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Greenpeace will deutsche Vattenfall-Kraftwerke kaufen

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Greenpeace will deutsche Braunkohlewerke von Vattenfall kaufen

06.10.2015, 14:39 Uhr | AFP, dpa

Braunkohletagebau Welzow-Süd in der Lausitz: Umweltschützer wollen den Bau weiterer Vattenfall-Minen verhindern. (Quelle: dpa)

Braunkohletagebau Welzow-Süd in der Lausitz: Umweltschützer wollen den Bau weiterer Vattenfall-Minen verhindern. (Quelle: dpa)

In der Energiebranche bahnt sich womöglich ein kurioser Deal an: Greenpeace will für das deutsche Braunkohlegeschäft von Vattenfall bieten. Die Umweltschützer wollen so verhindern, dass andere das Geschäft des schwedischen Staatskonzerns weiter ausbauen.

Die schwedische Landesorganisation von Greenpeace veröffentlichte auf seiner Internetseite einen Brief an die US-Bank Citigroup, die von Vattenfall mit dem Verkauf beauftragt wurde. "Wir werden mit Vattenfall ernsthaft über die Übernahme reden", erklärte die Präsidentin von Greenpeace Schweden, Annika Jacobson.

"Fünf neue Minen": nicht mit Greenpeace

Die schwedische Regierung dürfe es nicht hinnehmen, wenn ein Käufer dagegen weiter große Kohlemengen verbrenne. "Das ist ein Signal, das Schweden vor der Pariser Klimakonferenz nicht geben kann." Greenpeace kenne sich zudem gut aus mit den Zukunftsfragen des Energiemarktes und der Entwicklung der Klimapolitik.

Greenpeace wolle durch den Kauf das Wachstum der Kohlebranche begrenzen. Wenn das Braunkohlegeschäft an andere Käufer gehe, sei es "wahrscheinlich, dass fünf neue Minen öffnen". Dies werde zu erheblichen CO2-Emissionen führen.

Braunkohle gilt als Auslaufmodell

Vattenfall hatte am 22. September den Verkauf seines deutschen Braunkohlegeschäfts gestartet. Eine Konzernsprecherin sagte, es handele sich um einen "offenen Prozess", in dem "jedes ernsthafte Angebot" willkommen sei.

Vattenfall gab im September bekannt, das gesamte Braunkohlegeschäft in Deutschland stehe zum Verkauf: die Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe in Brandenburg, Boxberg und Block R der Anlage Lippendorf in Sachsen sowie die dazugehörigen Tagebaubetriebe in der Lausitz. Auch zehn Wasserkraftwerke nicht weit vom Braunkohlerevier in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt werden Angeboten.

Die Kohlegruben und Kraftwerke in Sachsen und Brandenburg geben rund 8000 Menschen Arbeit. Direkt und indirekt hängen rund 25.000 Jobs von der Lausitzer Braunkohle ab, die für etwa zehn Prozent der deutschen Stromerzeugung steht.

Die Verstromung von Braunkohle gilt angesichts der Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Quellen als auslaufende Technologie. Andererseits wird sie jedoch vermutlich noch auf Jahrzehnte gebraucht, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten.

Vattenfall-Vorsitzender spricht von "PR-Gag"

Vattenfall hatte im Oktober 2014 den Verkauf seines Braunkohlegeschäfts angekündigt. Hintergrund ist eine politische Umorientierung nach dem jüngsten Machtwechsel in Schweden. Dort bilden Sozialdemokraten und Grüne seit knapp einem Jahr eine Minderheitsregierung.

In einer ersten Stufe des europaweiten Verkaufsprozesses konnten bis zum Dienstag Unternehmen ihr Interesse bekunden. Die Interessenten werden nun gesichtet und in einem zweiten Schritt zu näheren Angaben aufgefordert. Um weiter dabei zu sein, müssen sie nach dem europäischen Vergaberecht eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen und zum Beispiel eine nachhaltige Finanzierung nachweisen.

Spätestens an dieser letzten Hürde könnte Greenpeace scheitern. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Vattenfall Europe Mining, Rüdiger Siebers, bezeichnete das Kaufinteresse der Umweltorganisation als einen "PR-Gag". "Das nehmen wir nicht ernst", sagte er. Der Verkaufsprozess werde sich zudem noch mindestens bis ins Jahr 2016 hinziehen.

Quelle: AFP, dpa



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