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Fledermäuse verwechseln Windräder mit Bäumen

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Warum Fledermäuse so oft an Windrädern verenden

06.10.2014, 10:01 Uhr | ag

Windräder werden für Fledermäuse zur tödlichen Falle.  (Quelle: imago)

Windräder werden für Fledermäuse zur tödlichen Falle. (Quelle: imago)

In Deutschland boomt die Energiegewinnung aus Wind. Für Fledermäuse jedoch werden Windkraftanlagen oft zur tödlichen Falle. Denn die Tiere verwechseln die Windräder mit Bäumen. Das bestätigt eine Studie am Fort Collins Science Center in Colorado.

Mit Hilfe von Wärmekameras, Akustik- und Radarmessungen wurden über 900 Begegnungen von Fledermäusen mit Windkrafträdern aufgezeichnet und analysiert. Die Ergebnisse veröffentlichte das Forscherteam um Paul Cyran im Fachmagazin "PNSA".

Mehr Zusammenstöße bei ruhiger Windlage

Auffallend war, dass die Fledermäuse bei ruhiger Windlage und in hellen Mondnächten öfter in der Nähe der Rotorblätter auftauchten als bei stürmischem Wetter. Bevorzugt näherten sich die Tiere den Anlagen von der windabgewandten Seite an. Besonders hohe Zahlen an Fledermäusen wurden gemessen, wenn die Windräder blockiert waren.

Die Tiere halten Windräder für Bäume

Die Forscher schlossen daraus, dass sich die Fledermäuse Luftstromverhältnisse suchen, die ihnen von der windabgewandten Seite großer Bäume her vertraut sind. Hier nämlich seien die Bedingungen, einen Schlafplatz zu finden und auf Beuteinsekten zu treffen, ideal.

Die Tatsache, dass die Luftströme in der Nähe der Windkraftanlagen ähnlich seien, erkläre, warum es so häufig zu Zusammenstößen mit den Rotorblättern kommt und warum Fledermausarten, die in Bäumen schlafen häufiger von Unfällen betroffen sind als Arten, die in Höhlen oder Gebäuden nächtigen.

Lungen und innere Organe zerplatzen

Fledermäuse sind stark bedroht. Allein in Deutschland sterben jährlich 300.000 der Tiere in den Turbulenzen der Rotoren. Der Tod an jenen ist allerdings nicht die Folge einer Kollision: Fledermäuse sind geschickter als Vögel und können im Gegensatz zu diesen problemlos zwischen den Rotorblättern hindurch fliegen, wie Julian Heiermann, Zoologe beim Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) erklärt. "Allerdings gelangen sie hinter den Rotorblättern in den Luftstrudel und erleiden tödliche Lungenverletzungen", erklärt der Fledermaus-Experte. Die Luftverwirbelungen und der Druckabfall lassen die Lungen und inneren Organe der Tiere regelrecht platzen.

Populationen sind stark gefährdet

Laut einer Studie am Institut Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung verunglücken besonders viele weibliche und junge Tiere. Das ist für die Populationen besonders kritisch, da so die Entwicklung nachfolgender Generationen gefährdet werden könnte.

Besonders kritisch dabei ist, dass sich diese Populationen bei ungünstigen Klimabedingungen ohnehin kaum vermehren. Tierschützer fordern daher, dass an Windkraftanlagen Vorrichtungen entwickelt werden müssteb, die diesen qualvollen Tiertod verhindern.

Quelle: ag


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