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Kampf gegen Klimawandel: 45 Länder wollen komplett auf Kohle, Öl und Gas verzichten

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45 Länder wollen komplett auf Kohle, Öl und Gas verzichten

18.11.2016, 13:14 Uhr | Von Axel Bojanowski, Spiegel Online

Eine Solaranlage (Quelle: Picture Alliance / zumapress.com)

Eine Solaranlage (Quelle: Picture Alliance / zumapress.com)

Es ist ein bedeutender Beschluss auf der Uno-Klimakonferenz in Marokko: 45 Staaten möchten ihre Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energien umstellen. Die Tagung endet euphorisch.

Sie halten sich für die Staaten, die am meisten durch den Klimawandel bedroht werden. Seit Jahren versuchen 43 Länder, die sich im "Climate Vulnarable Forum" (CVF) zusammengeschlossen haben, der Weltgemeinschaft ein Versprechen abzuringen: den Verzicht auf Kohle, Öl und Erdgas.

Sie halten sich für die Staaten, die am meisten durch den Klimawandel bedroht werden. Seit Jahren versuchen 43 Länder, die sich im "Climate Vulnarable Forum" (CVF) zusammengeschlossen haben, der Weltgemeinschaft ein Versprechen abzuringen: den Verzicht auf Kohle, Öl und Erdgas.

Bis spätestens 2020 wollen sie ihre nationalen Klimaziele auf das Ziel hin umschreiben. Ziel sei, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad über dem Niveau des 19. Jahrhunderts zu bremsen. Das Konzept der CVF-Länder ist der bei weitem ehrgeizigste Klimaplan der Welt.

Kipppunkt einer Energierevolution

Es handelt sich um ärmere Länder aus Afrika, Asien, der Karibik und der Südsee und um mindestens zwei weitere Staaten, die nicht zum CVF-Verbund gehören, die noch bekannt gegeben werden sollen. Womöglich kämen sogar zwölf weitere Länder zusammen, sagten die Organisatoren der Initiative auf der Tagung in Marrakesch.

All diese Staaten eint die Sorge, besonders durch den Anstieg des Meeresspiegels, durch Dürren und Stürme bedroht zu sein, deren Auswirkungen sich aufgrund der erwarteten Erwärmung verschärfen könnten.

"Das ist endlich eine Ansage ohne Hintertüren", kommentiert die Klimaexpertin von "Brot für die Welt", Sabine Minninger, den Beschluss der 45 Länder. Die globale Energiewende werde jetzt von den potenziellen Opfern des Klimawandels gesteuert.

Als "sehr starke Botschaft" bezeichnet Wael Hmaidan von der Umweltorganisation Climate Action Network die Initiative der CVF-Staaten. Sie markiere "den Kipppunkt einer Energierevolution", meint Jessy Tolkan vom Umweltnetzwerk Purpose Climate Lab.

Euphorische Uno-Erklärung

Die Vereinten Nationen beschließen ihre Klimatagung in Marrakesch am Freitag mit einer teils euphorisch klingenden Abschlusserklärung: "Ein außerordentliches Momentum" im Kampf gegen den Klimawandel sei erreicht, heißt es im Entwurf der Abschlusserklärung der Konferenz, die am Freitagnachmittag veröffentlicht werden soll.

Aufgabe sei es, auf dem Welt-Klimavertrag aufzubauen, die Klimaziele aller Staaten stetig zu verschärfen - noch vor 2020. Dieser Forderung sind nun die 43 CVF-Länder und ihre zwei Partnerstaaten nachgekommen. Sie füllten den Klimavertrag mit Leben, sagt Minninger.

Die Energiewende der 45 soll von Industrieländern ermöglicht werden. Der Klimavertrag sieht Entwicklungshilfe in Höhe von jährlich 100 Milliarden Dollar vor, um die Folgen des Klimawandels zu mildern. Westliche Firmen sollen die Technologie liefern.

Geld aus Deutschland

Auf der Klimatagung in Marrakesch hat Deutschland seine Klimahilfen für arme Staaten um 50 Millionen aufgestockt; insgesamt will es ab 2020 vier Milliarden Euro im Jahr zur Verfügung stellen. "Es ist gute Tradition, dass Deutschland zur jährlichen Klimakonferenz frisches Geld in den wichtigen Anpassungsfonds einzahlt", lobt Jan Kowalzig, von der Hilfsorganisation Oxfam.

Arme und reiche Staaten erhoffen sich Vorteile: Die einen brauchen Technologie, um mit billiger Energie ihre Lebensverhältnisse zu bessern. Die anderen wollen Absatzmärkte für Energietechnologie ausbauen. "Ein Solarpanel ist billig, lässt sich in jedem Dorf aufstellen und hebelt die Menschen aus der Energiearmut", sagt Minninger.

Was macht Trump?

Ein wesentlicher Geldgeber des Klimavertrags allerdings droht auszufallen - was die Umsetzung des Abkommens erheblich erschweren könnte: Der neue Präsident der USA, Donald Trump, hatte vor der Wahl angekündigt, aus dem Klimavertrag aussteigen und Zahlungen einstellen zu wollen.

Die scheidende US-Regierung setzte in Marrakesch ein letztes kraftvolles Signal: Sie präsentiert ambitionierte Klimaziele der USA bis zur Mitte des Jahrhunderts.

Auf ein Fünftel im Vergleich zu 2005 sollen die Treibhausgasemissionen des Landes bis 2050 reduziert werden - so sieht es die "Dekarbonisierungsstrategie" vor, die noch im Dezember beschlossen werden soll. Ob sie bestehen kann, entscheidet die Regierung Trump.

Quelle: Von Axel Bojanowski, Spiegel Online


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