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Kunststoffverölung: Aus Plastik wird Öl

13.09.2012, 15:22 Uhr | kt (CF)

Die Idee aus Plastik Öl herzustellen, ist schon alt. Neu ist, dass jetzt entsprechende Anlagen gebaut werden. Aus Plastik eine Kunststoffverölung zu produzieren setzt nämlich nicht nur neue Maßstäbe, sondern ist auch innovativ: Der Ölknappheit wird entgegengewirkt und Müll nützlich entsorgt. Kritiker sehen jedoch Probleme bei der Finanzierung.

Plastikmüll sinnvoll nutzen

Plastikmüll wird es vermutlich immer geben. Öl dagegen nicht. Wiederverwertbarer Müll stimmt nicht nur Umweltschützer friedlich, sondern ist auch für die Industrie nutzbar. Da kommt die Idee, Plastik in Öl umzuwandeln zur rechten Zeit. Obwohl das Patent zur Kunststoffverölung bereits 1937 abgesegnet wurde, hatte es bis jetzt keiner für nötig gehalten, das Thermolyse-Verfahren anzuwenden. Mittlerweile neigen sich die Ölvorkommen langsam dem Ende entgegen und die Ölpreise steigen immer weiter – es ist also Umdenken angesagt.

Aus Abfällen im gelben Sack kann jetzt Öl hergestellt werden. (Quelle: dpa)

Aus Abfällen im gelben Sack kann jetzt Öl hergestellt werden. (Quelle: dpa)

Wie aus Kunststoff Öl wird

Der Öko-Energie Umweltfonds 1 baut seit Juli 2012 die erste von vier Anlagen zur Ölgewinnung aus Plastik in Mannheim. Erprobt wurde die Kunststoffverölung bereits in einer Prototyp-Anlage in der Schweiz. Dank des Fonds konnte genug Geld für eine Baugenehmigung zusammengetragen werden. In den Anlagen wird der Plastikmüll erhitzt, wobei Gase entstehen. Diese werden anschließend abgekühlt und verflüssigen sich wieder. Diese Flüssigkeit kann dann als Heizöl benutzt oder weiterverarbeitet werden.

Aus 100 Gramm Kunststoff können laut Hersteller 85 Milliliter Öl gewonnen werden. Knapp 5 Millionen Tonnen Plastikmüll fallen jährlich in Deutschland an. Für Oskar Edler von Schickh, Geschäftsführer des Öko-Energie Umweltfonds 1, ein gutes Geschäft. "Mit dieser Menge könnten wir mit unserer Technologie theoretisch drei bis fünf Prozent des deutschen Rohölimports abdecken – in Zeiten ständig steigender Ölpreise eine verlockende Aussicht."

Die Qualität des Öls soll dabei nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch qualitativ hochwertig sein. Neben dem Öl wurde bereits auch das Herstellungsverfahren an sich von der Dekra erfolgreich getestet. "Mit der hier vorgestellten neuen Technologie wird ein Beitrag zur Schonung der Ressourcen geleistet. Das erzeugte Produktöl wird wieder in den Energiekreislauf zurückgeführt", so die öffentliche Bekanntmachung des Fonds.

Kritiker: Kunststoffverölung nicht rentabel

Kritiker der neuen Form von Ölgewinnung gibt es allerdings auch. "Nicht jeder Kunststoff eignet sich für das Thermolyse-Verfahren", sagt Thomas Probst vom Bundesverband für Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Die Preise für eine Tonne geeigneten Plastikmülls seien zu hoch, um eine rentable Produktion zu garantieren. Hinzu müsse man sich auch über die Abfälle, die bei der Kunststoffverölung anfallen, Gedanken machen.

Laut Probst seien die Überreste nur schwer zu entsorgen und vielleicht sogar giftig. "Weit besser ist die werkstoffliche Wiederverwertung von Kunststoffen", so Probst. "Anstatt einen aufwendigen chemischen Prozess zu durchlaufen, wird das Plastik lediglich geschreddert. So lässt es sich vergleichsweise unkompliziert zu neuen Produkten formen".

Zumindest in der Frage nach dem Gewinn kann das Unternehmen eine positive Prognose liefern. Bereits 2013 sollen die Investoren eine Rendite von 3,54 Prozent ausgeschüttet bekommen. In den Folgejahren soll der Prozentsatz sogar noch steigen. Allerdings übernimmt der Öko-Umweltfonds 1 dafür keine Garantie. 

Quelle: kt (CF)


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