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Umwelt durch Plastikpartikel bedroht: Ursache Waschmaschinen?

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Umwelt durch Mikroplastik bedroht

29.12.2011, 17:32 Uhr | hadiet

Außer diesen Kunststoffteilchen, die kleiner als zwei Zentimeter sind, wurden auch die Mikropartikel synthetischer Kleider an den Stränden (hier Hawaii) gefunden. (Quelle: NOAA Marine Debris Program)

Außer diesen Kunststoffteilchen, die kleiner als zwei Zentimeter sind, wurden auch die Mikropartikel synthetischer Kleider an den Stränden (hier Hawaii) gefunden. (Quelle: NOAA Marine Debris Program)

Keine schöne Entdeckung: Forscher haben herausgefunden, dass häusliche Waschmaschinen großen Anteil an der Verschmutzung der Meere mit kleinsten Plastikpartikeln haben. Die Maschinen setzen beim Waschgang winzige Teile aus Polyester und Acryl frei, die sich aus synthetischer Kleidung lösen. Diese Partikel passieren die Kläranlagen und gelangen so ungefiltert in die Weltmeere. Angereichert mit gesundheitsgefährdenden Stoffen landen sie später in der Nahrungskette. Ein mögliches Gefahrenpotential – nicht nur für die Tiere.

Plastikpartikel durch Synthetikkleidung

Herausgefunden haben das Forscher vom University College Dublin. Sie hatten Synthetikkleidung mehrmals für ihre Tests in der Maschine gewaschen und anschließend das Abwasser analysiert. Das Ergebnis: Ein einzelnes Kleidungsstück verlor bis zu 1900 Fasern, jedes kleiner als ein Stecknadelkopf. An 18 Stränden auf sechs Kontinenten fanden sich identische Fasern von synthetischen Textilien.

Die Kunststoffklümpchen unterscheiden sich optisch kaum von Sandkörnern. Fest steht, das sich Plastik bereits über den ganzen Globus auf dem Land und im Wasser verteilt hat. Die Konzentration der Teilchen ist in besiedelten Gebieten größer, als in unberührten Landstrichen, wie die Forscher herausfanden.

Zersetzung von Plastik überdauert uns bei Weitem

Wie das Umweltbundesamt in einer Studie über Abfälle im Meer zusammenfasst, beträgt die Abbauzeit von Plastikmüll bis zu 450 Jahren. Nur Aluminiumdosen brauchen noch länger bis zur vollständigen Auflösung – bis zu 500 Jahre. Während des Abbaus werden die Kunststoffe in immer kleiner Teile zersetzt, bis sie zu mikroskopisch kleinen Partikeln zerfallen. Die Fasern aus der Waschmaschine fallen in diesen Bereich.

Giftstoffe geraten in Nahrungskette

Ein weiteres Problem ist, dass sich an den Plastikpartikeln im Meer giftige wasserunlösliche Substanzen wie beispielsweise DDT (Insektizid) oder PCB (Industrieprodukt) sammeln. Professor Hideshige Takada, ein Toxikologe aus Japan berichtet in seinen Studien, dass die Konzentration auf den Mikroplastikteilchen bis zu 1.000.000 Mal höher ist, als in deren Umgebung. Die feinen Partikel werden im Laufe der Zeit von Plankton aufgenommen und später von verschiedenen Meeresbewohnern vertilgt. So gelangen die Chemikalien über die Nahrungskette auch in Speisefischen – die auch der Mensch zu sich nimmt.

Die Forschergruppe unter der Leitung von Mark Browne hat bereits mehrfach nachgewiesen, dass die Giftstoffe vom Organismus vieler Kleinstlebewesen im Meer, wie Muscheln und Würmer, direkt aufgenommen wird. Die Folgen: Schwächung des Immunsystems, Verunreinigung von Gewebe und Körperflüssigkeiten, Vergiftungen und Fortpflanzungsstörungen. Die Gefahr für den Menschen besteht darin, dass er dieselben Giftstoffe über den Fisch als Träger zu sich nimmt und diese in der Konsequenz auch in seinen Organismus gelangen.

Gibt es eine Lösung für das Plastik-Problem?

Hilfreich wäre das Sammeln und Weiterverwerten des Plastikmülls, der noch nicht zerfallen ist, damit dieser gar nicht erst in den Kreislauf gelangt. Ebenfalls wäre es sinnvoll, endlich international verbindliche Regelungen für die Entsorgung von Müll auf dem offenen Meer festzulegen, damit der Müll nicht mehr direkt über Bord im Meer versenkt wird.

Im Jahr 2008 wurden weltweit etwa 280.000.000 Tonnen Kunststoff für Verpackung und Produktion hergestellt. Der größte Teil davon wurde dabei für Verpackungen eingesetzt. In Deutschland lag die Recyclingquote von kunststoffreichen Verbrauchsabfällen in 2009 laut Veolia Umweltservice bei rund 60 Prozent. Ein weiterer Teil des Abfalls landete aber auch einfach in der Verbrennungsanlage. Auch ökologisch gesehen reine Verschwendung, wenn man bedenkt dass eine Tonne Recyclingkunststoff 400 bis 500 Euro kostet.

