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Grüne Energie: So erkennt man gute Ökostrom-Tarife

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Gute Ökostrom-Tarife erkennen

24.12.2014, 09:55 Uhr | Susanne Ehlerding, dpa

Ökostrom (Quelle: dpa)

Was ist wirklich grüner Ökostrom? Gütesiegel geben dem Verbraucher Orientierung (Quelle: dpa)

Für die Umwelt möchte jeder gern etwas tun - wenn es nicht zu viel kostet. Das ist genau das, was Ökostromtarife versprechen. Aber das Angebot ist verwirrend, und manche Angebote sind grüner als andere.

Beim Telefonieren ist es gang und gäbe: Einfach mal den Anbieter wechseln und ein paar Euro pro Monat sparen. Und auch beim Stromanbieter nimmt die Wechselbereitschaft zu. Nach den neuesten Zahlen der Bundesnetzagentur haben sich 2012 rund 2,6 Millionen Deutsche einen neuen Stromlieferanten gesucht, Umzüge oder Insolvenzen von Anbietern nicht mitgerechnet. Allerdings steht dabei oft nicht das Geld im Fokus, sondern die Umwelt.

Keine gesetzliche Definition für Ökostrom

Laut einer Studie des Vergleichsportals Verivox entschieden sich von allen Wechslern fast 60 Prozent für einen Ökostromtarif. Sie bekommen also Strom, der aus erneuerbaren Energien stammt. Das können Wind und Wasser, Photovoltaik oder Biomasse sein.

Doch wie grün die Ökostromtarife wirklich sind, ist nicht genau geklärt. Denn eine gesetzliche Definition von Ökostrom gibt es nicht. Heute werbe fast jedes Stadtwerk damit, schreibt das Magazin "Ökotest" in seiner Sonder-Ausgabe Energie - und hegt den Verdacht, dass auch Atomunternehmen als Eigner dahinterstecken könnten.

Praxis ist es jedenfalls, Strom aus längst abgeschriebenen Wasserkraftwerken als Ökostrom zu vermarkten, sagt Florian Krüger von Verivox. Laut einer Forsa-Studie sind Norwegen und Österreich, die viel Strom aus Wasserkraft erzeugen, typische Herkunftsländer. Sie verkaufen Zertifikate, die vom physikalischen Strom getrennt sind, beispielsweise an Stromanbieter in Deutschland. Die könnten gleichzeitig in einem anderen Tarif weiter mit Kohle- oder Atomstrom handeln, so das Fazit von "Ökotest".

Warum aber kaufen die deutschen Stromhändler solche Zertifikate, wo es doch im Land der Energiewende Grünstrom im Überfluss geben müsste? Der Grund ist eine Bestimmung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Demnach müssen alle Erzeuger, die eine EEG-Umlage in festgelegter Höhe erhalten, ihren Strom an der Börse verkaufen. Er fließt in den allgemeinen großen Stromsee, aus dem alle Verbraucher bedient werden. Grünstrom wird darin zum sogenannten Graustrom.

"Ökotest" veröffentlicht Liste der Besten

Trotzdem können Verbraucher wirklich grünen Strom an einem Gütesiegel erkennen. Eines der beiden strengsten, das Siegel "Ok-Power", vergibt der Verein Energievision. Er wird vom Öko-Institut und der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen getragen. Wie beim Gold-Siegel vom Verein Grüner Strom Label, den Umweltorganisationen gegründet haben, müssen sich die Träger dazu verpflichten, einen bestimmten Anteil ihrer Erlöse in den Ausbau erneuerbarer Energien zu stecken. So soll sich der Anteil ökologischer Erzeugung erhöhen.

Alle Anbieter mit dem Siegel "Ok-Power" oder dem "Grüner Strom Label Gold" hat das Öko-Institut kürzlich in einer Liste für seine Plattform EcoTopTen zusammengetragen. Darunter sind allerdings auch Anbieter wie Vattenfall, die in einem anderen Geschäftsfeld Strom aus der besonders klimaschädlichen Braunkohle herstellen. Deshalb hat "Ökotest" noch einmal genauer hingeschaut und in einem Sonderheft die Besten der Besten ausgewählt.

Um hier aufgenommen zu werden, müssen die Anbieter rund ein Drittel des verkauften Öko-Stroms aus Erneuerbare-Energien-Anlagen beziehen, die nicht älter als sechs Jahre sind. Alternativ können sie einen Teil des Strompreises in den Ausbau von regenerativer Stromerzeugung investieren. Die Öko-Stromangebote durften maximal 20 Prozent teurer als der Durchschnittspreis für konventionellen Strom sein. Aufs Siegertreppchen kam kein Anbieter, der gleichzeitig Kohle- oder Atomstrom im Angebot hatte. Immerhin zwölf Angebote blieben übrig, die bundesweit bestellbar sind und mit denen Verbraucher tatsächlich etwas für nachhaltige und saubere Energieerzeugung tun können.

Wer weniger streng mit seinen Kriterien ist, muss für Ökostrom nicht mehr bezahlen als für konventionellen Strom, sagt Florian Krüger. Ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden könne durch den Wechsel zum günstigsten verfügbaren Ökostrom-Angebot mit Gütesiegel sogar über 300 Euro im Jahr gegenüber dem sogenannten Grundversorgungstarif sparen. In diesem ist man automatisch, wenn man bisher nie gewechselt hat.

Tarifwechsel meist unkompliziert

Der Wechsel selbst ist relativ einfach: Man gibt dem neuen Versorger Bescheid, dass man wechseln möchte, und dieser kündigt beim alten Lieferanten. Beachten muss man dabei die eigene Kündigungsfrist. Bei Preiserhöhungen gibt es ein Sonderkündigungsrecht. Tarife mit Vorauskasse sollte man wegen einer möglichen Pleite des Versorgers meiden, rät "Ökotest". Boni könnten die wahren Kosten verschleiern. Florian Krüger ergänzt, dass man eine Vertragslaufzeit, die länger ist als zwei Jahre, nicht akzeptieren sollte.

Der Verein Energievision fordert alsbald eine gesetzliche Regelung, die festlegt, was eigentlich Ökostrom ist. "Ökotest"-Chefredakteur Jürgen Stellpflug sieht das genauso. "Man muss nicht immer nach dem Staat rufen. Aber wenn die Marktteilnehmer es nicht zustande bringen, dass der Verbraucher die wirklich ökologischen Tarife findet, muss der Gesetzgeber ran", sagt er. Bisher aber sehe die Politik die Notwendigkeit "noch gar nicht", bedauert er.

Immerhin: Mehr Transparenz bei Strom- und Gaspreisen gibt es seit kurzem durch eine neue Verordnung der Bundesregierung. Versorger müssen Kunden in der Grundversorgung laut Verivox künftig über die Höhe staatlicher Belastungen durch Steuern, Abgaben und Umlagen informieren. Sinke die Belastung durch diese Preisbestandteile, müssten die Preise neu kalkuliert werden. Dies gilt für alle Tarife, nicht nur für Ökostrom.

Quelle: Susanne Ehlerding, dpa


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