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In Israels Wüste wächst der größte Solarturm der Welt

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In Israels Wüste wächst der größte Solarturm der Welt

18.06.2016, 18:24 Uhr | AFP

Beim Bau eines Giganten: Der Solarturm in der Negev-Wüste soll eine Höhe von 240 Metern erreichen. (Quelle: Reuters)

Beim Bau eines Giganten: Der Solarturm in der Negev-Wüste soll eine Höhe von 240 Metern erreichen. (Quelle: Reuters)

Mitten in der Einöde von Israels Negev-Wüste entsteht derzeit der weltweit höchste Solarturm. Er gleicht einem gestrandeten Leuchtturm und verkörpert die Hoffnungen des Landes auf erneuerbare Energien. Ende 2017 soll der Aschalim-Turm, benannt nach dem benachbarten Ort, in Betrieb gehen. Mit am Ende 240 Metern ist der Turm viermal höher als die Pilotanlage im rheinischen Jülich, welche diese neue Kraftwerktechnik seit sieben Jahren erprobt.

Das viereckige Bauwerk wird mit seiner glänzenden Beschichtung aus rostfreiem Stahl selbst vom 30 Kilometer entfernten Ägypten aus sichtbar sein. Rund um seine Basis werden sich 55.000 Spiegel auf 300 Hektar Fläche verteilen, was 430 Fußballfeldern entspricht.

Diese verstellbaren Spiegel reflektieren die Sonnenstrahlen konzentriert zum "Boiler" an der Spitze des Turms. Dort entsteht bei 600 Grad Hitze Wasserdampf, der am Fuß des Solarturms eine Großturbine antreibt. So werden in Aschalim künftig 121 Megawatt Strom erzeugt, die zur Versorgung von 120.000 Haushalten ausreichen und jährlich 110.000 Tonnen Treibhausgas-Emissionen einsparen sollen.

Israel setzt auf Sonnenwärme

Finanziert wird das 500 Millionen Euro teure Sonnenwärmekraftwerk vom US-Multi General Electric. Anteile am Joint Venture Megalim Solar Power halten zudem der französische Mischkonzern Alstom und der israelische Investmentfonds Noy. Die israelische Regierung hatte das Projekt 2013 ausgeschrieben. Sie verpflichtet sich, den dort erzeugten Strom 25 Jahre lang zu Subventionspreisen abzunehmen.

Denn die Erzeugerkosten in einem Solarturm seien derzeit "zwei- bis dreimal höher" als bei der Stromproduktion in einem Kohle- oder Ölkraftwerk, erklärt Projektleiter Eran Gartner, der von Alstom zum Betreiber Megalim wechselte. Um eine möglichst autonome Energieversorgung zu sichern, will Israel bis 2020 zehn Prozent seines Bedarfs aus erneuerbaren Energien decken.

"Deshalb setzt der Staat auf diese Technologie, deren gegenwärtigen Kostennachteil wir nicht leugnen, aber durch Skalierung mit dem Bau weiterer Türme abbauen wollen", erläutert Gartner. Die Israelis sind im Alltag schon seit langem an Solartechnologie gewöhnt. Zu nahezu jeder Wohnung gehört auf dem Flachdach ein Wasserspeicher mit Kollektor.

Optimale Bedingungen in der Negev-Wüste

Der Sonnenturm mit seinem Spiegel-Hof gehört allerdings zu den solarthermischen Kraftwerken mit Bündelung der Direktstrahlung. Sie erreichen höhere Wirkungsgrade als die Photovoltaikanlagen, bei denen jedes Modul ein Minikraftwerk ist. Rentabel ist die Solarthermik aber nur, wenn sie in Großanlagen und in sonnenverwöhnten Regionen eingesetzt wird.

Deshalb gab es in Jülich seit Planungsbeginn Kritik an der Standortwahl. Selbst der Solarenergie-Förderverein Deutschland sprach von "einer Verschwendung von Mitteln". In Aschalim, wo das ganze Jahr hindurch eine starke direkte Sonneneinstrahlung gegeben ist, sind die Voraussetzungen dagegen optimal.

Die 55.000 Spiegel folgen im Tagesverlauf wie Sonnenblumen dem Weg der Sonne und decken eine Reflektionsfläche von einer Million Quadratmetern ab. "Wir haben die Spiegelgröße gegenüber der Vorläufergeneration verdreifacht. Alles wird kabellos per Wifi gesteuert, Turm und Boiler wurden kostenoptimiert. Wir tun wirklich alles, um die Rentabilität zu verbessern", versichert der Projektleiter.

Aber selbst im Negev scheint nachts keine Sonne, was die Anlage stundenlang zur Betriebspause zwingt. Die Ingenieure haben deshalb Wärmespeicher entwickelt, welche die Betriebsaufnahme bei Tagesanbruch stark beschleunigen.

Sonnenwärmekraftwerke gibt es außer in Jülich auch schon in Marokko, Südafrika und der kalifornischen Mojave-Wüste, wo in Ivanpah der bislang höchste Solarturm steht. Doch seine 137 Meter werden in Aschalim bald deutlich in den Schatten gestellt.

Quelle: AFP


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