07.11.2011, 09:33 Uhr | hadiet
Die gute Nachricht: In den letzten Jahren wurden durch Messungen von Geologen weltweit weitere Gasvorkommen aufgespürt. So könnte der hohe Energieverbrauch der Industrienationen und Schwellenländer noch um Jahrzehnte aufrecht erhalten werden. Die schlechte Nachricht: Die Förderung des Gases durch sogenanntes "Fracking" ist komplex, kostenintensiv sowie umwelt- und gesundheitsschädlich. So funktioniert die unkonventionelle Gasförderung.
Erdgas ist derzeit der klimafreundlichste fossile Brennstoff auf unserem Planeten. Insbesondere deshalb, weil bei der Verbrennung vergleichsweise wenig Schwefeldioxid und CO2 freigesetzt wird. In das Gas werden auch deshalb große Hoffnungen gesetzt, weil es die Wasserstofftechnologie voranbringen soll. Doch "gefracktes" Gas ist in der Ökobilanz bei weitem nicht so sauber.
Beim "fracken" werden keine konventionellen Erdgasfelder angebohrt, aus denen das Erdgas normalerweise direkt gefördert werden kann, da es sich unter abschließenden Deckschichten wie etwa Ton bereits gesammelt hat. Stattdessen lagert der begehrte Brennstoff im Gestein und kann nur durch das Aufbrechen der Mineralschichten heraus gelöst werden. Daher auch der Name "Fracking" – zu Deutsch aufbrechen oder aufreißen.
Nachdem die Tiefenbohrung gesetzt ist, wird ein Wassergemisch mit bis zu 2000 Litern pro Sekunde unter Druck in die Gesteinslagen gepresst. Es wird dafür mit Sand und verschiedenen Chemikalien versetzt. Durch den massiven Druck bricht das Gestein auf und das eingelagerte Gas kann entweichen. Über Gasleitungen wird der flüchtige Brennstoff dann abtransportiert. Der Sand hat dabei die Aufgabe, die entstandenen Risse im Gestein offen zu halten.
Die eingebrachte Flüssigkeit wird nach Ende der Bohrung weitestgehend wieder zurück an die Oberfläche gepumpt. Mehrere tausende Liter verbleiben allerdings unkontrolliert im Boden. Das wäre nicht so schlimm, wenn das Wasser nicht mit problematischen Chemikalien verunreinigt wäre. Unkontrolliert werden so die bestehenden Grundwasservorkommen kontaminiert. Die genaue Zusammensetzung des jeweiligen Chemie-Cocktails wird in der Regel nicht bekannt gegeben und obliegt den fördernden Unternehmen.
In den USA, in denen die Fördermethode seit der bewussten Änderungen der Umweltvorschriften bezüglich der Gasförderung unter George W. Bush im Jahr 2005 ungebremst boomt, haben sich bereits äußerst kritische Nebenwirkungen des Frackens gezeigt. Wie das "ZDF heute journal" berichtete, sind in nahe gelegenen Wohngebieten zahlreiche Brunnen und Trinkwasserstellen verseucht.
Aus dem Hahn kommt dort eine schlammige Brühe, die zum Teil derart mit Methangas versetzt ist, dass man das Wasser mit einem Feuerzeug in Brand setzen kann. Doch das ist nicht das einzige Problem. Kühe gebären tote Kälber, Hunde verlieren ihr Fell und Menschen haben mit Benzol und Teeröl angereichertes Blut. Für Mensch und Umwelt ist der Raubbau eine tickende Zeitbombe.
Für jedes Bohrloch in den USA müssen rund 200 LKW mit verseuchtem Wasser fachmännisch entsorgt werden. Für die Unternehmen ist das sehr kostspielig, so dass die Abwässer zum Teil in Flüsse eingeleitet oder einfach direkt bei der Fahrt in die Umwelt abgegeben werden. Die "Ruhrnachrichten" berichteten Anfang August 2011 von einem bestätigten Fall in West Viginia, wo Abwasser in einem Wald versprüht wurde.
Doch auch ohne diese Umweltsünde stellt das Pumpwasser ein Problem dar: Zunächst wird der wichtigste Rohstoff der Zukunft für Bohrungen verschwendet und muss dann aufwändig und teuer gereinigt werden. Ganz zu schweigen von dem Sondermüll, der dabei zurückbleibt. In den USA werden neben der Bohrstelle meist große Teiche angelegt, in denen das Abwasser vorübergehend lagert. Ein Großteil davon verdampft allerdings einfach in die Atmosphäre.
