02.01.2012, 10:59 Uhr
Wer will schon genmanipulierten Pollen in seinem Honig haben? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Das die Gentechnik auch vor ökologisch hergestelltem Honig nicht halt macht, ist schon länger bekannt. Im vergangenen Herbst wurden deshalb reihenweise Gläser des süßen Goldes aus dem Handel genommen. Auslöser war ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das den Verkauf von Honig verbot, in dem hierzulande nicht zugelassene Gen-Pollen nachge- wiesen wurden. Aber was hat sich seither getan? Können Verbraucher jetzt sicher sein, dass ihr Honig genfrei ist? Ökotest hat Herstellern und Produkten auf den Zahn gefühlt.
Ein unabhängiges Labor hat die verbliebenen Produkte in den Regalen etwas genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist erschreckend: In 14 von 20 Honigprodukten wurde Gen-Pollen nachgewiesen, obwohl die betreffenden Imkereien keinen genmanipulierten Blütenstaub darin gewollt oder vermutet hatten.
Gern hätten die Experten auch kanadischen Raps- oder Kleehonig untersucht, doch solcher scheint bereits aus allen Verkaufsstellen verbannt. In Kanada sind deutlich mehr Gen-Raps-Sorten zugelassen, als in der EU. Der Honig-Verband schätzt, dass knapp fünf Prozent aller Honige wegen nicht zugelassener Gen-Pollen nach dem EuGH-Urteil nicht mehr verkehrsfähig sind, den kanadischen Honig eingeschlossen.
In allen positiv getesteten Honiggläsern fand sich die gentechnisch veränderte Sojabohne "Roundup Ready Soja". Diese Pflanze wird vor allem in Argentinien und Brasilien großflächig angebaut und ist besonders pestizidresistent. Da Roundup Ready Soja in der EU über eine uneingeschränkte Zulassung als Lebensmittel verfügt, dürfen auch alle getesteten Honige verkauft werden. Nicht als Lebensmittel zugelassene Gen-Sorten fanden sich in keinem Honig.
Ob erlaubt oder nicht: Gen-Pollen sind in Honig eine unerwünschte Verunreinigung. Immerhin stellt das EuGH-Urteil jetzt sicher, dass Pollen von nicht zugelassenen, ungeprüften Gen-Pflanzen nicht mehr im Honig vorkommen dürfen. Die Prüfung zeigt allerdings deutlich, dass es nicht möglich ist, Honig genpollenfrei herzustellen. Bienen lassen sich allgemeinhin nicht vorschreiben, von welchen Pflanzen sie ihren Blütenstaub beziehen.
In den beiden deutschen Honigen und dem Honig aus der Bodenseeregion steckt kein Gen-Pollen. Kein Wunder: In Deutschland spielt die grüne Gen-Technik derzeit eine untergeordnete Rolle. So gab es 2011 mit Ausnahme eines zwei Hektar großen Versuchsfeldes mit Gen-Kartoffeln keine Gen-Technik. Auch der Anbau der problematischen Maissorte "MON810" ist noch verboten. Das könnte sich jedoch ändern, da ein Antrag auf Neuzulassung läuft – und auch andere Zulassungen sind in Vorbereitung.
"Ohne Gentechnik" steht auf dem Alnatura Vielblütenhonig – hier hat das beauftragte Labor den Gen-Pollen nachgewiesen. Das ist legal, führt den Verbraucher jedoch in die Irre. Denn die "Ohne-Gen-Technik"-Regelung toleriert geringe Gen-Tech-Spuren. Allgemein gilt, dass Gen-Technik in Lebensmitteln zu kennzeichnen ist, wenn ihr Anteil am Lebensmittel oder der Zutat 0,9 Prozent überschreitet. Übersetzt auf den Honig hieße dies: Wenn der Gehalt an Gen-Pollen mehr als 0,9 Prozent des gesamten Pollenanteils ausmacht, muss gekennzeichnet werden.
