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Tierschutz: US-Schildkröten sollen getötet werden;

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Seltene Schildkröten dem Tod geweiht

29.08.2013, 16:57 Uhr | AP

Gefährdeten Schildkröten droht wegen Geldmangel der Tod. (Quelle: Picture Alliance)

Gefährdeten Schildkröten droht wegen Geldmangel der Tod. (Quelle: Picture Alliance)

Eine gefährdete Schildkrötenart in Nevada soll getötet werden - weil der Behörde das Geld fehlt, um das Zentrum zum Schutz der Tiere weiterzuführen. Hunderte Tiere sollen deshalb in den kommenden Monaten sterben.

Erst geschützt und dann getötet

Jahrzehntelang wurden die unter Artenschutz stehenden Kalifornischen Gopherschildkröten in einem Naturschutzgebiet bei Las Vegas umsorgt und gehegt. Außerhalb des Reservats achteten Unternehmer darauf, dass die Wüstentiere bei Bauarbeiten nicht zu Schaden kamen. Wanderer müssen von den Schildkröten unter Androhung von Gefängnisstrafen Abstand halten. Doch von genau den Menschen, die ihnen bisher Schutz boten, droht den Tieren nun Gefahr: Dem Naturschutzzentrum Desert Tortoise gehen die Bundesmittel aus, die Anlage soll geschlossen werden.

Und hunderte der Schildkröten, die dort versorgt werden, seit sie 1990 auf die Liste der bedrohten Arten genommen wurden, sollen getötet werden. "Es ist das kleinere von zwei Übeln, aber es ist trotzdem übel", sagt Roy Averill-Murray von der US-Naturschutzbehörde bei einem Besuch in dem Reservat am südlichen Rand des Las-Vegas-Tals. In Kürze sollen dort keine neuen Schildkröten mehr aufgenommen werden. Die meisten, die im Herbst gebracht werden, werden dann einfach getötet.

Mehr als die Hälfte der Tiere soll sterben

Im Naturschutzzentrum suchen Forscher derzeit unter den 1400 Bewohnern der Einrichtung nach den Exemplaren, die kräftig genug sind, um in die Wildnis entlassen zu werden. Mitarbeiter erwarten aber, dass vor einer Schließung der Anlage Ende 2014 mehr als die Hälfte der Tiere getötet werden muss.

Averill-Murray von der Naturschutzbehörde wirkt resigniert. Er möchte wenigstens die Forschungseinrichtung des Zentrums erhalten und sucht nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten. "Es ist nicht das wünschenswerteste Modell, den Aufschwung zu finanzieren - auf dem Rücken des Lebensraums von Schildkröten."

Umsiedeln gestaltet sich schwierig

Die Wüstenschildkröte lebt seit 200 Millionen Jahren im Südwesten der heutigen USA. Doch für eine Koexistenz mit Einkaufszentren, Wohngebieten und Solaranlagen scheint sie nicht geschaffen. Die leicht in Panik geratenden Tiere dürfen laut Gesetz zu ihrem Schutz von Menschen nicht hochgehoben werden, denn sie neigen dazu, sich dann zu entleeren und verlieren so ihre über das Jahr angesammelten Wasservorräte. Wenn sie umgesiedelt werden, versuchen sie praktisch immer, wieder zurück zu ihrem alten Bau zu gelangen. Außerdem sind sie anfällig für Atemwegsinfektionen und andere Erkrankungen.

Schildkröten können 100 Jahre alt werden

Ökologen sehen im Verlust des Schutzzentrums einen schweren Schlag für das Überleben der Tiere in Südnevada. Einst lebten in Utah, Kalifornien, Arizona und Nevada Millionen Gopherschildkröten, inzwischen wird ihre Zahl auf maximal 100.000 geschätzt. Die Tiere waren früher so zahlreich, dass Touristen sie als Souvenir auflasen und mit nach Hause nahmen. Viele stellten dann rasch fest, dass sich die scheuen Grasfresser nur schlecht als Haustier eignen - allein schon deshalb, weil sie 100 Jahre alt werden können. Und als die Schildkröten unter Artenschutz gestellt wurden, brachten viele Menschen sie zurück.

Kein Geld für die Tiere übrig

Die Schildkröten sind späte Opfer der Haushaltsprobleme, die von derselben Immobilienblase hervorgerufen wurden, die eine ganze Fertighaussiedlung am Rand des einst abgelegenen Gebiets entstehen ließ. Die Behörde für Raumnutzung unterhielt das Reservat mit seiner Forschungseinrichtung und verwendete dafür die Einnahmen aus Gebühren, die Bauunternehmer zahlen mussten, wenn sie Lebensraum der Schildkröten auf öffentlichem Land zerstörten. Als der Bauboom ab 2000 den Süden Nevadas erreichte, spülte das viel Geld für den Schildkrötenschutz in die Kassen.

Doch dann kam die Rezession, der Immobilienmarkt brach zusammen, und die Behörde und ihre örtlichen Partner hatten plötzlich Mühe, die jährlich nötigen eine Million Dollar - das entspricht rund 750.000 Euro - für das Schutzzentrum aufzubringen. Die Bautätigkeit erholte sich auch mittelfristig nicht vollständig, und in den vergangenen elf Monaten kamen nur Gebühreneinnahmen in Höhe von 290.000 Dollar zusammen. Örtliche Regierungsstellen, die ebenfalls Gebühren für den Schildkrötenschutz verlangten, zogen sich aus dem Projekt zurück. "Das Geld wird weniger, und es werden immer mehr Schildkröten gebracht - die Rechnung wäre niemals aufgegangen", sagt Behördensprecherin Hillerie Patton.

Quelle: AP


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