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Umweltschutz: Bristol wird 2015 Europas "Grüne Hauptstadt"

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Bristol ist Europas "Grüne Hauptstadt"

30.12.2014, 09:52 Uhr | dpa/ag

Der hohe Anteil an Grünflächen in Bristol trägt dazu bei, dass die Luftqualität sehr viel besser ist als in anderen englischen Städten. (Quelle: dpa)

Der hohe Anteil an Grünflächen in Bristol trägt dazu bei, dass die Luftqualität sehr viel besser ist als in anderen englischen Städten. (Quelle: dpa)

Bio-Busse fahren mit Erdgas, ein Drittel der Stadt besteht aus Grünflächen und jeder fünfte Einwohner geht zur Fuß zur Arbeit. Was für viele wie Zukunftsmusik klingt, ist in Bristol gelebter Alltag. Daher darf sich die 420.000-Einwohner-Stadt im Südwesten Englands im nächsten Jahr "Grüne Hauptstadt Europas nennen". Das entschied die Europäische Kommission in Brüssel.

Den Titel erhält eine Stadt, die "als Vorbild andere Städte inspirieren" kann, schreibt die Europäische Kommission. Dass die Auszeichnung 2015 an Bristol geht, mag viele verwundern. Schließlich gehört sie zu einer Region, die Umweltpolitiker der Europäischen Union eigentlich besonders auf dem Kieker haben.

Ambitioniert in Sachen Umweltschutz

Doch Bristol hat große Anstrengungen unternommen, um aus dem Schema der umweltverschmutzten englischen Großstadt auszubrechen. Dennoch gibt es Schattenseiten. Experten schätzen nämlich, dass in den kommenden 20 Jahren Bristol, ähnlich wie London und andere britische Städte, die Richtlinien nicht erfüllen können.

"Die Qualität der Luft ist in allen britischen Städten schlecht und Bristol gehört dazu", gibt die Kommune offen zu. 29.000 Menschen sterben auf der Insel pro Jahr früher als nötig, weil so viel Stickoxide in der Luft sind.

Nicht perfekt, aber vorbildlich

Warum dann der Titel aus Brüssel? Vom Rest Großbritanniens unterscheidet sich die Hafen- und Universitätsstadt an der Grenze zu Wales vor allem, weil ihre Verantwortlichen um den parteilosen Bürgermeister George Ferguson wenigstens versuchen, etwas dagegen zu tun. "Ich möchte ein dauerhaftes Vermächtnis schaffen", sagte Ferguson anlässlich der Verleihung des Titels.

Friedhöfe als Artenschutzgebiete

Schon 1994 wurde ein System zur Beobachtung der Luftverschmutzung eingeführt. Gegenwärtig wird darüber diskutiert, ob man bei der Abgasnorm eine Euro-V-Zone einrichten sollte. Städtische Friedhöfe werden Artenschutzgebiete, Straßenkreuzungen über das Wochenende für den Verkehr gesperrte Festival-Zonen. Die britische Regierung schießt sieben Millionen Pfund für das Projekt "Grüne Hauptstadt" 2015 zu. Deutlich mehr Geld kommt aus europäischen Förderprogrammen.

Berufspendler auf dem Fahrrad

Bristol macht für sich geltend, die britische Stadt mit den anteilig meisten Berufspendlern auf dem Fahrrad zu sein. Die Zahl von 16.000 zeigt jedoch, wie weit man in dieser Beziehung hinter anderen Städten etwa in Skandinavien, den Niederlanden oder auch Deutschland hinterherhinkt. In Münster etwa werden 40 Prozent der täglich eine Million Fahrten per Fahrrad zurückgelegt.

Förderung von Recycling-Programmen

Die englische Stadt will nun aus dem Titel etwas machen. So sollen die Isolierung der Häuser verbessert und der Anteil der Niedrigenergie-Wohnhäuser deutlich erhöht werden. Gefördert werden außerdem ein Recycling-Programm für Fahrräder, die Einrichtung von Wildtier-Korridoren in der Stadt sowie das Bristol Ensemble, das Musik aus herabfallenden Früchten eines Baumes macht.

Bristol folgt der dänischen Hauptstadt Kopenhagen als "Grüne Hauptstadt Europas". 2010 hatte mit Stockholm eine weitere skandinavische Stadt den Reigen der Titelträger eröffnet, 2011 war mit Hamburg erstmals eine deutsche Stadt an der Reihe. 2012 bekam das spanische Vitoria-Gasteiz den Titel, bevor 2013 das französische Nantes die grüne Krone erhielt. Für 2016 wurde das slowenische Ljubljana als "Grüne Hauptstadt" bestimmt.

Quelle: dpa/ag


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