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Enten füttern: Experten warnen davor

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Tierexperten plädieren: Aufhören mit dem Entenfüttern

14.11.2016, 14:50 Uhr | dpa

Schild vor einem See in Darmstadt warnt vor dem Entenfüttern mit Brot. (Quelle: t-online.de/Norman Gosch)

Schild vor einem See in Darmstadt warnt vor dem Entenfüttern mit Brot. (Quelle: Norman Gosch/t-online.de)

Vor allem Kinder und Senioren lieben das Entenfüttern. Viele denken, sie tun den Vögeln damit etwas Gutes. Doch weit gefehlt, warnen Experten. Das Füttern ist in manchen Städten sogar verboten - aus mehreren Gründen.

Die Stockente gehört deutschlandweit zu den häufigsten Wasservögeln. Sie hat sich dem menschlichen Lebensraum angepasst und fühlt sich auch an Seen und Teichen in städtischen Parks wohl. Die Scheu vor Menschen haben die Tiere oft verloren.

Derk Ehlert, Wildtierexperte bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Berlin, findet das problematisch. Er sieht darin eine Gefahr für die Vögel: "Die natürliche Scheu dem Menschen gegenüber muss erhalten bleiben", sagt Ehlert. "Sonst kann es passieren, dass die Tiere bei Unfällen getötet werden, zum Beispiel auf der Straße oder durch Hunde."

"Brot ist Fast Food für Enten"

Stürzen sich die Enten gierig auf die hingeworfenen Bröckchen, bekommen Parkbesucher leicht den Eindruck, die Tiere seien ausgehungert. Aber: "Die Enten finden in den Parks genügend natürliche Nahrung", so Ehlert. Sie fressen trotzdem die Brotstücke. Das ist für die Enten bequemer, als sich selbst Nahrung zu suchen.

Gesund ist das mitgebrachte Futter für die Tiere nicht. Brot enthält für Vögel zu viel Salz, zudem quillt es im Magen auf. "Brot ist für Enten eher Fast Food", erklärt Julian Heiermann, Zoologe beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Vor allem die Menge, die in Parks verfüttert werde, sei schädlich - und die lasse sich nicht kontrollieren. Heiermann empfiehlt deshalb, Wasservögel generell nicht zu füttern. Er vermutet: "Wir Menschen haben mehr Freude daran als die Enten."

Das Füttern schadet den Gewässern

Das herumliegende Fressen zieht außerdem Mitesser an, besonders Ratten und Mäuse. Wenn die Stadt dann gegen die Schädlinge vorgehen muss, wird das teuer.

Auch die Gewässer können Schaden nehmen. Brotbrocken und Entenkot reichern das Wasser mit zusätzlichen Nährstoffen an. Es entstehen mehr und mehr Algen, für deren Zersetzung Sauerstoff nötig ist. Vor allem im Sommer ein Problem, da warmes Wasser weniger Sauerstoff bindet als kaltes.

Spült ein starker Regenguss zusätzliche Nährstoffe in den See, beispielsweise in Form von Blütenpollen oder Abwässern, kann es zum Kollaps kommen: Der Sauerstoffgehalt sinkt so stark, dass Fische und Pflanzen regelrecht ersticken. Experten sprichen vom Umkippen des Gewässers.

Verbot in vielen Städten

In vielen Städten wie Berlin ist das Entenfüttern verboten. Schilder an etlichen Gewässern informieren über die Folgen, Parkbesucher werden aufgefordert, die Brottüte in der Tasche zu lassen.

Zum Beispiel im niedersächsischen Oldenburg ist das der Fall, wo die Stadtverwaltung ebenfalls Hinweisschilder an Seen und Teichen aufgestellt hat. Grundsätzlich verbieten will die Stadt das Entenfüttern jedoch nicht. Frank Ignatius von der unteren Naturschutzbehörde in Oldenburg hat Verständnis für das Bedürfnis vieler Menschen, den Tieren nahezukommen. "Manche Eltern sehen im Entenfüttern die Möglichkeit, ihre Kinder an die Natur heranzuführen."

Aber dafür gebe es andere tier- und umweltfreundlichere Wege: "Die örtlichen Naturschutzorganisationen bieten regelmäßig Exkursionen an, die Kindern und auch Erwachsenen die Natur in der Stadt nahebringen", erzählt Ignatius. Wer nach Terminen für die eigene Stadt oder Gemeinde sucht, wird oft beim Nabu fündig.

Wer auf das Entenfüttern trotzdem nicht verzichten mag, sollte über Alternativen zum Brot nachdenken: Spezielles Wasservogelfutter aus dem Zoohandel oder Baumarkt ist für die Enten gesünder. Am Ufer ausgelegt, verschmutzt das Futter nicht den See. Nach der Entenmahlzeit sollten die Fütterer die Reste aufsammeln. In Japan sei das ganz normal, sagt Ehlert. Dort werde anschließend sogar der Boden geharkt, um keine Spuren und einen sauberen Park zu hinterlassen.

Quelle: dpa


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