Sie sind hier:

Pflanzen: Mexiko eröffnet Naturreservat für Kakteen

...

Mexiko eröffnet Schutzgebiet für Kakteen

23.06.2014, 09:38 Uhr | dpa

Der sogenannte Schwiegermutterstuhl (Echinocactus grusonii,) soll künftig in dem neuen Naturreservat in Mexiko ungestört gedeihen. (Quelle: imago)

Der sogenannte Schwiegermutterstuhl (Echinocactus grusonii,) soll künftig in dem neuen Naturreservat in Mexiko ungestört gedeihen. (Quelle: imago)

In kaum einem anderen Land der Erde gedeihen Kakteen so vielfältig wie in Mexiko. Leider jedoch sind die seltenen Sukkulenten auch bei internationalen Banden sehr begehrt. Sie werden oft illegal über die Grenzen geschmuggelt und an Sammler im Ausland zu hohen Preisen verkauft. Um die Artenvielfalt zu schützen, wollen mexikanische Behörden daher nördlich von Mexiko-Stadt ein Schutzgebiet für Kakteen einrichten.

Das Naturreservat umfasst eine Fläche von 800 Hektar und befindet sich im Cañón del Infiernillo (Höllenschlucht), nahe der Ortschaft Cadereyta de Montes im Bundesstaat Querétaro. Hier sollen Kakteen der Art Echinocactus grusonii, auch Schwiegermutterstuhl genannt, künftig ungestört gedeihen.

Erstes Schutzgebiet für eine Kakteenart

"Es ist das erste Mal, dass wir ein Gebiet exklusiv für den Schutz und die Reproduktion eines Kakteengewäches in seinem angestammten Lebensraum ausweisen", sagt Sergio Tapia vom örtlichen Ministerium für nachhaltige Entwicklung.

Neben dem mittlerweile auf der ganzen Welt verbreiteten Schwiegermutterstuhl sollen in dem Reservat "Däxpe" auch über 50 endemische Arten geschützt werden. "Es ist unglaublich, dass in so einem kleinen Gebiet so viele verschiedene Pflanzen zusammentreffen, die es nur dort gibt", sagt Tapia.

Illegaler Handel mit seltenen Arten weit verreitet

Etwa 50 Prozent der Fläche Mexikos wird von Halbwüsten oder Trockengebieten bedeckt. Über die Hälfte der fast 2.000 bei der Weltkulturbehörde Unesco registrierten Kakteen und Sukkulenten kommt in Mexiko vor. Zwar ist die Ausfuhr und die Vermarktung endemischer Pflanzenarten verboten, trotzdem betreiben internationale Banden einen schwungvollen Handel mit seltenen Kakteen.

Pflanzen- und Samenversteigerung im Internet

Im vergangenen Jahres entdeckte der Wissenschaftler Mario Valdez Marroquín in der Wüste von Nuevo León im Nordosten des Landes die Kakteenart Aztekium valdezii. Noch bevor er seinen Fund bekanntgeben konnte, wurde eine Pflanze samt fünf Samen auf einer tschechischen Internetplattform zur Versteigerung angeboten.

Die rumänische Fachzeitschrift "Xerophilia" veröffentlichte einen Artikel mit Fotos über den Fund. Aus Naturschutzgründen verzichtete das Magazin auf genaue Ortsangaben. Dennoch tauchten wenig später auch auf professionellen Händlerseiten Bilder der neu entdeckten Art auf.

Diebstahl ist das kleinere Problem

"Es gibt auch Einheimische, die Kakteen stehlen, aber das haben wir unter Kontrolle. Das Problem sind Händler aus anderen Ländern", sagt der Präsident des Verbands für Kakteen und Sukkulenten, Arturo Tonatiuh Arenas Jiménez. "Jede neue Art taucht zuerst öffentlich in Europa auf und erst viel später in Mexiko. Wir wissen oft gar nicht, was wir hier alles haben. Und was man nicht kennt, kann man auch nicht wertschätzen."

Neu entdeckte Arten reizen Banden

Die große Biodiversität locke Banden und Händler aus der ganzen Welt an, sagt der Kakteen-Experte Francisco Valente Rabell. Besonders gefährdet seien die Arten Ariocarpus kotschoubeyanus, Turbinicarpus krainzianus und Echinocereus schmolii. "Aber am meisten haben es die Händler auf neu entdeckte Arten abgesehen", sagt Valente Rabell.

Quelle: dpa


© Ströer Digital Publishing GmbH 2017

Anzeige
shopping-portal