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Virtuelles Wasser versickert in Rindfleisch, Erdbeeren und Tomaten

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Virtuelles Wasser bietet großes Sparpotenzial

23.03.2012, 10:44 Uhr | dpa

Für die Produktion von Obst, Gemüse und Fleisch wird erschreckend viel Wasser gebraucht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Für die Produktion von Obst, Gemüse und Fleisch wird erschreckend viel Wasser gebraucht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das jeder Deutsche ungefähr 130 Liter Wasser am Tag verbraucht, klingt ganz schön erschreckend, gerade wenn man bedenkt, dass manche Menschen mit nur einer Hand voll Wasser auskommen müssen. Doch das ist erst die halbe Wahrheit: Wird das "virtuelle Wasser" mit berechnet, dass für die Produktion von Lebensmitteln und alltäglichen Gegenständen gebraucht wird, beläuft sich der Verbrauch auf einige tausend Liter pro Person und Tag. Die gute Nachricht ist: Hier lässt sich besonders viel Wasser sparen.

Landwirtschaft verbraucht 70 Prozent des Süßwassers

"Nahrungssicherheit und Wasser" war das Motto des diesjährigen Weltwassertags. Ein Thema befasste sich dabei mit dem sogenannten virtuellen Wasser. Gemeint ist damit die gesamte Wassermenge, die benötigt wird um ein Produkt herzustellen – vom Anbau über den Transport bis hin zur Verpackung. Dadurch ergibt sich ein individueller "Wasser-Fußabdruck" ähnlich dem "CO2-Fußabdruck".

Die bei weitem größte Wassermenge verbraucht der Mensch für die Produktion von Lebensmitteln. Rund 70 Prozent des Wasser gehen nach UN-Angaben in die Landwirtschaft. Experten der Vereinten Nationen mahnen deshalb an, insbesondere bei der Produktion von Nahrungsmitteln Wasser zu sparen. "Jeder von uns trinkt zwei bis vier Liter Wasser täglich", schreibt die Welternährungsorganisation FAO. "Aber es sind 2000 bis 5000 Liter Wasser nötig, um die tägliche Nahrung für einen Menschen zu produzieren."

Weniger Wasser gleich weniger Nahrung

Derzeit leben etwa sieben Milliarden Menschen auf der Erde, bis 2050 könnten es nach FAO-Angaben neun Milliarden sein. Um diese satt zu bekommen, müsse die Menschheit lernen, besser mit dem Wasser umzugehen. Dazu zähle, mehr Nahrung mit weniger Wasser zu produzieren und weniger Lebensmittel wegzuschmeißen. "30 Prozent der weltweit produzierten Lebensmittel werden nie gegessen, und das dafür benötigte Wasser ist definitiv verloren", schreibt die Organisation UN-Water.

In Zukunft mehr als doppelt soviel Nahrung von Nöten

Die FAO rechnet aufgrund des Bevölkerungswachstums und der veränderten Konsumgewohnheiten damit, dass bis 2050 rund 70 Prozent mehr Lebensmittel produziert werden müssen als heute. Dazu trage insbesondere der höhere Fleischkonsum in den Entwicklungs- und Schwellenländern bei, die sich auch auf diesem Gebiet den Industrieländern immer stärker anpassen.

Verschwender-Ranking: Deutschland mit vorn

Deutschland ist einer der größten Importeure sogenannten indirekten Wassers - indem es etwa Erdbeeren aus Spanien oder Tomaten aus den Niederlanden einführt. Forscher der niederländischen Universität von Twente haben diesen Wasserimport kürzlich analysiert: Zu den großen Importeuren zählen demnach die USA (234 Milliarden Kubikmeter), Japan (127), Deutschland (125), China (121) und Italien (101).

Deutsche wollen Siegel für Wasserverbrauch

Die Deutschen möchten mit bewussterem Lebensmittelkonsum und einem Wassersiegel künftig mehr Wasser sparen, wie aus einer Forsa-Umfrage im Rahmen des "Wissenschaftsjahres 2012" des Bundesforschungsministeriums hervorgeht. Danach würden 44 Prozent der Deutschen bewusst zu Produkten mit einem speziellen Siegel greifen, das den Wasserverbrauch angibt. Ein Westeuropäer verbrauche im Schnitt nicht nur die 130 "greifbaren" Liter pro Tag, sondern satte 4000 Liter. Besonders groß sei der Wasserbedarf für ein Kilogramm Rindfleisch mit etwa 15 000 Litern, die etwa für Futter und die Schlachtung der Tiere sowie die Reinigung in der Lebensmittelindustrie gebraucht würden.

Dünger und Spritzmittel müssen reduziert werden

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mahnt mit Blick auf die heimische Landwirtschaft, sorgsamer mit Dünger und Spritzmitteln umzugehen. "Zu den Kollateralschäden der Massentierhaltung gehören auch die Überdüngung der Felder und die damit verbundene Verschmutzung des Grundwassers", sagte BUND-Wasserexperte Winfried Lücking. "Allein die Geflügel- und Schweinehaltung wird mit über einer Milliarde Euro jährlich subventioniert. Das scheinbar billige Fleisch in den Supermärkten ist in Wirklichkeit teuer erkauft, unter anderem mit der Verschmutzung unseres Wassers."

Sterberate durch mangelndes Wasser und schlechte Hygiene noch zu groß

Weltweit sterben nach Angaben der Kindernothilfe derzeit täglich 4000 Kinder an verunreinigtem Trinkwasser und mangelnder Hygiene. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) geht sogar von der doppelten Zahl aus. "Somit sind diese Krankheiten die häufigste Todesursache weltweit, vor allem bei Kindern unter fünf Jahren", schreibt das DRK. Dessen Präsident Rudolf Seiters bezeichnete Wasser als wichtigstes Hilfsgut. "Ohne Wasser, beziehungsweise den Zugang zu Wasser, sind alle anderen Hilfen umsonst."

Quelle: dpa


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