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Fünf Tipps für ein Leben "mit weniger Ballast"

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"Alles zu viel!" Fünf Tipps für ein Leben "mit weniger Ballast"

13.02.2016, 07:48 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, feelgreen.de

"Zeitkiller": Der Durchschnittsdeutsche schaut täglich deutlich über 200 Minuten fern. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Zeitkiller": Der Durchschnittsdeutsche schaut täglich deutlich über 200 Minuten fern. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Mir wird das alles zu viel" - ein Gedanke, der immer mehr Menschen begleitet. Sie fühlen sich fremdbestimmt und gefangen in einer Welt aus Stress und Konsum. Wie gut es sich anfühlt, loszulassen, weiß Minimalismus-Blogger Christof Herrmann. Uns hat er fünf Tipps verraten, wie man sich in kurzer Zeit neue Freiräume schaffen kann.

"Blicke ich zurück, wie ich vor einem Jahrzehnt gelebt habe, erkenne ich mich nicht wieder", sagt Herrmann. "Ich wog 99 Kilo, raste werktags im Firmenwagen mit 200 Sachen über die Autobahn zu meinem verhassten IT-Job und abends wieder zurück. Zweimal im Jahr flog ich in den Urlaub, um dem Irrsinn des Alltags zu entfliehen. Ich bewegte mich kaum und kaufte Unmengen an Dingen, die ich nie nutzte." Um aus diesem Hamsterrad zu entfliehen, wagte Herrmann 2006 den Neuanfang. Er kündigte seinen Job und seine Wohnung und verwirklichte seinen Traum: Er reiste mit dem Fahrrad um die Welt.

20.000 Kilometer mit dem Rad - und so glücklich wie noch nie

Alles was er brauchte, passte in fünf Fahrradtaschen. "Mir fehlte es an nichts. Eineinhalb Jahre, drei Kontinente, 20.000 Kilometer und unzählige Begegnungen später kam ich verändert zurück. Ich hatte den Minimalismus für mich entdeckt. Ich wollte bewusster, nachhaltiger und mit weniger Ballast leben", erinnert sich der Veganer. Er ruft seinen Blog "Einfach bewusst" ins Leben und teilt seitdem seine Erfahrungen mit seinen Lesern.

Heute hat Herrmann nur noch das, was er wirklich braucht und was ihn glücklich macht. Weniger ist mehr, ist sein Motto und er fühlt sich so frei wie noch nie. "Dabei geht es nicht nur darum, Materielles loszulassen", erklärt er. "Es ist auch wichtig, in sich selbst aufzuräumen." Und das ist möglich, ohne das Leben komplett umzukrempeln. Bereits kleine Veränderungen können eine Menge bewirken.

Tipp 1: Den Stecker aus dem Fernseher ziehen

"Der Durchschnittsdeutsche besitzt 10.000 Gegenstände. Mindestens die Hälfte kann sofort weg", findet Herrmann. Darunter auch der Fernseher. "Ich besitze seit Jahren keinen mehr. Der Fernseher ist der größte Zeit- und Kreativitätskiller unserer Zeit." Tatsächlich: Der Deutsche sieht durchschnittlich ab dem 3. Lebensjahr täglich 223 Minuten fern. Ein Versuch ist es wert: Einfach den Stecker ziehen und schauen, wie sich das anfühlt.

Tipp 2: Nicht 24 Stunden erreichbar sein

Nicht nur das Fernsehen, auch Computer und Handys verschlingen viel Zeit. Man ist immer erreichbar und nimmt selbst ständig Kontakt zu anderen auf. Der Griff zum Smartphone ist für viele die erste Tat am Tag. Doch immer erreichbar zu sein, schränkt die eigene Freiheit ein und macht abhängig. "Die Zeit, die man in die digitale Welt um Facebook, Whatsapp, Twitter und Co. investiert, fehlt in der echten. Statt Nachrichten zu schreiben, macht es doch viel glücklicher, die Person einfach anzurufen oder sie zu treffen", sagt Herrmann, der seine Elektronik immer wieder bewusst abschaltet.

Tipp 3: Briefkasten und Postfach entrümpeln

Der Blogger rät auch, an den Briefkasten den Aufkleber "Keine Werbung und Prospekte" anzubringen, sich von Newslettern abzumelden, die man sowieso nicht mehr liest und das E-Mail-Postfach aufzuräumen. Auch ein Blick in den Geldbeutel lohnt sich: "Versuchen Sie den Inhalt zu halbieren. So quillt die Börse nicht mehr über. Und vielleicht ist es eine gute Gelegenheit, sich von so mancher Kundenkarte zu trennen."

Tipp 4: Nicht jede Einladung annehmen

Um den Stress im Leben noch weiter reduzieren zu können, gilt es, auch im Kopf aufzuräumen. Ein erster Schritt kann es sein, einen kritischen Blick in den Terminkalender zu werfen. "Natürlich gibt es immer Termine, die man nicht so einfach absagen kann. Aber wir nehmen auch eine ganze Menge Termine wahr, auf die wir keine Lust haben und auf die wir genauso gut verzichten könnten. Diese sollte man absagen oder besser erst gar nicht annehmen", sagt der Minimalist. "Nur aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus zuzusagen, bringt keinem etwas. Die gewonnene Zeit kann man für etwas nutzen, was einem wirklich wichtig ist."

Tipp 5: Raus in die Natur

Ein weiterer guter Weg, um Stress den Rücken zu kehren, sind Spaziergänge und Wanderungen. Man bekommt den Kopf frei, ist in der Natur und atmet frische Luft - das entspannt. Außerdem bieten diese ruhigen Momente gute Möglichkeiten, über Wünsche und Träume nachzudenken. "Wenn ich wandere, lebe ich im Hier und Jetzt und genieße den Moment. Die Welt zu Fuß zu erkunden, ist befreiend und schärft den Blick für das Wesentliche. Man erkennt, was einem wirklich wichtig ist", sagt Herrmann.

Gerade hat der freie Autor einen Wanderführer über die Alpenüberquerung Salzburg-Triest geschrieben. Sein nächstes Ziel ist der Jakobsweg. Von seiner Haustür in Nürnberg möchte er bis in die spanische Stadt Santiago de Compostela wandern. Die 2700 Kilometer Wegstrecke will er in 100 Tagen gehen. Was er mitnimmt? "Einen 25-Liter-Rucksack. Mehr brauche ich nicht."

Weitere Tipps für ein minimalistisches Leben finden Interessierte auf www.einfachbewusst.de.

Minimalismus-Blogger Christof Herrmann hat das Wandern für sich entdeckt. (Quelle: Katharina Ott)Minimalismus-Blogger Christof Herrmann hat das Wandern für sich entdeckt.

Quelle: Ann-Kathrin Landzettel, feelgreen.de


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