtspeicheröfen als Ökostromspeicher nutzen ;

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Energieversorger wollen ein Revival der Nachtspeicheröfen - als Ökostromspeicher

12.12.2012, 16:56 Uhr | dpa

Als "Stromfresser" kritisieren Umweltverbände die Nachtspeicheröfen. (Quelle: dpa)

Als "Stromfresser" kritisieren Umweltverbände die Nachtspeicheröfen. (Quelle: dpa)

Als "Stromfresser" oder "Klimakiller" kritisieren Umweltverbände die noch rund 1,5 Millionen Nachtspeicheröfen. Der Vorstoß von zwei Energieversorgern sorgte deshalb für wütende Reaktionen - sie wollen ein Revival der Heizungen, und zwar als Ökostromspeicher. In den 70er Jahren warb die Energiewirtschaft vehement für das Heizen mit Strom, in Zeiten der Energiewende stehen die Besitzer von Nachtspeicheröfen jetzt als Verlierer da, wie es aussieht.

Preis für Wärmestrom steigt

Zum neuen Jahr steigen erst einmal die Preise für Wärmestrom auch wegen höherer staatlicher Abgaben deutlich stärker als im Gesamtmarkt - allein bei RWE um 13 bis 17 Prozent. Und die Nutzer haben anders als bei anderen Stromtarifen kaum eine Chance zum Anbieterwechsel. "Es gibt beim Wärmestrom praktisch keinen überregionalen Wettbewerb, keine Konkurrenz, jeder bleibt in seinem Gebiet", sagt die Sprecherin des Preisvergleichsportals Verivox, Dagmar Ginzel. 

Tausende Kunden wollen wechseln

Dabei wollen tausende Kunden wechseln: Bei einer Verivox-Umfrage, die noch nicht abgeschlossen ist, haben bereits 15.000 Nachtspeichernutzer ihr Interesse an einem anderen Anbieter bekundet. Kein Wunder: Die Mehrkosten durch die Preiserhöhung addieren sich für eine vierköpfige Familie im Jahr auf mehrere hundert Euro, rechnen Verbraucherschützer vor. Bundesweit laufen noch etwa 1,5 Millionen Nachtspeicheröfen.

Ursprünglich sah das Geschäftsmodell der Öfen so aus: Wärme nachts mit billigem Strom erzeugen und in den Schamottsteinen der Öfen speichern, um sie tagsüber abzugeben. Doch das funktioniert nicht mehr, denn das Überangebot an Wind- und Sonnenstrom hat die Preise am Tag zusammenfallen lassen. Und die einst sehr günstigen Nachtstrompreise werden durch die stark gewachsenen staatlichen Abgaben vor allem für die Ökostromabgabe hochgetrieben.

Technik passt nicht zu den Umweltzielen der Regierung

Außerdem passt die Technik nicht mehr zu den ehrgeizigen Umweltzielen der Bundesregierung und der EU. Verivox spricht bei konventionell erzeugtem Heizstrom von 50 Prozent mehr Kohlendioxid als bei einer Gas- oder Ölheizung. Bis 2019 müssen viele der Stromheizungen deshalb gemäß der Energieeinsparverordnung abgebaut werden.
Der Vorstoß der Energieunternehmen RWE und EnBW, die umstrittenen Heizungen als Speicher für schwankende Strommengen aus Windparks zu nutzen, hat bei Kritikern vergangene Woche für wütende Reaktionen gesorgt. "Ökologisch pervers", "dreist" und "Mogelpackung", lautete das Fazit von Greenpeace und der Verbraucherzentrale NRW zu den Plänen einer Nachtspeicher-Renaissance. Das zuständige Bundesbauministerium betonte, dass an dem künftigen Betriebsverbot für die ungeliebten Heizkisten keineswegs gerüttelt werde. 

Bei der RWE-Tochter RWE-Effizienz sorgte die heftige Kritik für Erstaunen. Niemand habe geplant, den vor dem Aus stehenden Nachtspeicher dauerhaft wiederzubeleben, sagte der zuständige RWE-Projektleiter Jörg Rummeni. Es gehe darum, kurzfristig neue Lösungen für den dringend benötigten Speicherbedarf zu testen. Das gehe mit bestehenden Anlagen natürlich am besten. "Es geht um die Speicheroption und um eine Lösung für Bestandsanlagen, deren Benutzer diese nicht tauschen wollen." RWE will die Tests fortsetzen. 

Das Aus gilt nur für einen Teil der Stromheizungen

Bis zu 15.000 Megawatt könnten rechnerisch in den Stromheizungen gespeichert werden. Wenn auf diese Weise Windparkstrom gesichert werde, der sonst durch Zwangsabschaltungen mangels Netz und Speicher verloren gehe, sehe natürlich auch die ökologische Bilanz viel besser aus, sagt Rummeni. "Und wenn 2019 abgeschaltet werden muss, haben wir immerhin sehr viel über die Steuerung von verteilten Lasten gelernt und können diese auf andere Techniken wie Wärmepumpen übertragen." 

Dabei gilt das Aus nach 2019 offenbar nur für den kleineren Teil der Stromheizungen. Die Verordnung sieht den Umbau nur für größere Häuser mit mehr als fünf Wohneinheiten vor und die Kosten müssen wirtschaftlich zumutbar sein. "Das betrifft nur ein Fünftel der Wärmestromanlagen", sagt eine RWE-Sprecherin. 

Quelle: dpa


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