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Neuer Öko-Sarg boomt: Die letzte Ruhe im Zellulose-Sarg;

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Neue Öko-Särge boomen

30.05.2012, 15:57 Uhr | hadiet, feelgreen.de

Die neuen Öko-Särge: Pietätlos oder innovativ? (Quelle: creative coffins)

Die neuen Öko-Särge: Pietätlos oder innovativ? (Quelle: creative coffins)

Wem der Umweltschutz schon zu Lebzeiten am Herzen lag, der will auch nach dem Tod nicht darauf verzichten. Beispielsweise bei der Frage nach dem Sarg. Ein Holzsarg ist sicher nicht die schlechteste Idee. Mit ihm lassen sich Pietät und Umweltschutz schon ganz gut vereinbaren. Doch es geht noch besser: Eine Regensburger Firma vertreibt Särge aus 100 Prozent Zellulose, sprich Papier. Bei deren Verbrennung entweicht nur noch ein Viertel des gefährlichen Klimagases CO2.

Öko-Sarg: Ungewöhnlich aber innovativ

Die Zellulose, aus der die neuartigen Särge hergestellt werden, wird aus aufgeforstetem Holz gewonnen. So können bereits hoch gewachsene Bäume gespart werden. Ein massiver Holzsarg muss aber zwangsläufig aus einem qualitativ hochwertigen und großen Stamm gefertigt werden, da nur dieser über eine ausreichende und optisch makellose Holzmenge verfügt. Dazu muss er einen Stammdurchmesser von mindestens 40 Zentimetern haben – Minimum. Hier werden also im Vergleich kräftig Ressourcen gespart.

Billiger und leichter als ein herkömmlicher Sarg

Der innovative Sarg der Firma Nips-Arcum hat aber auch noch weitere Vorteile: Die Zellulose-Mischung ist um einiges leichter als ihre massiven Mitstreiter. So wiegt ein solches Modell nur neun Kilogramm. Und auch der Preis kann sich sehen lassen. Während für einen massiven Holzsarg der "einfachen" Klasse mindestens 500 Euro gezahlt werden müssen, kommt man mit dem Zellulose-Basis-Modell der Regensburger auf etwa 350 Euro.

Soviel kostet das günstigste Modell mit Holzdekor. Wer lieber Blumenmotive oder ein anderes Design bevorzugt, muss dafür zwischen 600 und 800 Euro ausgeben. Doch das ist noch günstig: Für einen Massivholzsarg werden in der Regel zwischen 1500 und 3000 Euro gezahlt. Die Preise sind nach oben offen.

Skepsis seitens des Berufsverbandes

Der Bundesverband deutscher Bestatter äußert sich derzeit allerdings noch skeptisch. Wie dessen Geschäftsführer, Rolf Lichtner, gegenüber der Stuttgarter Zeitung sagte, beurteile der Verband das neue Sargsystem als pietätlos. Zudem wurden Zweifel an der Umweltfreundlichkeit des Produktes laut. Grund: Ein massiver Holzsarg bringe seinen Brennstoff bereits selbst mit. Für den Zellulose-Sarg müsse auf Grund seiner fehlenden Brennmasse zusätzliche Energie zugeführt werden, um ihn samt Leichnam vollständig einzuäschern.

TÜV-geprüfter Öko-Sarg

Wer noch Zweifel an dem ökologischen Leichtmodell hat, der sei hiermit beruhigt. "Unsere Zellulose-Särge sind vom deutschen TÜV genauestens geprüft worden.", berichtet Matthias Röder. "Dabei wurden unter anderem die Gewichtsstabilität, die Feuchtigkeitsbeständigkeit und die Emissionen bei der Verbrennung geprüft." Fazit: Die Öko-Särge erfüllen die statischen Vorgaben bis zu einem Gewicht von 140 Kilogramm problemlos und sind auch sonst mit allen Anforderungen und gesetzlichen Bestimmungen konform. Im Übrigen sind die Zellulose-Särge bereits in verschiedenen Regionen Deutschlands für die Erdbestattung zum Einsatz gekommen.

Der Sarg ist konsequent ökologisch

Nicht nur der verminderte Ausstoß von CO2 und die Verwendung von Zellulose machen die ungewöhnlichen Särge zu einem umweltfreundlichen Produkt. "Für das Aufdrucken der Motive kommen ausschließlich lösungsmittelfreie Farben zum Einsatz. Im weiteren Verlauf des Produktionsprozesses werden die verschiedenen Papierlagen mit naturbelassenem Kleber auf Basis von Maisstärke verbunden.", sagt Röder stolz. "Die Schrauben, mit denen die Korpusse verbunden werden, bestehen aus Polypropylen. Bei deren Verbrennung wir ausschließlich Wasserstoff und Kohlenstoff abgegeben."

Unterschiede bei der Einäscherung

Bei der Verwendung von Massivholz werde im Krematorium nur wenig Erdgas zum Anfeuern des Sarges verwendet. Das Gas wird reduziert, sobald sich das Holz entzündet hat. Da die Zellulose nicht annähernd so viel Masse bietet, wie das Massivholz, müsse nach Aussage Lichtners weiterer Brennstoff zugegeben werden.

Das lässt den Regensburger Unternehmer Röder allerdings kalt. Denn durch seine Erfindung werden 75 Prozent der klimaschädlichen CO2-Gase gegenüber einem massiven Sarg eingespart. Da fällt die zusätzlich benötigte Energie kaum ins Gewicht.

Individualität der Särge entspricht dem Zeitgeist

Während die Angehörigen bei Holzsärgen jede zusätzliche individuelle Arbeit teuer bezahlen müssen, bleibt der Preis bei den Zellulose-Särgen weitestgehend gleich. Die lassen sich je nach Wunsch schwarz-weiß oder im 4-Farb-Druck gestalten.

Mit den neuartigen Bestattungs-Modellen wurde die Branche inzwischen ordentlich aufgemischt. Und während einige Bestatter die Meinung des Verbandes teilen und die Zellulose-Särge ablehnen, freuen sich die anderen, das sie ihr Sortiment endlich um eine umweltfreundlichere Variante erweitern können. Der Kunde ist schließlich König.

Quelle: hadiet, feelgreen.de


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