Zu dem verwendeten Pumpwasser mischt sich zusätzlich noch sogenanntes Lagerstättenwasser. Damit werden Flüssigkeiten bezeichnet, die sich unter Tage über tausende von Jahren angesammelt haben. Durch ungleichmäßigen Druck und extreme Temperaturen sind diese in der Regel hoch mineralisiert und teilweise radioaktiv. Diese natürliche Radioaktivität unterliegt laut dem Umweltbundesamt (UBA) nicht dem Atomgesetz, so dass es dem Unternehmer obliegt, das kontaminierte Wasser fachgerecht zu entsorgen.
Was viele nicht wissen: In Niedersachsen wird bereits seit rund 35 Jahren Gas durch Fracking gewonnen. Das hat bisher niemanden gestört – bis im Frühjahr 2011 ein ernstzunehmendes Problem in Söhlingen bei Rotenburg publik wurde. Der NDR hatte aufgedeckt, dass jahrelang krebserregende Stoffe über die Leitungen in Erde und Grundwasser gelangt waren. Der amerikanische Energiekonzern ExxonMobil, der die Förderanlage betreibt, musste daraufhin 2500 Kubikmeter Erde austauschen.
In Deutschland ist der Riese durch die Tankstellenkette Esso bekannt. Seit dem Unglück sind die Deutschen nicht nur in Rotenburg und Umgebung alarmiert. Es sind bereits weitere Probebohrungen und Bodenuntersuchungen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen genehmigt und durchgeführt wurden. Einige stehen noch aus. Bundesweit sind bereits Bürgerinitiativen gegründet worden, die sich nun aktiv gegen die unkonventionelle Gasförderung auflehnen.
Der Bundesstatt New York, Frankreich und Südafrika haben bereits Moratorien gegen die umstrittene Förderung verhängt. Deutschland ist viel dichter besiedelt, als das in den USA der Fall ist. Hier sind Lärmbelastungen, Flächenverbrauch und Lagermöglichkeiten für das versuchte Wasser ein viel größeres Problem als andernorts. Bleibt zu hoffen, dass sich Deutschland ebenfalls für ein Moratorium ausspricht, denn Berechnungen zufolge würden die deutschen unkonventionellen Gasvorkommen sowieso nur ein bis zwei Prozent des Bedarfs ausmachen.
Quelle: feelgreen.de
R.K. schrieb:
am 13. November 2011 um 14:03:39
Fracking
Müssen wir alles nachmachen was aus U.S.A. kommt ? Müssen wir Chemie in die Erde pressen ?Haben wir nicht schon genug Probleme mit
der Kernenergie ?
Berlin lernt es einfach nicht seine Bürger zu fragen . Alternative Energie kann Kosten sparen , Arbeitsplätze bringen und sichern !Die Industrie muss auch lernen , unsere Volksvertreter sollten es wissen , wenn nicht dringend lernen , dass sich die Zeit wandelt .Was nützt es wenn inrgedwann keine gesunden Menschen mehr da sind ? Zukunft ! Wo ?Wie ?
mehr
Kommentar melden
Friedel schrieb:
am 13. November 2011 um 13:55:22
Fracking
Redet doch nicht immer so viel,nein tut doch
auch einmal etwas gegen diese Geier.
Wir sind nur noch Stubenmeckerer und die Geier
lachen sich
kaputt über uns. Legt ihnen und unseren
Umweltpolitikern endlich das Handwerk. ( Wo sind die Grünen )
mehr
Kommentar melden
PauL schrieb:
am 13. November 2011 um 13:54:18
Fracking
sind die Befürworter von Exxon bezahlt worden, um diese Kommentare zu schreiben. Wenn das Fracking ok ist, dann können wir ja auch
wieder die Atomkraftwerke einschalten. Da haben wir in D ja auch noch keinen großen Unfall gehabt
mehr
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Testen Sie jetzt MyTraining.de ohne Risiko bequem von zu Hause. MyTraining.de
Gemüse, Blumen, Bäume: 1000 Tricks und Kniffe für Beet und Rasen. ZUHAUSE.DE