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Klimawandel bringt Eisbären um: "Wenn wir nichts tun, sieht es schlecht aus"

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Expertin: "Wenn wir nichts tun, sieht es schlecht aus"

19.10.2016, 10:04 Uhr | Von Ann-Kathrin Landzettel, feelgreen.de

Ein Eisbär klammert sich an eine Eisscholle. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein Eisbär klammert sich an eine Eisscholle. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Schätzungen zufolge gibt es weltweit nur noch zwischen 20.000 und 25.000 Eisbären, die sich auf 19 voneinander getrennten Populationen verteilen. Und die Anzahl droht weiter zu schrumpfen. "Wenn wir jetzt nicht handeln, sieht es schlecht aus", warnt Sybille Klenzendorf von der Welt-Naturstiftung WWF Deutschland.

Es ist der Klimawandel, der den Eisbären am meisten zu schaffen macht. Seit Jahren geht das Packeis immer schneller und weiter zurück. "Es gibt Untersuchungen, die davon ausgehen, dass in 20 bis 30 Jahren die Arktis im Sommer eisfrei sein wird", sagt Klenzendorf, die am WWF Arktis-Programm mitarbeitet und häufig selbst vor Ort ist.

Mit dem Eis schmilzt auch der Lebensraum der Eisbären

Eine Arktis ganz ohne Eis wäre für die Eisbären eine Katastrophe. Sie brauchen das Packeis für ihre Jagd und um sich Fettreserven anzufressen. Vor allem Robben stehen auf ihrem Speiseplan. Doch schon jetzt müssen viele Tiere lange hungern. "Wir haben Eisbären mit Sonden ausgestattet und die Auswertungen der Daten zeigen: Manche Eisbären schwimmen bis zu 600 Kilometer, um Eis oder Festland zu erreichen. Es ist zudem nicht auszuschließen, dass es Tiere gibt, die dabei ertrinken, weil ihnen die Kräfte ausgehen", sagt Klenzendorf.

Hinzu kommt: Gehen die Möglichkeiten der Nahrungssuche weiter verloren, wird das auch für die Jungtiere zu einer echten Herausforderung. Am Southern Hudson Bay, in der Beaufortsee in Alaska oder im Nordwesten Kanadas ist für die Eisbären die Aufzucht ihrer Jungen bereits jetzt ein harter Kampf.

Das Eisbärensterben geht weiter

Seit 2006 wird der Eisbär auf der Internationalen Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als gefährdet geführt. "Schätzungen zufolge nimmt in den nächsten 30 Jahren die Gesamtpopulation um weitere 30 Prozent ab. Und in diesen Schätzungen sind die hohen Methanausgasungen, die mit der Eisschmelze einhergehen und die Erwärmung weiter vorantreiben, noch nicht berücksichtigt", so die Eisbär-Expertin.

Neben dem Klimawandel kommen noch weitere Störfaktoren für die Tiere hinzu: darunter die zunehmende Schifffahrt, die Verschmutzung der Meere sowie die Öl- und Gasförderung. "Wir müssen in vielen Bereichen handeln, um den Lebensraum der Eisbären zu erhalten. Und wir müssen es schnell tun", mahnt Klenzendorf.

Immer mehr Eisbären zieht es in Menschennähe

Schon jetzt ziehen sich viele Eisbären auf das Festland zurück. Der Hunger treibt sie immer stärker in die Nähe von Menschen. Das kann gefährlich werden und es kommt vor, dass Eisbären erschossen werden müssen. "Wir haben Arbeitskreise gegründet, um gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu überlegen, wie man die plötzliche Nähe zu den Tieren meistern kann", erklärt die Tierschützerin.

Dazu gehört zum Beispiel die richtige Abfallentsorgung, denn der Geruch zieht die hungrigen Tiere an. Beim Wal- und Robbenfang der Einheimischen sind Begegnungen ebenfalls möglich. Auch diskutiert wird, welche Küstenabschnitte zeitweise gemieden werden können, um die Aufzucht der Jungtiere nicht zu gefährden.

Weltklimaabkommen: eine Chance für die Eisbären

Neben den lokalen Maßnahmen kommt es aber vor allem auf die globale Unterstützung an. "Nur wenn alle Länder bereit sind, den Klimawandel aufzuhalten, haben die Arktis und die Eisbären eine Überlebenschance", sagt Klenzendorf. Das fängt beim Thema erneuerbare Energien an, geht über den Schutz der Regenwälder bis hin zur Risiken-Minimierung bei der Gas- und Ölförderung und dem Stopp weiterer Überfischung.

Ein wichtiger Weg wurde Ende letzten Jahres mit der UN-Klimakonferenz in Paris beschritten. Das zentrale Ziel ist, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Seit dem 5. Oktober 2016 haben mehr als 55 Länder, die für mehr als 55 Prozent des CO2-Ausstosses verantwortlich sind, das Abkommen ratifiziert. Am 4. November tritt der Klimavertrag damit in Kraft. "Wir müssen jetzt handeln, nicht nur für die Eisbären, sondern auch für uns", betont Klenzendorf.

Quelle: Von Ann-Kathrin Landzettel, feelgreen.de


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