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Kohlekraftwerke: Sauberer Strom durch Mischung mit Holzpellets?

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Kraftwerk: Pellets statt Kohle verbrennen?

10.10.2011, 11:00 Uhr | feelgreen.de

Die Mitverbrennung von Holzpellets kann CO2 einsparen. (Quelle: imago)

Die Mitverbrennung von Holzpellets kann CO2 einsparen. (Quelle: imago)

Die Abkehr vom Atomstrom bedeutet für die Umwelt keine uneingeschränkt gute Nachricht. Denn als Alternative zur Stromgewinnung werden zunächst hauptsächlich Kohlekraftwerke eingesetzt, die reichlich CO2 produzieren. Der Einsatz von Holzpellets soll hier helfen: In Deutschland könnten durch Mischung der Kohle mit Pellets knapp 30 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.


Günstig und klimaneutral

Holzpellets haben als alternativer Brennstoff für Heizungen in den letzten Jahren einen großen Boom erfahren. Sie werden aus Restholz gepresst, etwa aus Sägemehl oder Hobelspänen und sind günstiger als Heizöl und Gas. Holz gilt zudem als klimafreundlicher Energieträger, weil beim Verbrennen nur so viel Kohlendioxid freigesetzt wird, wie ein Baum in seiner Wachstumsphase gespeichert hat. Auch wenn Holz sich auf natürliche Weise im Wald zersetzt, gelangt das zuvor aufgenommene CO2 zurück in die Atmosphäre.

Grundversorgung durch Kohlekraftwerke

"Die Verwendung insbesondere hochwertiger Holzpellets in Kohlekraftwerken kann einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten und gesicherte Kraftwerksleistung auf Basis erneuerbarer Energien bereitstellen", so Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der dena (Deutsche Energieagentur). Auch wenn in den kommenden Jahren der Anteil alternativer Energiequellen steigt, werden Kohlekraftwerke nicht automatisch überflüssig. Sie können die notwendige Versorgungssicherheit gewährleisten, die Wind oder Sonne zum aktuellen Zeitpunkt nicht garantieren.

Durch das Mitverbrennen von Holz in Kohlekraftwerken wird immerhin der Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromgewinnung gesteigert. Das ideale Ziel bleibt für Kritiker natürlich der vollständige Wechsel auf eine ökologische Stromerzeugung. Die Einsparung von 30Millionen Tonne CO2, die laut dena gegenüber dem Einsatz der Kohle eingespart werden könnten, entspricht rund einem Zehntel der jährlich durch Kohlekraftwerke entstandenen CO2-Emissionen.

Sieben Millionen Tonnen Pellets werden nötig

Um den Bedarf bei einer zehnprozentigen Holz-Mitverbrennung in Steinkohlekraftwerken decken zu können, müssten rund sieben Millionen Tonnen Holzpellets pro Jahr eingesetzt werden. Diesen Bedarf könnte Deutschland durch einen Mix aus heimischer und importierter Biomasse decken. Beachtet werden müssen dabei aber auch Nachhaltigkeitskriterien, über die derzeit die Europäische Kommission berät.

Strom wird durch Mischung mit Holzpellets zunächst teurer

Der Einsatz von Holzpellets verursacht in Kohlekraftwerken zunächst Mehrkosten. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Abbau und die Weiterverarbeitung von Holz wesentlich teurer ist als die Förderung der Kohle. Da die Luft durch den Zusatz von Kohle weniger mit Feinstaub belastet wird und zusätzlich CO2 eingespart wird, müssen in Folge weniger CO2-Zertifikate zum Ausgleich gekauft werden. Die dadurch entstandene Einsparung kann die Mehrkosten für den Rohstoff Holz allerdings nicht abdecken.

Daher müssten Fördermaßnahmen umgesetzt werden. Ausgehend von aktuellen Preisen für CO2-Zertifikate, Steinkohle und Holzpellets ergibt sich laut dena ein durchschnittlicher Förderbedarf von 3,6 Cent/kWh. Wenn Steinkohle- und CO2-Zertifikatspreise künftig steigen sollten, reduziert sich allerdings der Förderbedarf, da dann die Wettbewerbsfähigkeit automatisch wieder hergestellt wird.

Versteckte Kosten

Allerdings hinkt der Kosten-Vergleich von Kohle gegenüber Holz oder anderen erneuerbaren Energien. Denn die schwerwiegenden Folgen der Förderung und Verbrennung von Kohle sind im Preis nicht inbegriffen. Dazu zählen insbesondere die jährlichen Schäden durch Unfälle in der Kohle-Produktkette und die Folgeschäden durch den betriebenen Bergbau an Mensch und Umwelt. Diese Kosten belaufen sich laut der Studie "Die wahren Kosten der Kohle" von Greenpeace auf mehrere hundert Millionen Euro im Jahr.

Günstiger als andere erneuerbare Energien

Im Vergleich zu anderen regenerativen Energien sind die CO2-Vermeidungskosten relativ niedrig. Sie betragen bei einer Holz-Mitverbrennung von 10 Prozent in Steinkohlekraftwerken zwischen 27 und 54 Euro/t CO2. Der Durchschnittswert der im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes geförderten Technologien liegt bei rund 80 Euro/t CO2. In Belgien, Dänemark, Großbritannien und den Niederlanden wird die Mitverbrennung bereits heute gefördert.

Quelle: feelgreen.de


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