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EU will Quecksilber-Höchstwert in Raubfischen verdoppeln

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Mehr Gift auf dem Teller: EU will Quecksilber-Höchstwert in Raubfischen verdoppeln

17.09.2015, 08:47 Uhr | AFP

Quecksilber: Die EU will die Grenzwerte für Quecksilber in Raubfische wie Schwertfisch erhöhen. (Quelle: dpa)

Die EU will die Quecksilber-Grenzwerte für Schwertfisch und andere Raubfisch-Arten erhöhen. (Quelle: dpa)

Die EU will Verbrauchern beim Verzehr von Fischen eine höhere Dosis des giftigen Quecksilbers zumuten. Sie will die Grenzwerte für das Nervengift in bestimmten Fischen verdoppeln.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch, der ein entsprechendes Arbeitspapier der EU vorliegt, kritisierte die Pläne scharf: "Risiken und Nebenwirkungen verfehlter Industrie- und Umweltpolitik werden mit voller Wucht an Schwangere und Kleinkinder weitergereicht", erklärte der stellvertretende Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

Hai- und Schwertfisch dürfen mit mehr Quecksilber auf den Teller

Wolfschmidt zufolge plant die Europäische Kommission, die Quecksilber-Grenzwerte für große Fische am Ende der Nahrungskette aus "wirtschaftspolitischen Gründen" von einem auf zwei Milligramm Quecksilber je Kilogramm Fisch anzuheben. Das betrifft beispielsweise Hai- und Schwertfisch. Thunfisch seien von der Regelung ausgenommen worden.

Lebensmittelindustrie profitiert

Große Raubfische seien aber schon heute so stark mit Quecksilber belastet, dass auf Grundlage der noch geltenden Grenzwerte etwa 50 Prozent der Fänge nicht verkauft werden dürfen, erklärte Foodwatch. Nach Verdoppelung der Grenzwerte wären dann nur noch 14,5 Prozent unverkäuflich.

Den Informationen zufolge will die EU im Gegenzug die Grenzwerte bei anderen Fischen von derzeit 0,5 Milligramm auf 0,1 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm verschärfen.

Foodwatch bezeichnete dies aber als "Trick", weil kleinere Friedfische wie etwa Karpfen meist so niedrig belastet sind, dass sie die geplanten Höchstwerte bereits heute einhalten. Die Absenkung bei Kleinfisch sei deshalb "ein perfides Ablenkungsmanöver, das allein der Wirtschaft hilft", erklärte Wolfschmidt.

Quecksilber verursacht Nervenschäden

Quecksilber ist ein für den Menschen hochgiftiges Schwermetall. Über die Nahrungskette reichert es sich vor allem in Raubfischen stark an. Die Bundesregierung warnt deshalb, dass "bereits geringe Mengen besonders bei Ungeborenen Schädigungen des Nervensystems" verursachen können. Das Bundesumweltministerium erklärt auf seiner Homepage im Hinblick auf die geltenden Höchstwerte aber, dass eine "gesundheitliche Gefährdung der Allgemeinbevölkerung" nicht zu erwarten sei.

Quecksilber gelangt vor allem durch die Kohleverbrennung in die Umwelt. Die deutschen Kohlekraftwerke stoßen mehr als sechs Tonnen Quecksilber im Jahr aus, zwei Drittel der in Deutschland emittierten Gesamtmenge. Die Konzentration von Quecksilber in Fischen etwa in Elbe, Rhein und Donau sei "dauerhaft und flächendeckend überschritten", hatte der "Spiegel" im März aus dem Papier zitiert.

Im vergangenen Jahr zählten europaweite Warnungen vor Quecksilber in Fisch bereits zu den häufigsten gemeldeten Gesundheitsrisiken im EU-Warnsystem RASFF.

Foodwatch hat eine Protestaktion gegen die Pläne der EU zum Quecksilber-Grenzwert gestartet.

Quelle: AFP


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