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Überfischung: Viele Fischarten gehören nicht in den Laden

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Gefahren der Überfischung: Viele Fischarten gehören nicht in den Laden

10.06.2015, 13:39 Uhr | evidero Redaktion

Viele Fischarten, die zum Verkauf angeboten werden, sind stark von Überfischung bedroht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Viele Fischarten, die zum Verkauf angeboten werden, sind stark von Überfischung bedroht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Immer mehr Menschen reduzieren ihren Fleischkonsum, kaufen Bio-Fleisch und vermeiden Produkte aus konventioneller Massentierhaltung. Doch was ist mit Fisch? Der Kauf von Meerestieren scheint für viele immer noch unbedenklich, denn bei Speisefisch vermuten sie keine Massentierhaltung und keine Lebensmittelskandale. Ein Umdenken ist angebracht.

88 Prozent der europäischen Speisefisch-Arten sind laut Greenpeace überfischt oder stehen kurz davor. Knapp ein Drittel davon wird sich wahrscheinlich nicht mehr erholen. Weltweit ist etwa ein Viertel der Fischbestände bedroht.

Oft kommt es auf den Fangort an: So ist der Lachs aus der Ostsee und dem Nordwest-Pazifik bedroht, der Nordost-pazifische Lachs jedoch nicht. Kabeljau aus der Ostsee gibt es noch häufig, stammt er hingegen aus dem Atlantik oder Pazifik, sollten Käufer ihn meiden. Von den Thunfisch-Arten sind fast alle gefährdet - die einzige Art, deren Population noch recht groß ist, ist der Bonito, der im indischen Ozean und Pazifik vorkommt.

Einige Fischarten sind so stark überfischt oder werden unter solch schlechten Bedingungen gefangen, dass sie im Geschäft gar nichts zu suchen haben: Aal, Granatbarsch, Haie, Oktopus oder Seezunge zum Beispiel.

Ökosystem in Gefahr

Rund 3,5 Millionen Fischereischiffe sind nach Greenpeace-Angaben jährlich auf den Weltmeeren aktiv. Die größten dieser Schiffe können bis zu 6000 Tonnen Fisch einlagern und einfrieren. Sie fischen mit Netzen von bis zu 600 Metern Länge.

Dabei sollte der Mensch auf das Lebewesen Fisch besonders viel Rücksicht nehmen. Im Gegensatz zu Nutztieren, die Landwirte ausschließlich zum Fleischverzehr oder zur Milchproduktion züchten, werden die meisten Speisefische einem empfindlichen Ökosystem entrissen: dem Meer. Die etwa 30.000 bekannten Fischarten spielen eine wichtige Rolle im Nahrungskreislauf der Weltmeere. Sie sind Nahrung für andere Fischarten und bilden zusammen mit Pflanzen und anderer Lebewesen ein komplexes Ökosystem.

Die heutigen Fangmethoden bedeuten einen zusätzlichen Eingriff in dieses System. Vor allem der Beifang hat katastrophale Folgen für den Lebenskreislauf des Meeres: Auf ein Kilogramm gefangene Krabben werden etwa acht Kilo andere Meeresbewohner mitgefischt - die anschließend tot oder verletzt ins Meer zurückgeworfen werden. Auch Schildkröten oder Albatrosse fallen der kommerziellen Fischerei zum Opfer, geht aus Greenpeace-Studien hervor.

Nur so lange es sich lohnt

Immerhin: Die industrielle Fischerei führt laut einer Studie der World Ocean Review (WOR) nur selten zu einer Ausrottung von Fischarten. Denn lange bevor Fischer den letzter einer Art aus dem Meer ziehen, wird der verminderte Fang unrentabel. Das heißt: Menschen fischen so lange zu viel, bis es sich nicht mehr lohnt zu fischen. Die Überfischung schadet demnach nicht nur der Umwelt, sondern auch der Wirtschaft: In den 1990er Jahren brachen die Bestände des Kabeljaus vor Kanada der WOR zufolge so stark ein, dass 40.000 Fischer ihre Arbeit verloren.

