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Klimawandel: Südspanien könnte zur Wüste werden

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Klimawandel: Südspanien könnte zur Wüste werden

28.10.2016, 11:50 Uhr | dpa

Südspanien könnte durch den Klimawandel zur Wüste werden. Hier die ehemalige Filmkulisse des Sergio Leone-Films "Once upon a time in the West" im spanischen Andalusien. (Quelle: dpa)

Südspanien könnte durch den Klimawandel zur Wüste werden. Hier die ehemalige Filmkulisse des Sergio Leone-Films "Once upon a time in the West" im spanischen Andalusien. (Quelle: dpa)

Wenn der Klimawandel nicht eingedämmt wird, ist der Mittelmeerraum mit seiner einzigartigen Artenvielfalt akut bedroht. Südspanien beispielsweise könnte sich bald in eine Wüste verwandeln. Wissenschaftler fordern daher nachdrücklich, dass das Pariser Klimaabkommen eingehalten werden muss.

Eine Erderwärmung von mehr als 1,5 Grad hätte extreme Folgen für die Ökosysteme im Mittelmeerraum. Innerhalb der kommenden 100 Jahre würde sich die Natur so sehr verändern wie in den vergangenen 10.000 Jahren nicht. Das geht aus einer Studie hervor, die im Fachmagazin "Science" präsentiert wird.

Gravierende Änderungen drohen

Bei einer Erwärmung von mehr als 2,0 Grad prognostizieren die Forscher gravierende Änderungen: Große Teile Südeuropas und Nordafrikas werden wegen Wasserknappheit zur Wüste. An Trockenheit angepasste Hartlaubgewächse breiten sich in der Ebene aus, wo dafür die Laubwälder verschwinden. Diese weichen in höhere Lagen aus und verdrängen Gebirgswälder. Ein anderer Forscher hält die Studie für die erste, die sich umfassend mit dem Thema in dieser Region beschäftigt – wirft ihr jedoch Schwächen vor.

Im vergangenen Dezember hatten sich 195 Staaten bei der Pariser Klimakonferenz darauf geeinigt, die Erderwärmung durch den Treibhauseffekt auf "deutlich unter zwei Grad" Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Sie wollten sich aber anstrengen, sie bei 1,5 Grad zu stoppen.

Mittelmeerraum ist bereits 1,3 Grad wärmer

Der Mittelmeerraum erwärmt sich besonders schnell. Die Temperatur liegt der Studie zufolge jetzt schon 1,3 Grad höher als zwischen 1880 und 1920. Im weltweiten Durchschnitt stieg die Erdtemperatur seit Aufzeichnungsbeginn um rund ein Grad.

Forscher um Joel Guidot und Wolfgang Cramer von der Universität Aix-Marseille untersuchten Pollenablagerungen, die Erkenntnisse über die Veränderungen von Klima und Ökosystemen der Region während des Holozäns zulassen. Das Holozän ist der jüngste Zeitabschnitt der Erdgeschichte und reicht 11.700 Jahre zurück. Auf dieser Grundlage schätzten die Forscher die Auswirkungen auf Klima und Vegetation für verschiedene Temperaturanstiege ab.

Das Wasser wird knapper werden

Ein Großteil der Szenarien in der Studie geht von Wasserknappheit für den Mittelmeerraum in den kommenden Jahrzehnten aus. Daraus folge ein Verlust der mediterranen Ökosysteme und ihrer Artenvielfalt. Dies sei besonders kritisch, weil die Mittelmeerregion ein Hotspot weltweiter Artenvielfalt sei. Außerdem böte die Region den Menschen etlichen Nutzen – sauberes Wasser etwa, Hochwasserschutz und Raum zur Erholung. Diese Faktoren würden ohne ambitionierten Klimaschutz in Zukunft stark zurückgehen.

Verhindert werden könnten derlei Folgen den Forschern zufolge nur, indem der Temperaturanstieg auf maximal 2,0 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werde. In den Grenzen der vergangenen 10.000 Jahre blieben die Auswirkungen des Klimawandels nur bei Erreichen des Idealziels von 1,5 Grad.

Erste flächendeckende Studie zum Klimawandel

"Die vorliegende Veröffentlichung ist die erste umfassende flächendeckende Studie zu den ökosystemaren Auswirkungen des Klimawandels im Mittelmeergebiet", sagte der Leiter des Lehrstuhls Biogeographie der Universität Bayreuth, Carl Beierkuhnlein. Die Konsequenzen für die gesamte Artenvielfalt seien jedoch unklar, weil eine Pollenanalyse nur bestimmte Gattungen abdecken könne.

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass die Prognosen menschlichen Einfluss auf die Ökosysteme nicht berücksichtigten. Viele dieser Effekte würden künftig jedoch wegen der wachsenden Bevölkerungszahl und erhöhter Wirtschaftsleistung noch wachsen.

Quelle: dpa


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