Sie sind hier:

Gentechnik im Biogemüse

...

"WISO": Auch in Bio steckt Gentechnik

05.08.2013, 09:59 Uhr | hut

In vielen Bio-Blumenkohl-Köpfen steckt fremde DNA. (Quelle: imago/Steinach)

In vielen Bio-Blumenkohl-Köpfen steckt fremde DNA. (Quelle: imago/Steinach)

Keine Pestizide und keine Gentechnik: Das versprechen sich Verbraucher beim Kauf von Biogemüse. Doch diesen Standard hält die Ware im Handel nicht immer, wie eine Stichprobe des ZDF-Verbrauchermagazins "WISO" enthüllt: Fast die Hälfte der getesteten Biogemüse-Proben war gentechnisch verändert. Selbst Tiefkühlgemüse aus der Bio-Truhe ist manipuliert. Dabei wirbt gerade diese Branche damit, auf Gentechnik entschieden zu verzichten.

17 von 37 Proben enthielten fremde DNA

"WISO" untersuchte Biogemüse aus verschiedenen Filialen der Biomärkte Alnatura, denn´s, Basic, BioCompany und tegut. Das Ergebnis: 17 der 37 Biogemüse-Proben waren gentechnisch manipuliert. In Bio-Chicorée wiesen die Experten die Erbsubstanz der Sonnenblume, in Bio-Blumenkohl und -Brokkoli die Erbsubstanz des japanischen Rettichs nach. Jeder sechste frische Brokkoli und jeder vierte Chicorée war gentechnisch verändert.

Biobranche wirbt mit Gentechnik-Tabu

Gentechnik ist im Biogemüse eigentlich tabu - zumindest wenn man den Versprechen der Biobranche glaubt: "Bio ist besser!" heißt es auf der Internetseite der Biomarktkette Basic, denn "der Verzicht auf gentechnische Verfahrensweisen [. . .] bietet die größtmögliche Sicherheit für Verbraucher". Auch Alnatura verkündet auf seiner Homepage: "Bio-Produkte sind ohne Gentechnik erzeugt. Die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen oder deren Derivaten ist in der Bio-Landwirtschaft und -Verarbeitung verboten."

Demeter nimmt Ware vom Markt

Dennoch haben die Experten bei Laboruntersuchungen in der Bioware fremde DNA gefunden - auch in einer Probe des Demeter-Tiefkühlblumenkohls der Marke "Natural Cool Blumenkohl". Demeter reagierte sofort und erklärte, dass ein Fehler passiert sei. Alexander Gerber, Vorstand des Aufsichtsrates bei Demeter, erklärte "WISO" gegenüber, dass das Unternehmen die Zellfusionstechnik ablehne und die beanstandete Ware sofort vom Markt genommen habe. Außerdem habe man bei Demeter die Kontrollen auf allen Betrieben verschärft.

CMS-Hybride in Biolandwirtschaft erlaubt

Bei den betroffenen Gemüsesorten handelt es sich um sogenannte CMS-Hybride. CMS steht für "Cytoplasmatische Männliche Sterilität". Hierbei verschmelzen artfremde Zellen und Zellkerne und erzeugen unfruchtbares Saatgut. Die Pflanzen können sich nicht mehr selbst bestäuben, stattdessen wachsen die Erträge. Vor allem auf Brokkoli, Blumenkohl und Chicorée wird CMS deshalb über das Verfahren der Zellfusion übertragen.

Gemäß der EU-Freisetzungsrichtlinie zählt die Zellfusion zur Gentechnik. Bei CMS-Hybriden wird jedoch eine Ausnahme gemacht. Deshalb dürfen auch Biobauern, die nach EU-Standards produzieren, CMS-Hybride anbauen und vermarkten. Deutsche Bioverbände wie Demeter und Bioland lehnen CMS-Hybride jedoch strikt ab. Die ausführlichen Ergebnisse der Untersuchung strahlt das ZDF in der "WISO"-Sendung am Montag, 5. August, um 19.25 Uhr aus.

Quelle: hut


© Ströer Digital Publishing GmbH 2017

Anzeige
shopping-portal