24.11.2011, 09:37 Uhr
Algenreaktor: 20 Liter Algenkultur wachsen in diesem beleuchteten Zylinder, den Dr. Jan Mussgnug an der Universität Bielefeld überprüft. (Quelle: djd/Bielefeld Marketing)
Das Öl und Gas in naher Zukunft Mangelware sein werden, ist weithin bekannt. Schon allein deshalb arbeiten Forscher und Wissenschaftler kontinuierlich an neuen Lösungen für unsere Energieversorgung. Der Alge wird dabei eine besondere Stellung eingeräumt, denn von ihr erhoffen sich die Experten ein wahres Energiewunder. Für die Produktion von Biomasse soll die Alge bereits jetzt fünf- bis zehnmal effizienter sein als Mais, Raps oder andere Pflanzen.
Im Labor von Professor Olaf Kruse ist bereits ein Testreaktor in Betrieb. Bläschen blubbern durch die hellgrüne Flüssigkeit in einem etwa ein Meter hohen Reaktor. 20 Liter Algenkultur wachsen darin. Weitere Zutaten sind Wasser, Licht, Kohlendioxid (CO2) und Mineralien. Dutzende Halogenstrahler beleuchten die hochkonzentrierte Algenflüssigkeit. "Mithilfe von Licht und CO2 vermehren sich die einzelligen Algen über die Photosynthese", erklärt Kruse. "Einige Abermillionen Einzeller verdoppeln sich alle sechs bis acht Stunden – Algen wachsen bei einer idealen Raumtemperatur von 22 bis 25 Grad Celsius schnell und effizient." Die gewonnene Biomasse wird in Treibstoffe in Form von Biodiesel, Biogas oder Wasserstoff umgewandelt.
Mikroalgen als Bioenergie-Lieferanten stehen zurzeit als beste Energie-Alternativen im Fokus des Interesses. Kruse ist Experte auf diesem Gebiet. Er leitet den Lehrstuhl Algenbiotechnologie und Bioenergie, der 2009 gemeinsam von der Stiftung der Stadtwerke Bielefeld und der Universität Bielefeld neu eingerichtet wurde. Kruse und seine Arbeitsgruppe forschen sowohl mit Süßwasser- als auch mit Salzwasseralgen. Die meisten Mikroorganismen kämen zwar aus Stammsammlungen – zum Beispiel aus den Subtropen – aber Kruse sucht auch neue Algen in der lokalen Umgebung aus Bielefelder Teichen. Die Bielefelder arbeiten auf dem Gebiet der Gentechnologie mit dem Laborstamm Chlamydomonas. Ebenso widmen sie sich der Wachstumsoptimierung von Mikroalgen. Das Centrum für Biotechnologie (CeBiTec) der Universität Bielefeld gehört deutschlandweit zu den führenden Instituten in der Algenbiotechnologie.
Gegenüber Pflanzen wie Mais, Raps und Zuckerrübe könne aus Mikroalgen die fünf- bis zehnfache Menge pro Flächeneinheit im Jahr an Biomasse gewonnen werden, so Kruse. Weiterer Vorteil: Mikroalgen verbrauchen keine wertvollen Ackerflächen und stehen somit nicht in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelkette. Kruse: "Um Erdöl mit Energie aus Pflanzen zu ersetzen, würden die vorhandenen Ackerflächen auf der Welt ohnehin nicht ausreichen." Ein weiterer ökologischer Pluspunkt liegt in der CO2-neutralen Energiegewinnung aus Mikroalgen, weshalb die Einzeller als Ersatz für fossile Energiequellen dienen könnten. Allerdings sind die Produktionskosten momentan noch immens hoch. "Die Entwicklung der Reaktoren steckt noch in den Kinderschuhen – wir müssen uns mit der Produktion noch gedulden, es gibt erst wenige größere Anlagen", so der 50-Jährige.
Das Team von Olaf Kruse arbeitet derzeit in enger Kooperation mit Ingenieuren der Universität Karlsruhe und Experten der University of Queensland in Australien, um die Wirtschaftlichkeit der Bioenergiegewinnung aus Algen voran zu treiben. Bei dem Projekt "Solar-Biofuels-Research" sind auch drei Konzerne involviert: Siemens AG (Deutschland), NESTE-OIL (Finnland) und der Anlagenbauer KBR (USA). Nach dem Projektstart im Sommer 2011 soll nun im Frühjahr 2012 eine Testanlage mit offenen und geschlossenen Reaktorsystemen eröffnet werden. "In Queensland haben wir bei 20 bis 30 Grad Celsius ideale Bedingungen für die Algenzüchtung", sagt Kruse.
Ob Mikroalgen die Zukunft des Treibstoffs sind, sei allerdings noch zu früh zu sagen. "Wir brauchen alternative Energiequellen und neue Treibstoffe, mit denen wir heizen und uns fortbewegen können, denn die kohlenstoffbasierten Treibstoffe wie Öl, Gas und Kohle gehen zu neige", so der Biologe. Aufgrund des Wirtschaftswachstums, dem Anstieg der Industrieländer und der steigenden Weltbevölkerung müsste bis spätestens 2025 die Menge an alternativen Treibstoffen immens erhöht werden – unabhängig von den ausgehenden Energiequellen, so Kruses Prognose.
Der Biologe rechnet damit, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Technik soweit ist, dass Algenproduktionsanlagen Treibstoffe für vorhandene Motoren und Heizsysteme herstellen können. Testweise tanken schon jetzt erste Autos, Schiffe und Flugzeuge den Algensprit. Längerfristiges Ziel sei es aber, mit Hilfe der Synthetischen Biologie neue innovative Treibstoffe mit hoher Effizienz zu entwickeln, so Kruse. Dann würde die Mikroalge nicht über die Zwischenstufe "Biomasse" Treibstoffe herstellen, sondern würde direkt selbst zum Energie-Produzenten werden.
Quelle: djd
Uli schrieb:
am 6. Dezember 2011 um 19:16:39
die Idee kommt aus Spanien
Einem Fernsehbericht zufolge kommt diese Entdeckung und Entwicklung aus Spanien! Die 20 Liter in dem 1 Meter hohen
Reaktor sind ein Witz. In Spanien stehen haushohe Tanks und es wird seit langem reichlich produziert. Positiv ist, daß Deutschland sich nun endlich auch mit dieser Technologie beschäftigt - lange genug hat es ja gedauert. Wenn man bedenkt, wie Erdöl entstanden ist, weiß man, was von der Alge zu erwarten ist - so einfach ist das!
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der biker schrieb:
am 27. November 2011 um 08:37:20
verdienen
Was heißt denn "Daran können die Ölmultis nichts verdienen"?
Beachtet mal heute den Beitrag "Blockheizkraftwerke
von VW + Lichtblick".
Während in Japan viele Häusle-Besitzer seit Jahren mit eigenem kleinen Blockheizkraftwerk (Wärme/Strom Kopplungs-Systemen) ihren Strom + Wärme gewinnen fangen wir damit erst an.
In diesem Beitrag heißt es: Der Nutzer muß 5 bis 8000,- Euro investieren, monatlich 20,- Euro bezahlen. Das Gerät bleibt Eigentum von Lichtblick.
Die wissen schon wie
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anton schrieb:
am 27. November 2011 um 06:19:40
algen energie
das alles gut und schön aber was ist mit den Ölmultis und die Politiker, die können doch nichts daran verdienen also wird
wieder nichts. Und der Steuerzahler muss weiter die Zeche an der Tankstelle bezahlen
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