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Licht für einsame Dörfer: Studenten entwickeln Strom-Fußball

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Licht für einsame Dörfer: Studenten entwickeln Strom-Fußball

10.04.2015, 12:16 Uhr | Matthias Lauerer, t-online.de

US-Präsident Barack Obama testete den Strom-Fußball bereits 2013 in Tansania. (Quelle: Reuters)

US-Präsident Barack Obama testete den Strom-Fußball bereits 2013 in Tansania. (Quelle: Reuters)

Wenn Kinder Fußball spielen, gibt es im besten Fall spektakuläre Tore. Im schlechtesten Fall gibt es Tränen, blutige Knie und lange Gesichter. Jetzt kündigt sich eine kleine Revolution an. Denn mit einem besonderen Ball wird es Licht - und selbst Obama hat ihn schon ausprobiert.

Jessica O. Matthews hatte diese geniale Idee vor sieben Jahren. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Julia Silverman entwickelte sie an der amerikanischen Elite-Universität Harvard einen smarten Fußball, mit dem sich Strom erzeugen lässt. Doch als die Studenten den Vorschlag mit ihren Professoren und Ingenieuren besprachen, winkten die nur ab: Es sei unmöglich, einen Ball mit einer stromerzeugenden Technik zu entwickeln, der ebenso leicht, haltbar und funktional sei wie ein normaler Fußball.

Doch davon ließ sich das junge Team nicht abschrecken. Nach monatelanger Tüftelei war der Prototyp des "Soccket" geboren – und wurde zum Patent angemeldet. Ihre Firma nannten sie "Uncharted Play". Spielt man 30 Minuten mit dem Ball, reicht der durch die Bewegung erzeugte Strom aus, um damit eine LED-Leuchte drei Stunden lang zu betreiben. Ideal, um Licht in einsame Dörfer zu bringen, denen der Zugang zum Stromnetz fehlt.

Gut 1,2 Milliarden Menschen weltweit fehlt der Zugang zu Elektrizität. Stattdessen nutzen die Bewohner armer Regionen schädliche Energiequellen wie Kerosin oder Dieselgeneratoren, um damit Licht zu erzeugen. Per Ball haben die Kinder nun Licht, um für die Schule zu lernen. Dabei ist der "Soccket" kaum schwerer als ein regulärer Fußball - und außerdem wasserdicht. Selbst aufpumpen muss man ihn nicht, da er seine Form behält. Und an einer Stelle verbirgt sich hinter einer Klappe auch die Fassung für die Birne.

Auf der Firmenwebseite heißt es über die Erfindung: "Wir stellen saubere Energie bereit, die Menschen und der Erde guttun. Unsere Produkte leisten ihren Beitrag dazu, mehr Ausbildung, Unterricht und eine bessere Gesundheit zu ermöglichen." Die Bälle und passenden LED-Birnen verteilt die Firma an Dorfgemeinschaften übrigens kostenlos. Denn immer dann, wenn ein Ball für die regulären 99 US-Dollar verkauft wird, wird ein weiterer an die Bedürftigen gespendet.

Obama: "Ich finde die Idee ziemlich cool"

Doch bis das Produkt auf den Markt kam, verging viel Zeit: Denn um die Idee serienreif zu machen und genügend Geld dafür einzusammeln, wandte sich die junge Truppe an die Webgemeinde. Auf der Internetseite "Kickstarter" stellte sie Anfang 2013 den intelligenten Ball vor. Im Netz finden Ideen und Geldgeber zusammen, wenn Nutzer von einer Präsentation überzeugt sind. Anvisiertes Ziel der Aktion, die sich "Crowdfunding", englisch für "Spenden der Menge" nennt: 75.000 US-Dollar. Mit dieser Summe wollte man die Produktion und weltweite Verteilung der Bälle finanzieren.

US-Milliardär Bill Gates und Schauspieler Ashton Kutcher riefen zu Spenden auf. Für die Erfindung gab es sogar PR von höchster Stelle: So trommelte Ex-Präsident Bill Clinton über seine Stiftung "Clinton Global Initative" für den Ball und gab Geld. Dann kickte auch der amtierende US-Präsident Barack Obama bei seinem sommerlichen Staatsbesuch in Tansania 2013 mit dem "Soccket". Bei einer Pressekonferenz sprach er später über seine Erfahrung: "Ich finde die Idee ziemlich cool. Dieser Ball produziert Licht – und das entsteht während des in Afrika populärsten Spiels. Man kann sich das in allen kleinen Dörfern des Kontinents vorstellen."

92.000 US-Dollar gesammelt

Die enorme Unterstützung half und der Webgemeinde gefiel die Idee. 1094 Menschen gaben reichlich, über 92.000 US-Dollar kamen zusammen. Man tüftelte und entwarf verbesserte Prototypen, die man in Mexiko an Kinder eines Dorfes verteilte. Bezahlt wurde die PR-Aktion von Mexikos größtem TV-Kanal "Televisa".

Dann der Rückschlag: Nach ein paar Wochen waren bereits 30 Prozent der verteilten 150 Bälle kaputt. Die Steckdosen fielen aus und die Nähte der Innovation lösten sich. Vielen Bällen war das harte Treten und Kicken nicht bekommen. Erstaunlich, gab die Firma doch 2012 an, dass ihre Bälle gut drei Jahre haltbar sein sollten.

Die Crew um Matthews verstärkte daraufhin das Innenleben der Bälle. Die Bälle sind heute besser, haltbarer und selbst das Design wurde überarbeitet. Dazu kündigte man den Vertrag mit dem ausländischen Produzenten – und übernahm die Fertigung der Bälle in New York selbst.

50.000 Bälle verkauft

Nun scheint es für die Gründer gut zu laufen. Bis Ende April 2015 wird die Firma 50.000 Socckets verkauft haben, wie Gründerin Jessica O. Matthews gegenüber t-online.de stolz verkündet. Möglich machen den ersehnten Erfolg heute acht Mitarbeiter, die für das Unternehmen arbeiten.

Nun folgt dem Fußball sogar ein zweites Produkt: Es ist ein Sprungseil, das ebenfalls Strom liefert, um damit per Bewegung Licht in arme Weltregionen zu bringen. Es sieht so aus, als ob Matthews noch einige Ideen im Köcher hätte – und sich auf ihrem Weg auch nicht von Hindernissen abschrecken lässt.

Quelle: Matthias Lauerer, t-online.de


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