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Rote Liste 2011 gilt als alarmierend

10.11.2011, 13:11 Uhr

Das nördliche Breitmaulnashorn gilt als möglicherweise ausgestorben. (Quelle: Martin Harvey/WWF)

Das nördliche Breitmaulnashorn gilt als möglicherweise ausgestorben. (Quelle: Martin Harvey/WWF)

Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) hat seit dem letzten Jahr erheblichen Zuwachs bekommen. Wie aus einer Neubewertung der Organisation hervorgeht, sind die bedrohten Arten in den vergangenen zwölf Monaten um gut 300 Arten auf 3879 gestiegen – trotz ausgeweiteter Schutzmaßnahmen. Auf der Liste stehen mittlerweile mehr als 61.900 Pflanzen und Tiere. Die deutsche Niederlassung des Umweltverbandes World Wide Fund For Nature (WWF) hat die jüngste Studie als alarmierend eingestuft.

Jedes vierte Säugetier ist bedroht

Von den zahlreichen Arten, die in der Roten Liste geführt werden, gelten inzwischen 5689 als "stark gefährdet" und 10.002 als "gefährdet". Nach Ansicht der IUCN ist die Aufstellung ein immer umfangreicher werdendes "Barometer des Lebens". "Dieses Update zeigt beides, gute und schlechte Nachrichten, zum Status vieler Arten weltweit", wurde Jane Smart, Direktorin des IUCN Global Species Programme, zitiert. Jedes vierte Säugetier ist der Liste zufolge gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Schlimm sei die Situation etwa bei den Nashörnern: Das westliche Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis longipes) sei nun auch offiziell für ausgestorben erklärt, die Unterart nördliches Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) werde als möglicherweise ausgestorben geführt.

Rote Liste: Artenschwund ist nicht zu bremsen

"Die Rote Liste ist so etwas wie die Fieberkurve unserer Artenvielfalt und sie zeigt, dass es dem Patienten immer schlechter geht", erklärte Stefan Ziegler, Artenschutzexperte beim WWF Deutschland, in einer Mitteilung. "Es gelingt nicht einmal, den Artenschwund zu verlangsamen. Ganz im Gegenteil geht es immer mehr Arten an den Kragen."

Wildbestände haben sich teilweise erholt

Es gebe aber auch Erfolgsgeschichten, hieß es bei der IUCN. So sei der Bestand der südlichen Breitmaulnashörner (Ceratotherium simum simum) von rund 100 zum Ende des 19. Jahrhunderts auf mehr als 20.000 angewachsen. Auch von den Przewalski-Pferden (Equus ferus) lebten wieder mehr als 300 in freier Wildbahn. Sie seien auf "stark gefährdet" herabgestuft worden. "Diese Erfolge zeigen, dass sich der Aufwand lohnt und in der Wildnis ausgestorbene oder stark bedrohte Tierarten gerettet werden können", so Ziegler.

Geckos kämpfen ums Überleben

Alarmierend sei weiter vielfach die Situation bei den Reptilien, teilte die IUCN mit. Auf Madagaskar seien mittlerweile 40 Prozent der an Land lebenden Reptilien-Arten gefährdet, 22 Arten vom Aussterben bedroht, darunter Chamäleons, Geckos und Schlangen. Reptilien seien aber ein wesentlicher Bestandteil der Artenvielfalt, schreibt die IUCN. Dies gelte besonders für trockene Regionen und Inseln auf der ganzen Welt.

Chinesische Wasserfichte besonders selten

Neben Wirbeltieren sind weltweit auch viele Pflanzen betroffen. Die chinesische Wasserfichte (Glyptostrobus pensilis) etwa war früher weit verbreitet in China und Vietnam. Sie wurde nun als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Ursache sei vor allem die Umwandlung von Wald in Ackerfläche, hieß es. Nach Angaben des WWF ist besonders tragisch, dass viele Arten ausgestorben sein werden, bevor sie überhaupt entdeckt worden sind. Denn die Rote Liste umfasse nur einen kleinen Teil der insgesamt rund zehn Millionen vermuteten Arten weltweit.

Quelle: dpa

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