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Stromspeicher am Meeresgrund geplant

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Stromspeicher am Meeresgrund geplant

13.06.2013, 11:41 Uhr | md (CF)

Für ausreichend Strom aus erneuerbaren Energien in windarmen Zeiten könnte die Idee eines Luftfahrtingenieurs sorgen: Rainer Schramm will Stromspeicher am Meeresgrund errichten, die mithilfe des Wasserdrucks Turbinen antreiben. Wissenswertes rund um das Thema dieser Pumpspeicherkraftwerke finden Sie hier.

Das Funktionsprinzip von Pumpspeicherkraftwerken

An Land gibt es Pumpspeicherkraftwerke bereits seit den 1920er Jahren. Diese dienen dazu, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Denn nicht immer werden gleiche Mengen an Energie eingespeist und benötigt. In Zeiten, in denen mehr Strom in das Elektrizitätsnetz fließt als verbraucht wird, pumpt das Kraftwerk mithilfe dieser überschüssigen Energie Wasser aus einem Tal in ein höher gelegenes Reservoir. Wird wieder mehr Strom benötigt, wird das Wasser aus den oberen Reservoirs abgelassen und fließt zurück ins Tal. Auf diesem Weg treibt das von der Schwerkraft beschleunigte Wasser Turbinen an, die Strom produzieren. Da für das Hochpumpen des Wassers jedoch mehr Energie benötigt wird, als beim Herunterfließen produziert wird, weisen Pumpspeicherkraftwerke in der Regel einen Wirkungsgrad von 75 bis 80 Prozent auf.

So soll der Stromspeicher am Meeresgrund arbeiten

Nach einem ähnlichen Prinzip soll auch der Stromspeicher am Meeresgrund arbeiten und damit ebenfalls einen Wirkungsgrad von etwa 80 Prozent erzielen. Bei dem Stromspeicher unter Wasser ist es jedoch nicht das Gefälle, das die Produktion von Strom ermöglicht, sondern der Druckunterschied zwischen dem Wasser am Meeresgrund und der Luft im Innenraum der Turbinenhalle. "Stellen Sie sich vor, Sie öffnen eine Luke in einem getauchten U-Boot. Das Wasser wird mit enormer Wucht ins innere schießen - genau das ist die Energie, die wir nutzen wollen", erklärt Ingenieur Rainer Schramm. Idealerweise werden die Stromspeicher in 400 bis 800 Metern Tiefe errichtet, dann könnte ein solches Kraftwerk den Berechnungen des Erfinders zufolge rund 300 Megawatt Strom in acht Stunden liefern und damit rund 200.000 Haushalte versorgen.

Mögliche Vorteile und Perspektiven der Technologie

Einen Vorteil dieser Form von Pumpspeicherkraftwerken sieht Luftfahrtingenieur Rainer Schramm zum Beispiel darin, dass sie in unmittelbarer Nähe zu Offshore-Windparks errichtet werden und deren erzeugten Strom zwischenspeichern könnten. Das würde dazu beitragen, das Stromnetz zu stabilisieren, indem Schwankungen in der Produktion ausgeglichen werden. So stünde auch in windarmen Zeiten immer ausreichend Energie zur Verfügung. Einem Problem sieht sich der Erfinder jedoch gegenüber: Die Nordsee, wo viele Offshore-Windparks stehen, ist an vielen Stellen zu flach für einen Stromspeicher am Meeresgrund. Daher soll der erste Prototyp im Meer vor Norwegen errichtet werden. Zusammen mit norwegischen Forschern arbeitet Rainer Schramm aktuell an einem Material, das stabil genug, aber gleichzeitig nicht zu teuer ist, damit das Pumpspeicherkraftwerk rentabel arbeiten kann.

Quelle: md (CF)


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