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Urban Farming: Größte Dachfarm der Welt in Berlin geplant

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Größte Dachfarm der Welt in Berlin geplant

17.11.2011, 10:21 Uhr | dapd

Die Berliner Dachfarm wird um ein Vielfaches größer sein als dieses begrünte Dach in N.Y. (Quelle: imago)

Die Berliner Dachfarm wird um ein Vielfaches größer sein als dieses begrünte Dach in N.Y. (Quelle: imago)

Mitten im Berliner Industriegebiet soll schon bald Bio-Gemüse angebaut und eine ökologische Fischzucht aufgezogen werden. Auf der ehemaligen Berliner Malzfabrik planen drei junge Unternehmer die größte Dachfarm der Welt. Insgesamt 7000 Quadratmeter Dachfläche stehen für den Bio-Anbau bereit, so viel wie ein Fußballfeld. Ab dem Frühjahr 2013 sollen unter einem Glasdach tonnenweise Salat, Kohlrabi, Tomaten und Kräuter gedeihen. In dem Gebäude darunter werden sich in 22 ehemaligen Malzkesseln Schwärme von Talapia-Barschen tummeln.

Immer mehr Gärten erobern die Städte

Nicolas Leschke, stellvertretender Geschäftsführer der Berliner Malzfabrik und seine Kollegen sind Teil einer wachsenden Bewegung: die der Stadtbauern, international Urban Farmers genannt. Weltweit beackern ihre Anhänger städtische Flächen und bauen essbares Grünzeug darauf an. Auch in Berlin hat dieser Trend Einzug gehalten: Im Prinzessinnengarten in Kreuzberg pflanzen Menschen seit 2009 in leeren Milchtüten und Bäckerkisten diverse Lebensmittel an.

Regionale Produkte gewinnen an Bedeutung

"Uns ist wichtig, woher das Gemüse kommt und wie es hergestellt wird. Wir wollen den Menschen ein Gespür für die Herkunft ihres Essens geben", sagt einer der beiden Gründer des Gartens, Marco Clausen. Einer Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge achten 65 Prozent der Bundesbürger beim Einkauf von Lebensmitteln meistens oder immer darauf, dass die Produkte aus regionalem Anbau stammen.

Doch der Wunsch nach heimischen Produkten kollidiert immer öfter mit einem anderen: dem Wunsch, urban leben zu wollen. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen werden 2050 zwei von drei Erdenbürgern in einer Stadt leben, das entspräche zwei Dritteln der Menschheit – heute sind es bereits die Hälfte. "Da wäre es unsinnig, Gemüse weiterhin nur auf dem Land anzubauen und es endlose Strecken zum Verbraucher in die Stadt zu karren", sagt der zweite Unternehmer vom Projekt "Frisch vom Dach", Christian Echternacht.

Fische düngen die Gärten

So suchten die Berliner nach einer Lösung, die Stadt und Ackerbau vereint – die Idee der Dachfarm entstand. "Der Clou ist, dass unser System autark ist. Nur Fischfutter soll zugeführt werden", sagt Leschke. Das gelingt über einen geschlossenen Wasserkreislauf: Die Ausscheidungen der Fische im Wasser dienen den Pflanzen als Dünger. Dazu werden die Nutzpflanzen in ein Substrat gepflanzt, das regelmäßig mit dem nährstoffreichen Wasser aus dem Fischbehälter geflutet wird. Die Pflanzen bereiten das Wasser für die Fische auf, das danach wieder saubere Wasser wird zurück in den Fischtank geleitet. Aquaponic heißt dieses Verfahren, das seit den 70er Jahren genauer erforscht wird.

Ressourcenschonende Fischzucht

"Alle weiteren benötigten Ressourcen können durch erneuerbare Energien und Regenwasserrückgewinnung gewonnen werden", sagt die Nachhaltigkeitsbeauftragte des Projektes, Karoline vom Böckel. So soll das Kilo Fisch mit nur 200 Litern Wasser hergestellt werden – üblich sind 1000 Liter. Ohne Umwege landet die Ernte im hauseigenen Laden der Malzfabrik. "Ein Teil geht auch in den umliegenden Einzelhandel", sagt die 30-Jährige.

Erste Versuche in der "Rostlaube"

Das Aquaponic-System haben die drei Unternehmer schon mal getestet. Seit dem Sommer steht ein kleiner Gewächshaus-Container, liebevoll Rostlaube genannt, zwischen den Ziegelbauten der Malzfabrik. Entwickelt wurde er an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Zürich. "Das Verfahren klappt und wir haben lecker Gemüse für unseren Eigenbedarf geerntet", sagt vom Böckel.

Aus dem kleinen Selbstversuch soll nun ein lukratives, zukunftsweisendes Geschäft werden. In Kooperation mit der Technischen Universität Berlin lassen die Unternehmer derzeit eine Machbarkeitsstudie erstellen. "Die wird uns sagen, wie sich die Farm im Detail wirtschaftlich gestalten lässt", sagt Leschke. Fünf Millionen Euro kostet das Vorhaben, für das die drei Berliner noch Investoren suchen.

Unternehmer lassen sich nicht aufhalten

Aber selbst wenn sie keine finden, wollen die jungen Unternehmer durchstarten: "Von unserem Projekt hält uns niemand mehr ab. 2012 ist das Wissenschaftsjahr der Nachhaltigkeit, da gibt es genug Förderprogramme für Vorreiter wie uns", sagt Leschke. Wenn alles klappt, entsteht in Deutschlands größter Stadt bald ein innovatives Bio-Anbaugebiet – einen Steinwurf von einer sechsspurigen Autobahn entfernt.

Quelle: dapd



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