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Meereswellen-Kraftwerk entsteht in der Ostsee

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Neuartiges Werk fängt die Kraft der Wellen ein

26.10.2012, 15:17 Uhr | dpa-AFX

Noch ist steckt die Technik, Wellenkraft in Strom umzuwandeln, in den Kinderschuhen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Noch ist steckt die Technik, Wellenkraft in Strom umzuwandeln, in den Kinderschuhen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In der Ostsee entsteht derzeit ein neuartiges Meereswellenkraftwerk. Die Anlage wird rund einen Kilometer vor Peenemünde an der Küste Usedoms stehen. In ihr werde die neue Technik in den kommenden zwei bis sieben Jahren unter Offshore-Bedingungen getestet, sagte Andreas Poersch, Geschäftsführer der HAB Hallen- und Anlagenbau GmbH in Wusterhusen.

Das Wellenkraftwerk entwickelt hat der Zinnowitzer Ingenieur Andreas Wulff. Der Plan für das Projekt sei unter anderem bei Strandspaziergängen auf Usedom gewachsen, berichtete der Erfinder. "Wenn Offshore-Windmühlen elektrische Energie erzeugen, warum nicht auch durch die Kraft der Wellen?"

In der Testanlage aus Vorpommern, die an die Form eines Baggers erinnert, wird die Energie aus bis zu 80 Zentimeter hohen Wellen über einen fünf Meter breiten Schwimmer sowie einen ebenso langen Hebelarm an ein Hydrauliksystem und den Generator übertragen. "Zwei bis drei Kilowatt Strom lassen sich mit der Anlage erzeugen", sagte Wulff. Die Daten über Wellenamplituden, Wellenlänge und Windstärken sowie die technischen Parameter der Anlage werden per Funk ans Festland übertragen.

Technik steckt in den Kinderschuhen

Ein halbjähriger Probebetrieb in der Entwicklungsabteilung in Wusterhusen stimmte die Entwickler und Ingenieure bereits optimistisch. "Das Ergebnis übertrifft unsere Erwartungen", sagte Poersch. Das System habe sich hervorragend bewährt.

Die Idee von Wellenkraftwerken ist nicht neu, aber die Technologie steckt weltweit noch in den Kinderschuhen. Denn die Anlagen müssen ähnlich wie Offshore-Windkrafträder extremen Bedingungen mit Winterstürmen und meterhohen Wellen standhalten.

Werke arbeiten unterschiedlicher Technik

Im Hafen von Mutriku im nordspanischen Baskenland ging im Juli 2011 ein Wellenkraftwerk in Betrieb - 16 Turbinen liefern dort 300 Kilowatt Strom. Schottische Entwickler arbeiten an einer anderen Technologie, der sogenannten Seeschlange, bei der die Energie der Meereswellen in mit Gelenken verbundenen Schwimmelementen an Hydraulikzylinder übertragen und in Strom umgewandelt wird.

Bisher sind Experten davon ausgegangen, dass sich Ost- und Nordsee nicht für den Einsatz von Wellenkraftwerken eignen. Erfinder Wulff widerspricht. Lediglich die Wirtschaftlichkeit der Anlage sei wegen der kleineren Wellenhöhen geringer. Im Atlantik geht man von einer Energieausbeute von 30 bis 40 Kilowatt pro Meter aus, in der Ostsee liege der Wert bei 15 bis 20 Kilowatt.

Der Strom aus der Versuchsanlage in der Ostsee soll zunächst nicht ins Netz eingespeist werden. Er fließe lediglich in die Beleuchtung und Beheizung der Testanlage, sagte Wulff. Ein Teil der elektrischen Energie bleibt ungenutzt und wird als Wärme an die Umgebung abgegeben.

Das Unternehmen HAB mit 54 Mitarbeitern hat bisher eine halbe Million Euro in den Bau der Versuchsanlage gesteckt, 143.000 Euro kamen aus Fördertöpfen des Schweriner Wirtschaftsministeriums. Der nächste Schnitt wäre eine Großdemonstrationsanlage mit einem 25 bis 30 Meter breiten Schwimmer, deren Entwicklung und Bau rund 2,8 Millionen Euro kosten würde. "Wir hoffen ganz stark, dass das Wirtschaftsministerium auch diese Entwicklung unterstützt", sagte Poersch. Der weltweite Bedarf sei mit von Experten geschätzten 750.000 Anlagen riesig, glauben die Entwickler aus Vorpommern.

Quelle: dpa-AFX


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