Im Fall des Roten Thunfischs und des Blauflossenthunfischs ist ein Aussterben jedoch möglich. Die Raubfische werden so massiv überfischt, dass die Bestände sich wohl nicht erholen können. Die illegale Fischerei tut ihr Übriges, denn die Nachfrage ist nach wie vor immens hoch.

Aquakulturen sind nicht die Lösung des Problems

Sind Speisefische aus Aquazuchtkulturen die bessere Wahl? Diese Fische werden schließlich gesondert gezüchtet und das Meer wird nicht beeinträchtigt - eine Annahme, die leider nicht stimmt. Die Tiere in den Aquakulturen sind oft Raubfische, die ihrerseits kleinere Fische als Nahrung benötigen - die werden wiederum im Meer gefangen.

Laut der WWF (World Wide Fund for Nature) werden inzwischen rund die Hälfte aller Fische im Verkauf in Kulturen gezüchtet. Die Umweltschützer berichten dazu: "Zur Produktion von einem Kilogramm Lachs beispielsweise benötigt man circa vier Kilogramm Fischeiweiß. Bei Thunfisch ist es noch drastischer: Pro Kilogramm Thunfisch werden circa 20 Kilogramm tierisches Eiweiß gebraucht."

Die Massentierhaltung unter Wasser richtet aber noch weitere Umweltschäden an - etwa durch den enormen Energiebedarf für eine konstante Wassertemperatur oder die Abholzung von Mangrovenwäldern. Aquakulturen führen außerdem zu Wasserverschmutzung: Zum einen entstehen enorme Massen an Ausscheidungen, zum anderen werden die Fische mit Antibiotika gefüttert, die später ins Wasser gelangen und das Ökosystem beeinträchtigen. 

Fisch ist nicht immer gesund

Die moderne Fischerei und Fischzucht bedeuten auch eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen. Immer öfter finden sich in Meeresfischen Schwermetalle, winzige Plastikrückstände oder ähnliche nicht abbaubare Stoffe, die dem menschlichen Körper nicht bekommen. Ursache ist die durch den Menschen verursachte Verschmutzung der Meere.

Auch Fisch aus Aquakulturen ist nicht einwandfrei. Hier treten ähnliche Risiken auf wie in der "regulären" Massentierhaltung: Krankheiten, Antibiotikaresistenzen, Pestizidrückstände. Der Fisch aus Massenproduktion hat mit dem gesunden Tier voller Eiweiß, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D meistens nicht mehr viel zu tun.

Welcher Fisch darf auf den Tisch?

Wer dennoch nicht auf Fisch verzichten möchte, sollte sich - wie auch beim Fleischkauf - gut informieren und sich an diese Tipps halten:

  • Auf Gütesiegel achten! Bei Meeresfischen zertifiziert der Marine Stewardship Council (MSC) Fischereien als umwelt- und bestandschonend. Das Siegel des Aquaculture Stewardship Council (ASC) kennzeichnet zudem verantwortlich geführte Aquakulturen.
  • Weniger Fisch und Meerestiere essen - maximal einmal pro Woche.
  • Nur Fisch kaufen, der nicht bedroht ist, etwa Barramundi, Regenbogenforelle (nicht Bachforelle!), Heilbutt oder Karpfen. Eine gute Übersicht bietet der Einkaufsratgeber der WWF.
  • Fisch aus der Umgebung von kleineren Züchtern kaufen, so dass sich nachvollziehen lässt, wie der Fisch gehalten wird.
  • Auf industrielle Fischprodukte und Fisch-Fastfood verzichten, zum Beispiel auf Burgern, Pizzen oder in Schnellimbissketten.
  • Immer auf Bioqualität achten.

Quelle: evidero Redaktion


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