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Hannes Jaenicke: Weltverbesserer im Großen - und im ganz Kleinen;

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Hannes Jaenicke: "Wegwerfgesellschaft hat ausgedient"

10.04.2012, 16:41 Uhr | Ulrike Benz

Der bekannte Schauspieler Hannes Jaenicke ist überzeugter Umweltschützer. (Quelle: dapd)

Der bekannte Schauspieler Hannes Jaenicke ist überzeugter Umweltschützer. (Quelle: dapd)

Hannes Jaenicke ist nicht nur Schauspieler mit Leib und Seele, sondern auch ein überzeugter Umweltschützer. Mit seiner Weltverbesserungsliste gibt der 51-Jährige hier Tipps zur ganz privaten Rettung der Umwelt - was kann jeder einzelne zu Hause tun, was ist unterwegs zu beachten und was ist wichtig beim Essen und Trinken? Trotz aller Ratschläge weiß er selbst: Es ist schwierig, im Alltag ständig nachhaltig zu leben. Jaenicke versucht es – mit Ausrutschern.

Schauspieler mit vielen Gesichtern

In dem Fahrstuhl-Thriller "Abwärts" kam er als Gegenspieler von Götz George auf die Kinoleinwand; in der Verfilmung "Hindenburg" war er als Variété-Künstler an Bord des weltberühmten Zeppelins. Und im "Tatort – das schwarze Haus" schlüpfte er in die Haut eines Kriminalautors. Hannes Jaenicke hat viele Gesichter. Und er ist nicht nur Schauspieler. Die wohl wichtigste Rolle seines Lebens ist die des Umweltschützers.

Information übers Fernsehen

Der Schauspieler, der zugleich Drehbuchautor und Sprecher zahlreicher Hörbücher ist, geht für den Umweltschutz drei Wege gleichzeitig: Einerseits nutzt er seine Popularität als Schauspieler, um die Menschen zu erreichen. So war er 2008 in der von ihm co-produzierten ZDF-Dokumentation "Im Einsatz für Orang-Utans" zu sehen, 2009 war er "im Einsatz für Eisbären", 2010 "… für Gorillas" und 2011 "… für Vögel". "Wenn der Konsument besser informiert wäre, würde er sich völlig anders verhalten", sagte Jaenicke in einem Interview im Juli dieses Jahres – für ein aktuelles Statement war er leider zu beschäftigt.

Engagement in zahlreichen Gruppen

Auf seinem zweiten Weg setzt sich Jaenicke für karitative Organisationen ein: von Greenpeace über Amnesty International bis hin zur Christoffel Blindenmission. Doch auch weniger bekannte Organisationen wie die „International Tibet Campaign“, die „Whale and Dolphin Conservation Society“ und die „Fans for Nature“ unterstützt er. Sein jüngstes Engagement gilt der Karl-Kübel-Stiftung für Kind und Familie, für die er seit Januar 2011 Botschafter ist.

Einsatz im Alltag

Schließlich macht sich Jaenicke auch in seinem alltäglichen Leben für die Umwelt stark. Denn der Schauspieler ist nicht nur ein Weltverbesserer im Großen – sondern auch im ganz Kleinen. Seine Erkenntnis – Wut alleine reicht nicht – hat er im September 2010 in einem Buch mit dem gleichnamigen Titel veröffentlicht. Ganz konkret hat Jaenicke eine Do-It-Yourself-Liste angelegt, mit der jeder umweltbewusst leben kann.

Zu Hause ist viel zu tun

Der selbst ernannte „berühmteste Nicht-Koch Deutschlands“ gibt Tipps zum umweltbewussten Kochen: Er rät zu Pell- oder Bratkartoffeln, die nur einen Bruchteil der Energie benötigten, die Pommes Frites brauchen. Kartoffeln und auch Reis oder Eier empfiehlt er, in den Topf mit Kaltwasser zu legen und nicht erst dazuzugeben, wenn das Wasser kocht. Zudem regt er an, im Winter nach Benutzung des Backofens die Klappe offenzulassen – das heize gründlich ein. Von Tiefkühlkost rät er ab, denn die Produktion und die Lagerung seien extrem energie-intensiv. So gibt Jaenicke Umwelt-Tricks beim Kochen weiter, die er aber selbst „nur vom Hören-Sagen“ kennt.

Unterwegs sein - ohne ständig zu konsumieren

Nach Jaenickes Ansicht kann auch jeder unterwegs auf die Umwelt achten – vor allem wenn es ums Kaufen geht. Er ruft einfach dazu auf, den Konsum zu verweigern. „Müssen wir jedem Modetrend hinterher hecheln und uns ständig neu einkleiden?“, fragt er und rechnet vor: Die Produktion einer Jeans verbrauche 10.850 Liter Wasser – nebst giftigen Farbstoffen. Bei einem T-Shirt seien es 2.700 Liter. „Brauchen wir wirklich jedes Jahr ein neues Handy? Die neuesten LCD/HDTV/3D-Flatscreen-Geräte? Den trendigsten Elektronik-Schnickschnack?“, will Jaenicke wissen. „Die Wegwerfgesellschaft hat für Vor- und Nachdenker ausgedient, oder?“

Essen und Trinken – fair und überlegt

Umweltbewusst kann sich jedermann und jede Frau auch beim Essen und Trinken verhalten. Für Jaenicke fängt das schon beim Einkaufen der Nahrungsmittel an:  Er rät dem Verbraucher, Produkte mit dem Fairtrade-Siegel zu kaufen. „Diese sorgen dafür, dass nicht fragwürdige Großkonzerne wie Nestlé und Kraft an den Lebensmitteln verdienen, sondern kleine Produktionsgenossenschaften in den produzierenden Ländern in Afrika und Südamerika“, sagt Jaenicke. „So betreibt man als Käufer nebenbei und bequem sinnvolle Entwicklungshilfe.“

Umweltschutz ist keine Spaßbremse

Jaenicke rechnet mit Vorbehalten gegen seine Weltverbesserungsliste. Deshalb schickt er sein Statement direkt hinterher: „Wer glaubt, das alles sei Spaßbremse pur, der sei getröstet: Ich habe Lachen und Spaßhaben nicht verlernt“, versichert der Umweltschützer, der selbst seit Jahren nach seiner Liste lebt. Jaenicke ist überzeugt: „Man muss nicht zum humorfreien, verbissenen Super-Öko mutieren, um etwas zur Weltrettung beizutragen.“

Ausrutscher gehören dazu

Doch die "Easy-To-Do-Liste", wie Jaenicke sie auch nennt, ist nicht immer einfach umzusetzen. „Ich versuche seit Jahren nach dieser Liste zu leben – mit regelmäßigen Ausrutschern“, räumt der Schauspieler ein. Diese Ausrutscher sind zum Beispiel berufsbedingte Flugreisen. So war Jaenicke im Herbst 2011 in Namibia, wo er das Drama „die Wüstenärztin“ drehte. Im Herbst war er zudem noch in Marokko, dort drehte er das Projekt „in einem fernen Land“. Der Schauspieler steht vor dem gleichen Problem wie jedermann und jede Frau: Umweltschutz lässt sich im Alltag nicht immer verwirklichen

Quelle: Ulrike Benz



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