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Immer mehr Wale zieht es vor die Küste von New York

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Forscher vor Rätsel: Immer mehr Wale zieht es vor die Küste von New York

21.08.2016, 16:13 Uhr | Christina Horsten, dpa

Ein Buckelwal taucht vor der Küste New Yorks auf.  (Quelle: dpa)

Ein Buckelwal taucht vor der Küste New Yorks auf. (Quelle: dpa)

Whale Watching direkt vor den Toren von New York - klingt unwahrscheinlich, wird aber zunehmend Realität. Die Meeressäuger zieht es immer näher an die Küste der US-Metropole. Forscher wollen nun herausfinden, was hinter diesem Verhalten steckt.

Während im Hintergrund die Skyline von New York ganz langsam immer kleiner wird, begrüßt Merryl Kafka die Gäste an Bord der "American Princess". "Guten Morgen! Ich bin heute die zuständige Naturforscherin", sagt Kafka in ihr Mikrofon. Mit "thank you for being a-whale-able" - einem Wortspiel aus "available" für verfügbar und "whale" für Wal - leitet sie zum Anlass des Bootsausflugs über: Walbeobachtung - und das nur wenige Kilometer vor den Hochhäusern Manhattans.

"Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier in New York möglich ist", sagt Naomi Winter, die mit Fernglas und Kamera ausgestattet an der Reeling sitzt. Winter stammt von der Westküste der USA und ist zum ersten Mal in New York zu Besuch. "Ein Foto von einem Wal vor der Skyline als Mitbringsel - das wäre es!"

"Ein völliges neues Phänomen"

Walbeobachtungs-Ausflüge gibt es in New York erst seit einigen Jahren. Bislang bietet die "American Princess" als einziges Boot im Hafen der Stadt solche Exkursionen an. Dreimal die Woche fährt sie ab der vorgelagerten Halbinsel Rockaway im Stadtteil Queens rund vier Stunden lang durch die Gewässer vor New York und dem Nachbarbundesstaat New Jersey - immer mittwochs, donnerstags und freitags zwischen Juni und September. Ein Ticket kostet 45 Dollar, umgerechnet also etwa 40 Euro.

"Bei bis zu 90 Prozent der Ausflüge sehen wir inzwischen Buckelwale", sagt Naturforscherin Kafka. "Das ist ein völlig neues Phänomen. Schon immer kamen die Tiere auf dem Weg von der Karibik, wo sie ihre Jungen bekommen, in den Norden hier vorbei. Aber früher schwammen sie nicht so nah an die Küste. Seit etwa fünf bis sieben Jahren beobachten wir immer mehr und sie bleiben etwa drei Wochen. Manchmal kommen sie unserem Boot so nah, dass wir sie atmen hören können."

Mithilfe von Fotos katalogisieren Kafka und ihre Kollegen vom Naturschutzverein "Gotham Whale" die Tiere. Mindestens 37 individuelle Buckelwale haben sie so bereits entdeckt.

"Sie sehen die Gegend wie ein neues Restaurant", sagt Kafka, die rund 30 Jahre lang am New Yorker Schauaquarium in Coney Island gearbeitet hat. "Die Wasserqualität wird immer besser und das Meer ist hier reich an Nährstoffen. Daran könnte es liegen, dass die Wale hierher kommen. Aber auch der Klimawandel und die globale Erwärmung der Meere könnten eine Rolle spielen. So genau wissen wir es noch nicht."

Lärm könnte den Walen schaden

Nicht nur, warum die Wale näher an die Skyline von New York heranschwimmen, ist den Forschern noch nicht genau klar, sondern auch, wie es ihnen dabei geht. Der Hafen der Millionenmetropole, wo der Hudson River in den Atlantik fließt, ist einer der betriebsamsten der Welt: Tag und Nacht kreuzen Jet Skis, Kreuzfahrtschiffe, Segelboote, Motorjachten und riesige Frachtschiffe. Dass Schiffslärm für Meerestiere schädlich sein kann, vermuten Wissenschaftler schon lange. Erst vor kurzem hatten Forscher Wale im Meer vor dem nordöstlichen US-Bundesstaat Maine untersucht und herausgefunden, dass Lärm sie bei der Nahrungsaufnahme stört.

Der Krach im Meer vor New York und sein Einfluss auf die Wale dort wird seit kurzem mit einer speziellen Boje untersucht. Ein Team um Mark Baumgartner von der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) setzte das mit einem speziellen Mikrofon ausgestattete Gerät Ende Juni im Meer vor der Metropole aus. Nach einem Jahr soll das Gerät wieder eingeholt und die Aufnahmen ausgewertet werden. "Mit dieser Arbeit wollen wir den New Yorkern dabei helfen, zu verstehen, dass große Wale quasi in ihrem Garten leben." 

Die Daten sollen aber auch den Forschern zeigen, wie viele Wale im Meer sind, was für Arten und auch wie laut es dort unten wirklich ist. Unter anderem haben die Forscher schon Finnwale gehört.

Auf der Walbeobachtungstour der "American Princess" dagegen lassen sich an diesem Tag dagegen zwar Dutzende Delfine blicken, aber keine Wale. "Das liegt wahrscheinlich an den Wetterbedingungen heute", sagt Kapitän Tom Paladino. "Alle Nährstoffe werden tief ins Wasser gedrückt, da brauchen die Wale nicht so oft an die Oberfläche zu kommen." 

Der Vater des 68-Jährigen hat die Bootsfirma gegründet, auch er selbst ist schon sein ganzes Leben lang Kapitän. "Ich habe hier schon alles gesehen - Schildkröten, Haie, Rochen. Aber Wale sehe ich in dieser Gegend erst seit wenigen Jahren. Und dann im Hintergrund die Skyline - das ist wirklich etwas ganz Besonderes!"

Quelle: Christina Horsten, dpa


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