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Fisch: Welcher Fisch noch bedenkenlos auf den Tisch darf

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Welcher Fisch noch bedenkenlos auf den Tisch darf

21.01.2016, 11:35 Uhr | AFP

Karpfen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei Karpfen können Verbraucher noch ohne schlechtes Gewissen zugreifen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei Fisch haben Verbraucher in Deutschland eine riesige Auswahl. Doch geht es nach Umweltschützern, sollten sie nicht bei jeder Art bedenkenlos zugreifen. Der neue Fischratgeber von Greenpeace empfiehlt nur noch Karpfen uneingeschränkt. Ansonsten sollen Verbraucher auf Fang- und Zuchtmethoden achten und von manchen Fischarten komplett die Finger lassen.

"Um eine umweltbewusste Wahl zu treffen, reicht der Blick auf die Fischart allein nicht aus - ausschlaggebend ist, wo und wie der Fisch gefangen oder gezüchtet wurde", erklärte Greenpeace-Meeresexpertin Sandra Schöttner bei der Vorstellung des Ratgebers. Zahlreiche Fang- und Zuchtmethoden schadeten der Umwelt erheblich. Viele Bestände seien überfischt.

Welchen Fisch können umweltbewusste Verbraucher kaufen?

Nur für den Kauf weniger Arten geben die Umweltschützer deshalb neben dem Karpfen grundsätzlich grünes Licht. Hering und Wels sind laut dem Ratgeber "überwiegend vertretbar". Für einzelne Ausnahmen gilt dies aber nicht: Dies betrifft beim Hering den Fang aus bestimmten Regionen des Nordost- und Nordwestatlantiks, auf den Verbraucher verzichten sollten. Wer Karpfen gerne mal zubereiten möchte, hier finden Sie Rezepte.

FischartKarpfen (Cyprinus carpio)Afrikanischer Wels (Clarias gariepinus)Hering (Clupea harengus)
Auf diese Ausnahmen sollten Sie verzichten:keine Einschränkung

Brasilien, Deutschland, Niederlande, Thailand, Ungarn, Vietnam

Teiche (offen)

Niger

Teiche, geschlossene Kreislaufsysteme

Nordostatlantik, Norwegische Frühjahrslaicher (Bäreninsel, Barentssee,

Färöer, Island, nördliche Nordsee, Nordostgrönland, Norwegische See, Spitzbergen),

nördlich und westlich Irlands, Porcupine Bank, westlich und südwestlich Schottlands,

Skagerrak / Kattegat, westliche Ostsee

Nordwestatlantik

Bay of Fundy, südlicher Sankt-Lorenz-Golf, Westküste Neufundlands

Vertretbare Ausnahmen: Fisch aus bestimmten Regionen

Noch komplizierter wird es bei beliebten Arten wie Lachs und Thunfisch: Beide Arten sind in dem Ratgeber grundsätzlich rot gekennzeichnet - und das bedeutet für Greenpeace: "Finger weg, nicht nachhaltig". Allerdings gibt es dabei "vertretbare Ausnahmen". Wenn Lachs oder Thunfisch aus bestimmten Regionen kommen, können sie laut dem Ratgeber durchaus gekauft werden. Dazu zählt demnach etwa pazifischer Lachs aus dem Nordostpazifik, der im Golf von Alaska mit Ringwaden, Schleppangeln oder Stellnetzen gefangen wurde.

Von welchen Arten sollten Verbraucher die Finger lassen?

Ohne Ausnahmen auf der roten Liste stehen bei Greenpeace zum Beispiel Aal, Makrele und Rotbarsch. Auch von Alaska-Seelachs, der für viele Fischstäbchen verwendet wird, sollten Verbraucher laut dem Ratgeber verzichten.

Auch wenn sich einzelne Bestände derzeit erholten, "stecken unsere Meere aufgrund von Überfischung in einer tiefen Krise", ist sich Meeresexpertin Schöttner überzeugt. 61,3 Prozent der weltweiten Speisefischbestände seien laut Welternährungsorganisation bis an die Grenze genutzt, 28,8 Prozent bereits überfischt oder erschöpft.

Für interessierte Verbraucher gibt es den Fischratgeber auf Papier im Taschenformat, als App und als praktisches Kühlschrankposter.

Kann ich mich auf Siegel verlassen?

Auch Empfehlungen der Naturschutzorganisation "World Wide Fund For Nature" (WWF) können Verbrauchern Orientierung geben. Der WWF kommt teilweise zu differenzierteren Urteilen und empfiehlt grundsätzlich, sich an verschiedenen Siegeln zu orientieren. So kennzeichnet etwa das MSC-Siegel die Herkunft aus nachhaltiger Fischerei. Bei Zuchtfisch aus Aquakulturen sollten sich Verbraucher demnach am besten für Waren mit dem ASC-Siegel oder den Kennzeichen von "Bioland" und "Naturland" entscheiden. Aus Greenpeace-Sicht kann allerdings keiner Zertifizierung uneingeschränkt vertraut werden.

Der WWF unterscheidet bei der Bewertung der verschiedenen Fischarten ansonsten zwischen den Kategorien "gute Wahl", "zweite Wahl" und "lieber nicht". Mit grün werden dabei ebenfalls Karpfen und Wels gekennzeichnet, aus einzelnen Fangregionen gilt dies demnach für Hering und Lachs.

Was sagt die Fischereiwirtschaft zu den Urteilen?

Das von Unternehmen und Verbänden gegründete Fisch-Informationszentrum (FIZ) stört sich vor allem an den harten Greenpeace-Urteilen. Diese seien "sehr realitätsfern", sagt FIZ-Sprecher Matthias Keller. Viele Bestände wie zum Beispiel der Alaska-Seelachs, von dessen Kauf Greenpeace abrät, entwickelten sich hervorragend. Zudem könnten Bestände durch eine gewisse Befischung auch besser regenerieren. Grundsätzlich rät das FIZ nicht von einzelnen Fischarten ab.

Quelle: AFP


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