15.02.2012, 10:57 Uhr
So klein und doch ganz groß: Das Zwergchamäleon Brookesia micra, fotografiert auf einem Streichholzkopf. (Quelle: Jörn Köhler)
Sensation und Drama zugleich ist die Entdeckung mehrerer Zwergchamäleonarten in Madagaskar. Wie die Zeitschrift PLos One berichtet, ist es einem deutsch-amerikanischen Forscherteam gelungen, vier Gattungen der kleinen Tiere aufzuspüren und näher zu erforschen. Doch kaum entdeckt, sind sie auch schon höchst gefährdet, denn der Lebensraum der Reptilien ist bereits von der fortschreitenden Waldzerstörung stark bedroht.
Unter der Leitung von Frank Glaw (Zoologische Staatssammlung München) hat ein internationales Forscherteam vier neue Zwergchamäleonarten entdeckt. Ausgewachsene Männchen der Gattung Brookesia micra – der kleinsten gesichteten Art – messen inklusive Schwanz weniger als 24 mm und gehören damit zu den kleinsten Reptilien der Welt. Jungtiere passen bequem auf einen Streichholzkopf. Alle vier neuen Arten haben sehr kleine Verbreitungsgebiete und gelten aufgrund der sich ausweitenden Waldzerstörung als stark bedroht.
Madagaskar ist für seine artenreiche und einzigartige Tierwelt bekannt, die nirgendwo sonst zu finden ist. Fast dreihundert Froscharten und knapp vierhundert Reptilienarten tummeln sich dort in den Regenwäldern, Bergen und Trockengebieten und bei jeder Expedition werden weitere Arten neu entdeckt. Über 40 Prozent der 193 Chamäleonarten leben ausschließlich auf dieser Insel vor der ostafrikanischen Küste. Bemerkenswert sind auch Madagaskars zahlreiche Winzlinge wie Zwergfrösche, mausgroße Halbaffen und Zwergchamäleons.
Die Männchen der entdeckten Art Brookesia micra haben eine Körperlänge von maximal 16 mm und die Gesamtlänge beider Geschlechter ist kleiner als 29 mm. Damit gehört diese Art zu den kleinsten Reptilien der Welt. "Dass die kleinsten Arten vieler Tiergruppen vor allem auf Inseln zu finden sind, ist kein Zufall", erklärt Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammung in München, "sondern ein typisches Phänomen". Viele Eigenheiten sind auf die Anpassung an extreme Lebensbedingungen zurückzuführen.
Warum Brookesia micra allerdings so extrem klein ist, wissen die Forscher noch nicht genau. Es könnte an einem doppelten Inseleffekt liegen, denn diese Art ist bisher nur von einer zerklüfteten, 115 ha kleinen Kalkfelsinsel bekannt, die wenige Kilometer vor der großen Hauptinsel liegt. Die extreme Miniaturisierung von Brookesia micra dürfte jedenfalls mit zahlreichen Anpassungen des Körperbauplans einhergehen – ein spannendes Feld für zukünftige Untersuchungen.
Alle neu entdeckten Zwergchamäleons besiedeln anscheinend nur sehr kleine Gebiete, die zum Teil nur wenige Quadratkilometer groß sind. "Durch Lebensraumzerstörung sind sie daher besonders bedroht", befürchtet Jörn Köhler vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt. "Eine der neuen Arten, Brookesia desperata, ist nur aus einem kleinen Regenwald bekannt und obwohl dieses Gebiet offiziell unter Schutz steht, wird hinter der Kulisse im Inneren des Reservats fleißig Raubbau betrieben".
Auch Brookesia tristis schaut in eine ungewisse Zukunft. Seit der Lebensraum des Chamäleons vor wenigen Jahren unter Schutz gestellt wurde, nahm die Abholzung des Gebietes noch zu – wohl auch eine Folge der gegenwärtigen politischen Instabilität im Land. Die Artnamen dieser beiden Chamäleons (desperata = verzweifelt, tristis = traurig) haben die Forscher bewusst gewählt, um auf ihre Bedrohung aufmerksam zu machen.
"Erstaunlich an den kleinen Chamäleons ist auch die große genetische Distanz zwischen den Arten, die sich auf den ersten Blick relativ stark ähneln. Das zeigt, dass sich ihre Evolutionswege bereits vor vielen Millionen Jahren getrennt haben - deutlich früher als zwischen vielen anderen Chamäleonarten", sagt Miguel Vences, von der Technischen Universität Braunschweig.
"Die Gattung Brookesia ist die ursprünglichste Gruppe innerhalb der Chamäleons", ergänzt Ted Townsend von der San Diego State University, der die genetischen Untersuchungen durchgeführt hat. "Das könnte bedeuten, dass die Evolution der großen bunten Chamäleons in Madagaskar mit kleinen unscheinbaren Vorfahren startete".
Quelle: Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Colori schrieb:
am 21. Februar 2012 um 10:49:49
Chamäleon
Oh ja,
am besten gleich ausrotten, sonst fressen die uns noch alles weg.
Denn was wir nicht kennen ist uns sowieso suspekt.
Das
Tierchen sitzt ja schon richtig...wo ist nur die Reibefläche ????
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Tierfreund schrieb:
am 16. Februar 2012 um 10:39:32
Mini-Chamäleon
In der Zeitung las man, daß zwei dieser possierlichen Tierchen nach der Neuentdeckung sofort "eingeschläfert"
wurden, um sie genau untersuchen zu können! Damit hätte man auch warten können, bis sie nach der Lebend-Erforschung in einem Terrarium eines natürlichen Todes gestorben wären! Tiermörder!!!
Man stelle sich mal vor: Ein UFO landet auf der Erde, die Außerirdischen sehen zum ersten Mal Menschen, und lassen die gleich mal zu Beginn "einschläfern", um sie erstmal erf
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