28.09.2011, 09:56 Uhr | Yvonne Vavra
Für die Zukunft bauen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Wer sich zum Hausbau entschließt, muss sich mit vielem auseinandersetzen: Welcher Haustyp soll es sein? Was für eine Heizungsanlage ist die beste? In Anbetracht der ständig steigenden Kosten für fossile Brennstoffe und Strom will das gut überlegt sein. Die Beratung durch einen unabhängigen Energieexperten und eine ausgiebige Planung helfen, auf lange Sicht Kosten zu sparen. Hier eine kleine Auswahl ökologischer Baumaßnahmen und Möglichkeiten:
Das Niedrigenergiehaus darf höchstens einen Heizwärmebedarf von 70 Kilowattstunden haben - also nicht mehr als sieben Liter Heizöl oder sieben Kubikmeter Erdgas pro Quadratmeter und Jahr verbrauchen. Die Komponenten von Niedrigenergiehäusern sind verbesserte Varianten ganz gewöhnlicher, in jedem Neubau erforderlicher Bauteile. Somit kann der Niedrigenergiehaus-Standard mit relativ geringem Aufwand und Mehrkosten von etwa drei bis acht Prozent über den normalen Baukosten erreicht werden.
Das Passivhaus kommt ohne konventionelle Heizungsanlage aus. Das wird durch eine kompakte Bauweise, sehr gute Dämmung, die Ausrichtung nach Süden und Wärmerückgewinnung erreicht. Allein die Abwärme von Bewohnern und Haushaltsgeräten deckt den Heizwärmebedarf fast völlig. Per Definition müssen Passivhäuser mit weniger als 1,5 Litern fossilem Brennstoff pro Quadratmeter und Jahr auskommen. Beim Bauen ist ein Passivhaus etwa acht bis 15 Prozent teurer als ein normales Haus.
Das Plusenergiehaus ist eine Weiterentwicklung des Niedrig- und Passivenergiehauses. Es produziert mehr Energie als es verbraucht. Erreicht wird das vor allem durch eine ausreichend große Fotovoltaikanlage. Hausdach und Fassade des Plusenergiehauses fungieren als Solarkraftwerk.
Holzheizungen werden immer beliebter. Mit der Beliebtheit steigt allerdings derzeit auch der Holzpreis. Ökologisch hat Holz den Vorteil, dass es CO2-neutral ist, weil der Atmosphäre beim Wachstum der Bäume durch die Fotosynthese gleich viel CO2 entzogen wird, wie bei der Verbrennung oder Verrottung freigesetzt wird. Außerdem ist Holz ein nachwachsender Rohstoff. Das Heizen mit so genannten Holzpellets ist weniger arbeitsaufwändig als das Heizen mit Holzstücken. Zudem sind Energie- und Feinstaubbilanz von Pelletheizungen günstiger als bei jeder anderen Holzheizung. In der Anschaffung sind die Anlagen noch deutlich teurer als Öl- oder Gasheizungen. Bedacht werden sollte auch, dass Holzheizungen hohe Feinstaubbelastungen produzieren.
Die Erdwärmeheizung ist möglich, weil die Erde in der Tiefe wärmer als an der Oberfläche ist. Bei der Installation der Anlage werden ein oder mehrere tiefe Löcher gebohrt, in denen Erdsonden installiert werden. Sie enthalten eine zirkulierende Trägerflüssigkeit, die Erdwärme aufnimmt und sie nach oben zum Wärmetauscher transportiert. Dort wird die Wärme mit Hilfe einer Wärmepumpe entzogen und zum Heizen und zur Erwärmung von Brauchwasser genutzt.
Fernwärme wird in der Regel in großen, zentralen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen erzeugt, den so genannten Heizkraftwerken. Über ein weit verzweigtes Verteilernetz gelangt sie zu den einzelnen Gebäuden. Eine hauseigene Feuerungsanlage ist nicht nötig. Die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme ermöglicht einen Ausnutzungsgrad der eingesetzten Brennstoffe von bis zu 90 Prozent. Daher verursacht diese Fernwärme einen deutlich geringeren CO2-Ausstoß als konventionelle Gas- oder Ölheizungen. Die Beliebtheit von Fernwärme steigt, da Preissteigerungen seit Jahren geringer ausfallen als bei Öl- und Gasheizungen.
Solarthermische Anlagen bestehen aus Kollektoren, die Sonnenwärme auf dem Dach sammeln und über eine Flüssigkeit an einen Wärmetauscher weitergeben. Dieser erwärmt das Wasser für Bad und Küche. Optimal ist eine Dachausrichtung nach Süden - dann können bis zu zwei Drittel der Wärme, die für die Warmwasseraufbereitung benötigt wird, mit Sonnenenergie gewonnen werden. Die Kosten für Anschaffung und Installation rechnen sich innerhalb weniger Jahre durch die Energieeinsparung. Fotovoltaikanlagen erzeugen mit Hilfe von Sonne Strom. Sie rechnen sich nach etwa zehn bis 15 Jahren und sparen sehr viel Kohlendioxid ein, das sonst bei der Produktion von Strom mit fossilen Energieträgern anfallen würde.
Wärmepumpen entziehen der Umwelt - etwa der Außenluft, dem Erdreich, dem Grundwasser oder einem Gewässer - Wärme und nutzen sie als Heizwärme. Besonders effizient ist eine Wärmepumpe, wenn das Haus mit einem Niedertemperatur-Heizsystem - wie etwa einer Wand- oder Fußbodenheizung - ausgestattet ist, da das Wasser hier weniger stark erwärmt werden muss. Wärmepumpen werden mit Strom betrieben. Das bedeutet, dass mit einem Teil Strom drei bis fünf Teile Wärme erzeugt werden.
Wärmerückgewinnung erfolgt meist über eine Anlage, die im Wesentlichen aus einem Ventilator und einem Wärmetauscher besteht und die Lüftung der Wohnung betreibt. Dabei wird die angesaugte Außenluft mit der Wärme der Abluft erwärmt. Abhängig vom Wärmetauscher können 60 bis 90 Prozent der Wärme der Abluft zurückgewonnen werden. Abgesehen von der Energieeinsparung hat die Anlage den Vorteil, dass durch die Filterung der Außenluft Schmutz und Pollen fernbleiben - ebenso wie Lärm. Davon können besonders Allergiker und Bewohner von Ballungsgebieten profitieren.
Wärmeschutzglas gibt es sowohl als zwei- als auch dreischeibige Isolierverglasung. Wärmeschutzgläser haben auf der inneren Scheibe eine dünne Metallschicht, die Licht durchlässt, aber Wärme im Raum hält. Dreifach verglaste Fenster isolieren gegenüber Einfachgläsern etwa fünf Mal so gut.
Brennwerttechnik wird bei Gas- und Ölheizungen eingesetzt. Sie hat einen hohen Wirkungsgrad, weil auch die bei der Kondensation der Heizabgase frei werdende Wärme genutzt wird. Gas- und Ölheizungen mit Brennwerttechnik sind etwas teurer als normale Heizkessel, ihr Wirkungsgrad liegt aber bei etwa 96 Prozent.
Quelle: Raufeld
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