Ob das in der Praxis endgültig so umgesetzt wird, ist noch offen. Das Bundesverbraucherschutzministerium und die EU-Kommission vertreten jedoch diese Auffassung. Andere Experten meinen, dass der Gen-Pollenanteil einer bestimmten Pflanzenart auf den Gesamtpollengehalt dieser Pflanze bezogen werden müsse. Dann wäre die Überschreitung des Schwellenwerts wahrscheinlich. Nach Meinung von Rechtsanwalt Achim Willand, der die Imker vor dem EuGH vertreten hat, sollte die pflanzenbezogene Regelung zumindest für Sortenhonige wie Rapshonig gelten, da der Rapspollen hier von besonderem Wert ist.
Kaum ein Hersteller wollte laut Ökotest eine Stellungnahme zu den Gen-Funden abgeben. Einige verwiesen auf eine Stellungnahme des Honig-Verbands. Dieser war über die Ergebnisse nicht überrascht: Im Honig spiegele sich letztlich "ein Abbild unserer Umwelt" wider.
Alnatura "Falls vorhanden, wären die berichteten Spuren auf in Argentinien angebautes Soja zurückzuführen", schrieb uns Alnatura. Allerdings achte der Hersteller penibel darauf, dass die Standorte der Bienenstöcke von kultivierten Flächen viel Abstand hätten. Alnatura geht davon aus, dass es sich um Spuren handelt, die die Kennzeichnungen "Bio" und "Ohne Gentechnik" nicht infrage stellen würden.
Ulis Honigmarkt Der Hersteller bringt das ganze Problem auf den Punkt: "Für die Imkerei ist die grüne Gen-Technik eine Katastrophe." So hätten die Imker keine Vorteile von der Gen-Technik. Wenn Honig wegen Gesetzesänderungen abgelehnt würde, sei dies für viele Imker existenzgefährdend. Trotzdem akzeptiere der Hersteller Spuren von Gen-Soja-Pollen, um langjährige Kontakte zu Imkern nicht fallen zu lassen. Für die kleinen Imker ist das ein Problem. Derzeit versuchen europäische Honig-Verbände massiv für neue Imker zu werben, weil es inzwischen einfach zu wenig Bienen gibt.
"Als Imker begrüßen wir das EuGH-Urteil. Sorgen bereitet uns, dass gentechnikfreundliche Kreise versuchen, Agro-Gen-Technik weiter voranzutreiben, sei es durch mangelnde Abstandshaltungen oder durch neue Zulassungen.", sagt Klaus Maresch, Bioland-Berufsimker und seit Langem Gegner der Agro-Gentechnik.
Derzeit lässt sich keine Aussage darüber treffen, wie sich die Pflanzen- und Tierwelt durch den Einsatz von Gentechnik verändern wird. Ebenso wenig kann nicht abgeschätzt werden, wie erfolgreich Unternehmen wie Monsanto oder Bayer ihr genmanipuliertes Saatgut auf den Markt bringen. Fest steht nur, dass diese Art der Manipulation mehr Schaden verursacht, als dass sie nützt. Bleibt zu hoffen, dass sich Gerichte, Verbände und Ministerien in Sachen Landwirtschaft gegen verändertes Saatgut entscheiden.
Weitere Testergebnisse und Informationen finden Sie in der Januar-Ausgabe 2012 von ÖKO-TEST.
Quelle: Ökotest
Genie schrieb:
am 2. Januar 2012 um 19:28:35
Genpollen
Sicher sterben jetzt alle an der "Verseuchung"! Dieser übertriebene Genalarm amüsiert mich schon heute so wie die
Behauptung bei der ersten Fahrt der Eisenbahn, dass Menschen Geschwindigkeiten über 30 km/h nie aushalten würden. Öko-Schwachsinn!
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Bauernbub schrieb:
am 2. Januar 2012 um 19:15:36
Genhonig
Alles was uns in der Natur umgibt wurde genetisch im Laufe der Evolution, durch klassische Züchtung oder neuerdings mittels der
Gentechnik verändert. Die Hysterie um die Gentechnik ist nur erklärbar, weil das Geschäft mit der Angst immer mehr angebliche Wissenschaftler, Verbände und Parteien reich macht. Welch Geistes Kinder in der Regel dahinter stehen zeigt schon ihr verkorkster Umgang mit deutscher Grammatik Rechtschreibung. Siehe oben.
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german schrieb:
am 2. Januar 2012 um 18:56:06
öko test
Danke Öko Test jetzt habe ich noch ein Lebensmittel weniger auf meiner Speisekarte.......
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