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Nach Wolfstötung: Tierschützer setzen Kopfgeld aus

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Nach Wolfstötung: Tierschützer setzen Kopfgeld aus

15.07.2016, 12:10 Uhr | feelgreen.de, dpa

Abermals wurde in Sachen illegal ein Wolf getötet. (Quelle: dpa)

Abermals wurde in Sachen illegal ein Wolf getötet. (Quelle: dpa)

Mit dem jüngsten Abschuss eines Wolfes in Sachsen wurden mittlerweile in Deutschland 18 Wölfe illegal getötet. Die Täter, die aus unterschiedlichen Motiven handeln, kommen meist ungeschoren davon. Tierschützer setzen deshalb insgesamt 26.000 Euro als Belohnungen für die Ergreifung der Täter aus.

Zugleich forderten die Tierschutzorganisationen WWF und PETA eine intensivere Strafverfolgung. "Deutschland hat ein Wilderei-Problem", erklärte WWF-Wildtierexperte Moritz Klose am Donnerstag in Berlin. "Immer wieder werden bedrohte und geschützte Tiere illegal getötet."

Nicht nur Wölfe werden gewildert

In den vergangenen Jahren seien in Deutschland nachweislich 18 Wölfe illegal getötet worden. Hinzu kämen getötete oder auf mysteriöse Weise verschollene Luchse sowie unzählige gewilderte Greifvögel. "Im seltensten Fall wird ein solches Verbrechen jedoch aufgeklärt", sagte Klose. Er forderte Spezialeinheiten für Umwelt- und Artenschutzkriminalität bei den zuständigen Landeskriminalämtern.

25.000 Euro hat der WWF für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung des Täters im Fall der aktuellen Wolfstötung in Sachsen führen. PETA setzte eine Belohnung von 1000 Euro aus und forderte ebenfalls "eine fachkundige und regional unabhängige Ermittlungsbehörde zur Aufklärung illegaler Tötungsdelikte von geschützten Tierarten".

Acht illegal getötete Wölfe nur in der Lausitz

Die tote Wölfin war am vergangenen Samstag in einem Wald bei Biehain nahe Görlitz gefunden worden. Nach ersten Erkenntnissen wurde das Tier erschossen. Laut einer Statistik des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz wurden damit seit 2009 in Sachsen acht illegal getötete Wölfe gefunden. In sieben Fällen waren die Tiere erschossen worden, ein Wolf wurde mit einem Auto gejagt und vorsätzlich überfahren.

Für Fälle von Wolfstötungen ist in Sachsen das Dezernat "Sonderfälle" beim Landeskriminalamt (LKA) in Dresden zuständig. Bislang wurden noch keine Täter ermittelt. Sie müssten mit bis zu fünf Jahren Freiheits- oder einer Geldstrafe rechnen. Wölfe sind in Deutschland streng geschützt.

Spekulationen über die Motive

WWF-Pressesprecher Jörn Ehlers vermutet unterschiedliche Motive für die Wilderei. Der Wolf dürfte für manchen Jäger ein unliebsamer Konkurrent sein, der entweder Wild reißt oder es scheuer macht, sodass es schwerer zu bejagen ist. In Bayern verschwänden massenhaft Luchse, sobald diese das Reservat verlassen, erläutert der Tierschützer im Gespräch mit feelgreen.de.

Manche getöteten Greifvögel dürften auf das Konto von Taubenzüchtern gehen, die so ihre Zuchttiere zu beschützen glauben. Hühnerfarmen legen oft Gift aus, das eigentlich den Fuchs als Fressfeind töten soll. Doch die Köder werden auch von anderen Tieren und Greifvögeln gefressen. "Nicht nur Afrika hat ein Problem mit Wilderei, sondern auch Deutschland", erklärt Ehlers.

Quelle: feelgreen.de, dpa


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