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Waschbär und Co. bedrohen die heimische Vielfalt

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Fremde Arten bedrohen heimische Vielfalt

28.09.2011, 15:48 Uhr | Linda Tidwell

Wir mögen ihn alle, doch richtet der Waschbär jährlich hohe wirtschaftliche Schäden an. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wir mögen ihn alle, doch richtet der Waschbär jährlich hohe wirtschaftliche Schäden an. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Durch die Einwanderung gebietsfremder Arten werden viele heimische Tiere und Pflanzen verdrängt. Die "Fremden" kommen auf dem Landweg, mit dem Flugzeug oder reisen per Schiff, zumeist unbemerkt im Verpackungsholz oder im Erntegut: Tiere, Insekten und Pflanzen aus anderen Weltgegenden. Und neben den versehentlich Verschleppten wurden fremde Organismen auch absichtlich in hiesige Regionen gebracht - häufig, um sie für Jagdzwecke oder für die Landwirtschaft zu nutzen. Einige der eingeführten Arten setzen sich in der neuen Umgebung fest und breiten sich anschließend mangels natürlicher Feinde ungehindert aus.

Geraubter Lebensraum

Nicht selten wird dadurch der Lebensraum heimischer Arten stark eingeschränkt, manche sterben deshalb sogar aus. Viele Experten sehen in der Einwanderung fremder Arten - neben der Zerstörung der natürlichen Lebensräume - inzwischen eine der gravierendsten Ursachen für den Rückgang der biologischen Artenvielfalt, der sogenannten Biodiversität.

Kehrseite globaler Mobilität

Das Problem ist nicht neu: Spätestens mit der Entdeckung Amerikas und anderer Überseeregionen brachten der weltweite Handel und Warenverkehr tierische und pflanzliche Einwanderer in neue Lebensräume. Mittlerweile verbreiten die verschiedensten Transportmittel unzählige Organismen rund um den Globus. Beispielsweise wird die Mahonie aus Amerika (Mahonia aquifolium) in Europa seit Jahrzehnten als Zierpflanze gepflanzt. Wegen seiner Farbenpracht ist der immergrüne Strauch bei Gärtnern und Hobbygärtnern sehr beliebt. Schon längst beschränkt sich die Pflanze aber nicht mehr nur auf die Vorgärten. Vögel verbreiten die Samen der Pflanzen und haben dafür gesorgt, dass der Zierstrauch zum Beispiel in einigen Teilen Ostdeutschlands die Bodenregion vieler Wälder dominiert. Dort verdrängt er die heimischen Beerensträucher. Ein anderes Beispiel: das Indische Springkraut. Die vom indischen Subkontinent stammende Pflanze ist heute an vielen Flussufern Europas zu finden und verdrängt zum Beispiel die Brennnessel.

Kostenintensive Bekämpfung

Neben den ökologischen Problemen können invasive Arten auch enorme wirtschaftliche Schäden verursachen. Der Waschbär etwa besitzt keine natürlichen Feinde und kann sich so ungehindert ausbreiten. Waschbärenpopulationen können durch Fraßschäden etwa an Obstbäumen über Nacht Ernteausfälle und damit wirtschaftliche Schäden anrichten. Auch in Städten fühlen sich Waschbären heimisch. Häufig gelangen die Tiere über Bäume auf die Dachböden der Häuser, zerstören so die Dachisolierung oder verursachen allein durch Kot und Urin Schäden an, die in Höhe von mehreren tausend Euro pro Haus liegen. Gebietsfremde Unkräuter in Gewässern, wie etwa die Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes), sind ein weltweites Problem; allein die afrikanischen Länder geben jährlich schätzungsweise 60 Millionen US-Dollar zu ihrer Bekämpfung aus. In Deutschland schätzt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) den Schaden durch invasive Arten auf mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr. Bereits im Jahr 1992 hat sich Deutschland im Biodiversitäts-Übereinkommen verpflichtet, etwas gegen die Gefahren, die von gebietsfremden Arten ausgehen, zu unternehmen. Umweltschutzorganisationen fordern ein besseres Vorgehen: Es soll nicht nur um eine schärfere Kontrolle gehen, sondern es sollen Gesetze und Leitlinien geschaffen werden, die auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene gelten.

Datenbank zu gebietsfremden Arten

Gebietsfremde Pflanzenarten werden als Neophyten, gebietsfremde Tierarten als Neozoen bezeichnet. Nicht nur der steigende Reise- oder Warenverkehr ist für das Auftauchen invasiver Arten verantwortlich, sondern auch der Klimawandel: Viele Tierarten wandern von Südeuropa nach Norden ab. In Deutschland sind etwa 1.150 nicht heimische Tier- und 12.000 Pflanzenarten registriert, von denen sich über 600 Neophyten und über 260 Neozoen fest etabliert haben. Um letztendlich als Invasor zu gelten, muss eine Art wirtschaftlichen Schaden anrichten oder die lokale Artenvielfalt bedrohen. Um einen Überblick über die Einwanderer zu bekommen, wurde die Daisie (Delivering Alien Invasive Species Investories for Europe), Europas erste Datenbank zu nicht heimischen Arten, erstellt. Rund 12.000 Arten sind in der Datenbank aufgenommen.

Quelle: Raufeld

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Kommentare (13)

zum Forum

Thema: "Waschbär und Co. bedrohen die heimische Vielfalt"

Dipl. Ing. F. schrieb: am 12. Januar 2012 um 13:06:52
Panta rei
Das hauptsächliche Problem ist, daß die Diskussion um die "Einwanderer" nicht emotionsfrei und sachlich geführt wird,
sondern vor dem HIntergrund des sehr deutschen Naturromantizismus, dem sich nicht einmal die Fachleute entziehen können. Sind halt auch nur Menschen. Ökosysteme formen sich permanet um, Zuwanderung und auch Verlust von Arten gehört dazu. Ob nun der Mensch oder die WInddrift dazubeitragen, Ökosysteme zu verändern, ist letztendlich egal. Beides gehört zum Gesamtsystem Welt.
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kabel schrieb: am 23. November 2011 um 15:37:36
"Waschbär und Co. bedrohen die heimische Vielfalt"
Ohne fremde Pflanzen gäbe es keine Kartoffeln,Tomaten, Paprika, Mais, Taback und viele andere Gewächse.

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maus schrieb: am 14. November 2011 um 13:00:10
@h.Franz
Ihre Behauptung, dass wir freie Waschbären Tierbefreiern zu verdanken haben, ist unrichtig. Das Tier ist seit den 50er Jahren in
Mitteleuropa verbreitet. Wahrscheinlich waren es geflohene Pelztiere und möglicherweise auch ausgesetzte. "Befreier" gab es damals überhaupt nicht. Was soll also diese sinnlose Polemik? Außerdem meinen Experten, dass es billiger ist, sie in Ruhe zu lassen als sie zu bejagen - die Kosten der Jagd sind höher als die der Schäden. Leben und leben lassen.
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