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Plastiktüten: Mit Bezahlpflicht gegen Plastikmüll;

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Aus für Gratis-Plastiktüten?

11.04.2013, 13:12 Uhr | dpa

Das Bundesumweltamt fordert eine Bezahlpflicht für Plastiktüten. (Quelle: dpa)

Das Bundesumweltamt fordert eine Bezahlpflicht für Plastiktüten. (Quelle: dpa)

Das Umweltbundesamt (UBA) fordert, dass Geschäfte in Deutschland künftig keine Gratis-Plastiktüten mehr verteilen dürfen. "Es gibt gerade in Bekleidungsgeschäften, Drogeriemärkten und Kaufhäusern keine Bezahlpflicht, daher empfehlen wir, dass diese Tüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden", sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth der Deutschen Presse-Agentur. Ziel ist es, Plastikmüll zu vermeiden. Er baut sich in der Natur nur sehr schlecht und äußerst langsam ab.


Müllstrudel vom Weltall aus erkennbar

Derzeit berät eine internationale Konferenz in Berlin vor allem über die zunehmende Gefährdung der Meere durch Plastikmüll. "100 bis 140 Millionen Tonnen Müll liegen in den Weltmeeren. Zum Teil sind Müllstrudel aus dem Weltall erkennbar", sagte Flasbarth. "Um das in ein Bild zu packen: Das ist ein Güterzug vollgepackt mit Meeresmüll von hier zum Mond und halb zurück."

Plastikteppich in den Meeren

Allein in der Nordsee liege Müll in einer Größenordnung von einem Würfel mit einer Kantenlänge von 80 Kilometern. Das habe große Auswirkungen auf die Lebewesen, wenn sie zerriebenen Plastikmüll über die Nahrungskette aufnehmen. Tiere strangulierten sich in Müllteilen, darunter Delfin- und Walarten sowie Meeresvögel.

Mikroplastik gelangt über Fische in die Nahrungskette

"Worüber wir noch relativ wenig wissen ist, wie viel Mikroplastik über den Fischkonsum in die Nahrungskette des Menschen kommt", sagte Flasbarth. Ein zunehmendes Problem seien Mikroplastikteilchen zur Stabilisierung etwa in Kosmetika, die von den Kläranlagen nicht erwischt werden und so über das Abwasser in den Meeren landen können. "Hinzu kommt der ganze Müll in der Schifffahrt, sei es bei Kreuzfahrten oder Containerschiffen, der über Bord geworfen wird."

Auf der bis Freitag dauernden Meeresmüll-Konferenz sei ein sehr nachahmenswertes Beispiel vorgestellt worden: In den Ostseehäfen sind die Abfallgebühren in den Hafengebühren enthalten. "Das heißt, man kann keine Kosten vermeiden, wenn man den Abfall vor dem Hafen über Bord wirft", so Flasbarth. "Dadurch ist hier das Müllaufkommen aus der Schifffahrt deutlich zurückgegangen." Die in die Hafengebühren integrierten Abfallgebühren sollten für alle EU-Häfen vorgeschrieben werden. In der Fischerei könnte eine Pfandpflicht auf Netze helfen, das Zurücklassen der Netze in den Meeren zu mindern, betonte Flasbarth.

Quelle: dpa


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