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Wasserqualität leidet unter Toilettenabfall

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Die Toilette ist kein Mülleimer - drei absolute Tabus

22.07.2016, 10:32 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Medikamente gehören nicht in die Toilette. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Medikamente gehören nicht in die Toilette. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Speiseöl, Medikamente, Essensreste: Was sich in den Abwasserrohren tummelt, kann zum echten Problem werden. Nicht nur Ratten freuen sich über das reichhaltige Angebot. Viele der Substanzen machen der Wasserqualität erheblich zu schaffen. Drei absolute No-Gos für die Toilette.

"Immer teurere technische Verfahren sind nötig, um Abwasser in den Kläranlagen so zu reinigen, dass es in die Flüsse entlassen werden kann", erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Je verschmutzter Flüsse und Grundwasser sind, desto tiefer müssen die Verbraucher dafür in die Tasche greifen und desto höher ist das Risiko, dass ein Schadstoff doch einmal unerkannt in unser Trinkwasser gelangt."

Medikamente im Klo: Eine Gefahr für Trinkwasser und Umwelt

Die Verbraucherschützer warnen: Viele Chemikalien und Medikamente trotzten den High-Tech-Reinigungsverfahren und seien nur schwer wieder herauszufiltern. "Rückstände von Arzneimitteln werden inzwischen nahezu flächendeckend und ganzjährig in Fließgewässern, aber auch in Boden- und Grundwasserproben gefunden", teilt auch das Umweltbundesamt (UBA) mit.

150 Arzneimittelwirkstoffe schwimmen in Gewässern

Bislang seien etwa 150 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe in der Umwelt, vor allem in Gewässern, nachgewiesen worden. Auch im Trinkwasser gebe es vereinzelt Spuren von Arzneimitteln. "Sie stellen zwar kein Risiko für die menschliche Gesundheit dar, dennoch sollte aber allein aus Sicht eines vorsorgenden Umwelt- und Gesundheitsschutzes der Eintrag von Arzneimitteln in die Umwelt so gering wie möglich sein", so die Einschätzung der Umweltexperten.

Schmerzmittel gehören nicht in die Toilette

Als problematisch gelten unter anderem synthetische Hormone wie sie zum Beispiel in der Anti-Baby-Pille vorkommen. Diese beeinträchtigen bereits in sehr geringen Mengen die Fortpflanzung von Fischen. Doch auch andere Medikamente haben negative Auswirkungen. So schädigt das Schmerzmittel Diclofenac bei Fischen innere Organe wie Leber und Niere. Antibiotika hingegen töten nicht nur Bakterien, sondern hemmen oft auch das Wachstum von Pflanzen.

Medikamente richtig entsorgen

Noch schlimmer: In der Umwelt wurden bereits mehrfach multiresistente Mikroorganismen nachgewiesen, zum Beispiel in Fließgewässern unterhalb von Kläranlagen-Abläufen. Wer alte Medikamente hat, gibt sie besser in der Apotheke ab oder entsorgt sie im Restmüll, so der Rat der Verbraucherzentrale.

Speiseöl verstopft die Kanalisation

Neben Medikamenten stellen auch Öle und Fette eine Gefahr für die Umwelt dar. Werden diese statt in der Restmülltonne in der Kanalisation entsorgt, führt das neben einer starken Geruchsbelästigung auch zu Ablagerungen, Verstopfungen und Korrosionen im Abwassersystem. Durch die zerstörten Kanalrohre komme es zudem zu einem unkontrollierten Austreten von Abwasser in den Boden beziehungsweise in das Grundwasser, warnt das UBA.

Speiseöl im Restmüll entsorgen

Speiseöl und Frittierfett gehören in den Restmüll. Haushaltsübliche Mengen an Speiseölresten können laut UBA in PET-Flaschen gesammelt und in der Restmülltonne entsorgt werden. Sicherheitshalber kann die Kunststoffflasche zusätzlich in Papier eingewickelt werden, damit kleine Ölmengen aufgesaugt werden und die Mülltonne sauber bleibt. Feste Stoffe wie Katzenstreu, Zigarettenkippen, Watte und Tampons gehören ebenfalls in die Restmülltonne.

Essensreste in die Biotonne werfen

Auch Essensreste landen immer wieder in der Toilette. Das erhöht nicht nur den Aufwand für die Abwasserreinigung. Auch die Abwasserrohre werden in Mitleidenschaft gezogen: "Feststoffe verstopfen und verschmutzen die Kanalisation. Zudem ziehen Speisereste Ratten an", gibt die Verbraucherzentrale zu bedenken.

In den Kläranlagen selbst können die Fremdstoffe außerdem zu Schäden an der Technik führen. Etwa wenn Pumpenräder blockieren oder Schaufeln abbrechen. Was viele nicht wissen: Die Kosten, die dabei entstehen, werden letzten Endes auf die Abwassergebühren aufgeschlagen. Essensreste gehören in die Biotonne und nicht ins Klo.

In die Toilette gehören nur zwei Dinge

Der Appell der Experten ist deutlich: Die Toilette ist kein Abfalleimer. Essensreste, Öle und Medikamente gehören in die dafür vorgesehenen Mülltonnen. Halten wir uns daran, tragen wir einen bedeutenden Teil für sauberes Trinkwasser und eine gesunde Umwelt bei. In die Toilette gehören nur Klopapier und Ausscheidungen.

Quelle: Ann-Kathrin Landzettel


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