Bei Textilfasern natürlichen Kreislauf anstreben

Grundsätzlich wird das Kunststoffproblem in Zukunft noch zunehmen, hierin sind sich die Forscher einig. Die besten Maßnahmen, die man hinsichtlich der künstlichen Textilfasern ergreifen könnte, wären die andersartige Gestaltung von Kleidung und auch von Waschmaschinen. So könnte man verhindern, dass die Fasern in die Abwässer und damit in offene Gewässer gelangten. Der Verzicht auf synthetische Textilfasern wäre ebenfalls hilfreich, denn Baumwolle, Hanf oder Seide lösen sich in ungefährliche Bestandteile auf und zersetzen sich in wenigen Jahren vollständig.

Soviel Wasser verbrauchen die Deutschen beim Wäschewaschen

Ein durchschnittlicher Haushalt mit zwei Personen wäscht etwa 91 Wäscheladungen im Jahr. Umgerechnet wird also alle vier Tage eine Waschmaschine angestellt. Pro Waschgang werden 40-50 Liter Wasser verbraucht – zumindest bei neuen Geräten. Pro Jahr und Haushalt fließen also durchschnittlich etwa 4100 Liter mit Textilfasern angereichertes Wasser in die Kläranlage.

Hochgerechnet wären das über 150 Milliarden Liter pro Jahr, die allein in Deutschland in Privathaushalten zusammenkämen. Zum Vergleich: Die gleiche Menge Wasser würde etwa 65.600 Schwimmbecken wie das im Olympiastadion München füllen.

Wussten Sie, dass...

...DDT (Dichlor-diphenyl-trichlorethan) ein Schädlingsbekämpfungsmittel ist, das wegen seiner langen Verweilzeit in der Umwelt (etwa 20 Jahre) und seiner leichten Verbreitung (durch Wind und Wasser) umweltschädlich ist? DDT findet man heute überall auf der Erde, auch in den Ozeanen, in Wüsten und auf den Eisfeldern am Nord- und Südpol. Es speichert sich leicht in fetthaltigem Gewebe, beispielsweise bei Fischen.

Über die Nahrungskette gefährdet es Tier und Mensch. Die Anwendung ist daher in Deutschland (seit 1971) und den übrigen Staaten Europas sowie in Nordamerika verboten. 2001 wurde mit der "Stockholmer Konvention" ein weltweites Verbot beschlossen.

...PCB Polychlorierte Biphenyle aus etwa 200 Einzelkomponenten bestehen und als komplexes Gemisch schon seit Ende der 20er Jahre genutzt und hauptsächlich in Transformatoren, Kondensatoren und als Hydraulikflüssigkeit eingesetzt wurden? Bei PCBs besteht der begründete Verdacht auf ein krebserzeugendes Potenzial. Seit 1983 werden PCBs in Deutschland nicht mehr hergestellt, seit 1989 ist die Verwendung PCB-haltiger Stoffe verboten. Aufgrund ihrer guten Löslichkeit in Fetten und der damit zusammenhängenden akkumulierenden Anreicherung in fetthaltigen Lebensmitteln sowie ihrer schweren Abbaubarkeit sind PCBs in der Umwelt heute noch relativ weit verbreitet.

Quelle: feelgreen.de

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Kommentare (45)

zum Forum

Thema: "Umwelt durch Plastikpartikel bedroht: Ursache Waschmaschinen?"

Marianne12 schrieb: am 24. März 2012 um 11:01:42
Plastik und
es kann doch keiner glauben dass all der Unrat und das Plastikzeug einfach so verschwindet wie von Zauberhand, dass all der Müll
von den immer mehr rumschwimmenden Schiffen mit den vielen Leuten sich in Luft auflöst. Wir Menschen schaffen das auch mühelos durch Geldgier und Raffgier diesen Planeten kaputtzumachen. solange den Menschen Geld wichtiger ist als Natur, kein Wunder. Warum nicht Papiertüten wie früher? Muss doch nicht immer Plastik etc. sein, Spart auch Erdoel
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Mario schrieb: am 24. März 2012 um 10:56:02
Plastik-Essen
Wenn man mal in diverse Hotels an der Costa Brava geht, ist man abgesotten für / gegen alles. Da macht das bisschen Plastik
auch keinen Bock mehr fett. Außerdem sind wir die Fast-Food-Plastik-Geschmäcker bereits aus jahrelanger "Gourmet-Erfahrung" ebenfalls gewohnt.
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Verbraucher schrieb: am 24. März 2012 um 09:51:03
ich bin doch nicht blöd
Die Menge des Kunststoff-Verpackungsmülls muss sich drastisch verringern. Es kann doch nicht sein, dass nach jedem
Einkauf mehr Plastikmüll anfällt, als die darin gekaufte Ware. Beispiel: Wurstwaren oder Obst aus dem Supermarkt. Bei Kleidung sollten die Vebraucher verstärkt auf Naturmaterialien setzen. Nicht die Verbraucher sind Schuld, sondern die gierige Kunststoffindustrie. Eine Reduzierung der Kunststoffherstellung würde auch den Rohölverbrauch drastisch senken.
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