Sie sind hier:

MSC: Fisch-Gütesiegel in der Kritik;

...

Fisch-Gütesiegel in der Kritik

23.04.2013, 15:18 Uhr | hut

Das MSC-Zertifikat galt bislang als vertrauenswürdiges Gütesiegel. Doch welche Versprechen hält es wirklich? (Quelle: Jan Woitas dpa/Isn)

Das MSC-Zertifikat galt bislang als vertrauenswürdiges Gütesiegel. Doch welche Versprechen hält es wirklich? (Quelle: Jan Woitas dpa/Isn)

Um der Umwelt etwas Gutes zu tun, verlassen sich Verbraucher auf Gütesiegel wie das des Marine Stewardship Council (MSC). Das Siegel verspricht einen nachhaltigen Fischfang und die "umweltfreundlichste Fischwahl": Zertifiziert werden nur Fischereien, die die Anforderung des MSC-Umweltstandards erfüllen - so lässt man die Verbraucher glauben. Eine Studie wirft der Organisation nun jedoch vor, es mit der Vergabe der Zertifikate nicht so genau zu nehmen. Fischereibetriebe könnten damit den Wert ihrer Produkte - und deren Preise - auf einfache Weise aufpolieren.

MSC genießt das Vertrauen der Verbraucher

Der MSC zählt zu den bekanntesten Organisationen für nachhaltigen Fischfang und genießt unter Naturschützern wie Verbrauchern einen guten Ruf. Dieser könnte nun allerdings durch eine Studie von Umweltforschern der New York University einen gewaltigen Knacks erhalten. Denn diese zeigt, dass der MSC sein Siegel zu nachlässig vergibt und "entgegen der Behauptungen des MSC, nicht alle zertifizierten Fischereien tatsächlich nachhaltig arbeiten", wie die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Biological Conservation" erklären.

Auch umstrittene Betriebe mit Siegel versehen

Seit seiner Gründung im Jahr 1997 hat der MSC etwa 170 Fischereien mit Siegeln versehen - allerdings nicht ohne Proteste. In den letzten Jahren waren vermehrt Einwände gegen die Zertifizierungen des MSC erhoben worden. Die Forscher um Jennifer Jaquet untersuchten diese 19 Einwände, von denen tatsächlich nur einer dazu geführt hatte, dass der bertoffene Betrieb nicht zertifiziert wurde. Die Analyse der Einwände zeigte, dass sich einige Betriebe nicht an die vom MSC festgelegten Umwelt-Standards hielten. Sie wiesen etwa einen hohen Anteil an Beifängen von gefährdeten Fischbeständen auf oder verschleierten Informationen zu wichtigen Details. Dennoch wurden sie mit dem Siegel versehen.

MSC agiert "zu nachsichtig und willkürlich"

Das Fazit der Forscher lautet daher: Der MSC ist in seinem Zertifizierungsverfahren zu "nachsichtig und agiert willkürlich". Bereits die Tatsache, dass die Einwände Dritter gegen nicht für geeignet erachtete Betriebe kaum Beachtung beim MSC fänden, spreche dafür, dass der MSC eher den Betrieben als den Verbrauchern entgegenkomme. All das führe letztlich dazu, dass das Siegel sowohl für Verbraucher als auch für Naturschützer irreführend ist, so die Forscher.

Siegel ist ein lukrativer Anreiz

Für die Fischereien ist das Siegel ein lukratives Geschäft. Denn das Image eines umweltbewussten Betriebes erlaubt ihnen, die Produktpreise anzuheben. In Verbindung mit den Ergebnissen der Untersuchungen besteht den Forschern zufolge daher der Verdacht, dass das Siegel zunehmend als "Bluewashing" genutzt und betrachtet werde, also, analog zum "Greenwashing", den Kunden lediglich umweltbewusstes Verhalten vorspiele, um das eigene Image aufzupolieren. Damit verliere das MSC-Siegel seine Glaubwürdigkeit unter den Verbrauchern, warnen die Forscher.

MSC schon länger in Kritik

Bereits im letzten Jahr war nach einer Untersuchung des Kieler Geomar-Instituts Kritik an den Zertifizierungsmaßnahmen des MSC laut geworden. Die Kieler Studie hatte gezeigt, dass nur die Hälfte der MSC-zertifizierten Produkte aus nachweislich gesunden Beständen stammten. Auch gefährdete Bestände wurden von MSC-zertifizierten Fischereien gefangen, die damit gegen das Prinzip der Vermeidung von Überfischung verstießen.

MSC weist Vorwürfe zurück

Der MSC selbst wies die aktuellen Vorwürfe zurück. Die Studienleiter hätten übersehen, dass die Einwände durchaus Anklang gefunden hätten, indem die betroffenen Betriebe ihre Geschäftspraktiken in der Folge geändert hätten. Viele der Einwände seien daher überholt. Überdies seien die Autoren der Studie nicht ganz unbefangen gewesen, da mehr als ein Drittel der Einwände von Co-Autoren der Studie erhoben worden waren.

Quelle: hut



© Deutsche Telekom AG 2014

Anzeige