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Warum Billig-Lebensmittel teurer sind als viele denken

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Darum sind Billig-Lebensmittel teurer, als viele denken

28.08.2015, 10:09 Uhr | Annette Coumont, evidero Redaktion

Hinter vielen vermeintlich günstigen Lebensmitteln aus dem Supermarkt verstecken sich zusätzliche Kosten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Hinter vielen vermeintlich günstigen Lebensmitteln aus dem Supermarkt verstecken sich zusätzliche Kosten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Kosten für Billig-Produkte sind eigentlich viel höher als der Preis, den wir heute im Supermarkt dafür bezahlen. Erst kürzlich äußerte der Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) Zweifel, dass Bioprodukte immer teurer als konventionell hergestellte Lebensmittel sind. Das steckt hinter der Behauptung.

Grund für die Annahme ist, dass die konventionelle Landwirtschaft der Umwelt schadet, die Schäden aber nicht bezahlen muss. Zu viel Gülle werde ausgebracht und zu viel Nitrat komme in die Böden, so Martin Weyand vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft gegenüber "Deutschlandfunk". Der Anstieg der Nitratbelastung habe seine Ursache vor allem in der massiven Anbauung von Energiepflanzen. Das sind Pflanzen, die nicht zwecks Nahrungsmittelerzeugung oder als Futter- und Industriepflanzen genutzt werden, sondern hauptsächlich der Energiegewinnung dienen.

Nitratbelastung verursacht Riesenschäden

Laut einer niederländischen Studie, die Kosten und Nutzen der konventionellen Landwirtschaft untersucht hat, liegt die Nitratbelastung des Wassers bereits so hoch, dass die Ökosysteme und auch die menschliche Gesundheit dadurch bedroht werden. Hieraus ergeben sich Milliardenschäden für die Gesellschaft, während die Landwirtschaft gleichzeitig von der Nitratausbringung profitiert: Gewinne werden in diesem Fall privatisiert und Kosten sozialisiert.

Verursacherprinzip muss auch in der Landwirtschaft gelten

Die Rechnung ist einfach: Würden die Kosten für die Schäden auf die konventionellen Lebensmittel umgelegt, dann wären sie doppelt so teuer wie bisher - und so auch teurer als Bioprodukte. Während also Bioprodukte immer noch durch real höhere Preise abschrecken, kaufen die meisten vermeintlich billiger ein und schaden damit ihrer Gesundheit und der Umwelt.

Das Verursacherprinzip sollte demnach auch in der Landwirtschaft gelten - nach dem Motto: Wer Dreck macht, muss mindestens dafür zahlen, dass die Folgen beseitigt werden. Aber genau das lehnt das Bundeslandwirtschaftsministerium bisher ab: Dieser Grundsatz, der beim Umweltschutz gilt, lasse sich nicht einfach auf die Landwirtschaft übertragen, so Maria Flachsbarth, die Parlamentarische Staatssekretärin des Ministeriums, im Gespräch mit dem "Deutschlandfunk". "Denn viele Umweltbeeinträchtigungen wie die Grundwasserbelastung mit Nitraten oder der Rückgang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft lassen sich oft nicht einem konkreten Unternehmen zuordnen."

Die Macht des Verbrauchers: "Bio" stärken

So lange sich das Landwirtschaftsministerium nicht eindeutig zum Verursacherprinzip bekennt, bleibt den Verbrauchern nur die auf Dauer günstigere Alternative: Biolebensmittel. Indem Menschen die ökologische Landwirtschaft unterstützen, schwächen sie gleichermaßen die Nachfrage nach konventionellen Lebensmitteln und damit deren massiven düngungsintensiven Anbau.

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Quelle: Annette Coumont, evidero Redaktion


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