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Welche Ernährung am meisten Menschen satt macht

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Mit Fleisch oder ohne? Welche Ernährung am meisten Menschen satt macht

05.10.2016, 10:22 Uhr | feelgreen.de

Geflügelfleisch in einer Schlachterei in Mexiko. (Quelle: imago/Xinhua)

Geflügelfleisch in einer Schlachterei in Mexiko. (Quelle: Xinhua/imago)

Immer mehr Menschen leben auf unserem Planeten. Um die 7,5 Milliarden sind es aktuell. Und laut der Stiftung Weltbevölkerung kommen jede Sekunde im Schnitt 2,6 Erdenbürger neu dazu. Gäbe es eine Möglichkeit, alle satt zu bekommen? Und welche Ernährungsweise wäre am besten geeignet?

Die stetig wachsende Weltbevölkerung ist für die Landwirtschaft eine riesige Herausforderung. Die Flächen werden auf Dauer nicht ausreichen, um die Menschen ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Wir müssen unsere Essgewohnheiten anpassen, raten Experten schon lange.

Rein pflanzliche Ernährung nicht zu empfehlen

Sechs US-Forscher, darunter Studien-Hauptautor Christian J. Peters von der Friedman School of Nutrition Science, sind der Frage nachgegangen, welche Ernährungsweise für ihr Land die geeignete wäre. Für ihre Untersuchung erstellten die Wissenschaftler ein biophysikalisches Simulationsmodell für den Pro-Kopf-Flächenbedarf in den USA. Zehn verschiedene Ernährungsmodelle traten gegeneinander an, darunter Fleischesser, Vegetarier und Veganer, die vollständig auf Tierprodukte verzichten.

Das Ergebnis der Forscher: Es ist die vegetarische Lebensweise, die am nachhaltigsten ist und die meisten Menschen satt machen könnte. Eine Ernährung mit etwas Fleisch kann den Wissenschaftlern zufolge sogar mehr Menschen ernähren als eine rein pflanzliche Ernährungsweise. Der Grund: Die komplett tierfreie Ernährung lasse viele Flächen ungenutzt. Auf Weideland etwa ließe sich oftmals nichts anbauen, weil der Boden es nicht hergebe. Diese Flächen durch Tiere nutzbar zu machen, sei durchaus sinnvoll. Ein Freifahrtschein für den Fleischkonsum ist das aber nicht.

Die Deutschen essen zu viel Fleisch

"In Deutschland konsumiert jeder Bürger im Schnitt pro Jahr etwa 60 Kilogramm Fleisch. Diese Mengen sind ein echtes Problem", sagt Katrin Wenz, wissenschaftliche Mitarbeiterin Agrarpolitik vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Nicht nur, weil die meisten Tiere nicht artgerechten gehalten werden. Auch die riesigen Mengen an Antibiotika, die in der Intensivtierhaltung eingesetzt werden sowie die zugekauften Eiweiß-Futtermittel sind extrem kritisch einzustufen. Als Folge der Futtermittelimporte entstehen riesige Mengen Gülle. Wir haben keine Flächen, um diese Gülle zu entsorgen - auch wenn Gülle normalerweise ein wertvoller Dünger ist."

Die Ernährungsweise, die die meisten Menschen versorgt und auch die Umwelt schonen könnte, ist laut Wenz die, die Wert auf regionale und saisonale Produkte und Bio-Qualität legt. "Nur wenn wir unsere Ressourcen schonen und die Umwelt erhalten, können wir langfristig satt werden", sagt sie. "Dafür ist die vegetarische Ernährung gut geeignet. Auch der Genuss von Milch, Eiern und Fleisch ist sinnvoll - allerdings in Maßen und von guter Qualität aus umweltfreundlicher und tiergerechter Produktion. Und das hat eben auch seinen Preis."

Tiere auf der Weide: eine echte Chance

Wichtig sei vor allem, von der Massentierhaltung wegzukommen. Würde es nur so viele Tiere geben, wie die Weideflächen es zulassen, ließe sich nicht nur das Gülle-Problem lösen. "Stelle ich in nachhaltiger Landwirtschaft die Tiere auf die Weide, sprich aufs Grünland, dann fressen sie keine mit Kunstdünger gemästeten Futterpflanzen", sagt Wenz auf der Internetseite des BUND und ergänzt: "Kühe und andere Graser pflegen außerdem unsere Landschaft und halten jenes Weideland intakt, das rund 40 Prozent der weltweiten Landfläche ausmacht."

Hinzu kommt: Dauerbegrüntes Land speichert laut der Expertin große Mengen Kohlenstoff. Nicht nur in den oberflächlichen Graspflanzen, sondern vor allem im Boden. "Nachhaltige Beweidung fördert die Humusbildung. Und jede Tonne zusätzlicher Humus im Boden entlastet die Atmosphäre um mehr als 1,8 Tonnen CO2", erklärt Wenz.

Stehen die Tiere auf der Weide, bekommt der Boden zudem ausreichend Nährstoffe, damit Pflanzen gut wachsen können. "Das wäre ein nachhaltiger Kreislauf", so Wenz.

Das Problem der Massentierhaltung

Doch bisher ist die Tierhaltung von diesem Modell weit entfernt. Futtermittel, vor allem Soja, werden aus anderen Ländern zugekauft - insbesondere aus Südamerika. Der Anbau nimmt enorme Flächen in Anspruch, die für die Menschen dort nicht genutzt werden können. Die großen Mengen an zugeführtem Tierfutter sorgen hierzulande zudem für massig Gülle, deren Nährstoffgehalte der Boden nicht mehr aufnehmen kann. Außerdem ist das Grundwasser stark mit Nitrat belastet. Auch für Seen und Flüsse ist das eine Gefahr, unter anderem weil die hohen Werte das übermäßige Wachstum von bestimmten Algen fördern.

Das ganze Tier essen

Noch etwas liegt Wenz in Bezug auf den Fleischkonsum am Herzen: "Wir müssen unsere Essgewohnheiten zudem dahin ändern, dass wir das Tier als Ganzes verwerten. Essen wir immer nur Hühnerbrust und Schenkel und verschmähen den Rest des Tieres, führt das nicht nur zu einer unnötigen Überproduktion hier bei uns. Die 'Reste', die wir ins Ausland exportieren, etwa nach Westafrika, und zu Billigpreisen verkaufen, nehmen vielen Bauern dort die Existenzgrundlage. Sie können so günstig einfach nicht produzieren. Die Massentierhaltung bei uns hat letzten Endes also auch enorme Auswirkungen auf die Ernährungssituation in anderen Ländern, das dürfen wir nicht vergessen."

Beim Einkauf auf Qualität achten

Die Expertin stimmt den amerikanischen Forschern zu: Der Umstieg auf eine vorwiegend pflanzliche Ernährung mit mäßigem Verzehr tierischer Produkte kann langfristig dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen satt werden. "Wer Obst und Gemüse öfter beim Wochenmarkt holt, um frische, saisonale Produkte zu bekommen; in Bioläden einkauft und auch im Supermarkt zu Bioqualität greift; und in Maßen Weidefleisch aus der Region ohne Fütterung von Soja genießt - der ist auf einem guten, nachhaltigen Weg", sagt Wenz.

Quelle: feelgreen.de


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