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Wüste: Forscher finden effektive Methode gegen Versandung des Bodens

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Die Wüste lebt

27.09.2012, 11:01 Uhr | ips, feelgreen.de

Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, wie die Wüste wieder fruchtbar gemacht werden kann. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, wie die Wüste wieder fruchtbar gemacht werden kann. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In vielen Gegenden dieser Erde ist die Wüstenbildung eine Bedrohung für Bauern, ihre Nutztiere und die Wasserversorgung der dort lebenden Menschen. Jährlich verliert die Erde immer mehr fruchtbaren Boden, der durch Stürme und starke Regenfälle oder Überschwemmungen einfach verschwindet. Wissenschaftler suchen deshalb schon lange nach Lösungen, um die Wüstenbildung einzudämmen – und haben eine erstaunlich effektive und zugleich einfache Möglichkeit gefunden. In Simbabwe wurden mit der neuen Methode schon große Erfolge erzielt.

Tiere sind die Revolutionäre

In Simbabwe findet eine echte Revolution statt – und die wichtigste Rolle dabei spielen Tiere. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass sie durch ihr Grasen in bestimmten Gebieten und Intervallen die Wüstenbildung rückgängig machen können. Mit ihren Hufen brechen die Tiere harte Böden auf und geben dem Land durch ihren Dung Substanz. Regen kann so besser aufgenommen und Kohlenstoff gespeichert werden. Die vorübergehende Verdichtung der Böden trägt auch dazu bei, dass Pflanzen dort leichter keimen können.

Dürren und Überschwemmungen gleichzeitig begrenzen

Nutztiere sind die besten Mittel, mit denen man der Wüstenbildung auf breiter Front begegnen kann", sagt Allan Savory vom Savory Institute. Das in den USA ansässige Institut und seine Partnerorganisation Africa Centre for Holistic Management (ACHM) konnten in Simbabwe in Gebieten, die sich allmählich in Wüsten verwandelten, erstaunliche Erfolge in der Regeneration von Böden, Wasser und Fauna erzielen. "Indem Nutzvieh den Platz der riesigen Herden einnimmt, die einst unseren Planeten durchstreiften, bevor der Mensch das Feuer erfand, werden die Böden saniert. Sie können große Mengen an Wasser und Kohlenstoff speichern. Damit werden sowohl Dürren als auch Überschwemmungen begrenzt", erklärt Savory.

Besondere Bedingungen

Früher habe er aus Umweltgründen noch dafür plädiert, dass die Bauern ihre Viehbestände reduzieren sollten, erzählt der studierte Biologe. Erst nach Jahrzehnten habe er jedoch eingesehen, dass nur der richtige Umgang mit Nutztieren Wüstenbildung, Artensterben und Klimawandel entgegenwirken könne. Für die Wüstenbildung macht Savory im Gegensatz zu vielen Kollegen nun nicht mehr per se die Beweidung durch Rinder, Schafe und Ziegen verantwortlich. Die richtige Planung sei entscheidend, betont er. Die Tiere dürften nicht länger als drei Tage an einer Stelle grasen und sollten für mindestens neun Monate nicht wieder in dieses Gebiet geführt werden. Seinen Ansatz bezeichnet Savory als "ganzheitliches Management".

Bereits große Erfolge verzeichnet

Savory verzeichnet bereits Erfolge: In der Region Dimbangombe litt das Land darunter, dass die Viehzahlen um 400 Prozent gestiegen waren. Durch die planvolle Beweidung wachse das Gras inzwischen wieder hüfthoch, erzählt Savory. Flüsse, die vorher ausgetrocknet waren, seien wieder zum Leben erweckt, auch insgesamt habe sich die Verfügbarkeit von Wasser deutlich verbessert. Die Kosten für die planvolle Beweidung seien gering, im Gegensatz zu jenen für bisher erfolglose Konzepte gegen die Wüstenbildung. Die gezielte Beweidung macht Savory zufolge auch das übliche Abbrennen von Steppengebieten überflüssig. Das Feuer war bisher dazu eingesetzt worden, altes Gras zu beseitigen. Die absichtlich gelegten Brände tragen in Afrika erheblich zum Klimawandel bei.

"Bäumepflanzen ist eine Modeerscheinung"

Erstmals, so Savory, biete eine Methode die Möglichkeit, sowohl die Ursachen der Wüstenbildung als auch soziale, ökologische und wirtschaftliche Probleme zu mildern. Das Pflanzen neuer Bäume gegen den Klimawandel sei eine verbreitete Modeerscheinung, kritisierte Savory. Bäume könnten keinen überschüssigen Kohlenstoff speichern, der durch die Zerstörung der Böden, durch Brände und fossile Brennstoffe freigesetzt werde. Die riesigen Flächen Grasland seien dazu sehr wohl in der Lage, weil sie regelmäßig abgegrast würden. Die abgestorbenen Wurzeln der Pflanzen wandelten sich im Erdreich in organische Stoffe um.

Pilotprojekt auf dem Weg zu neuer Agrapolitik

Savory sieht Simbabwe als erfolgreiches Pilotprojekt seiner Aktivitäten. Mit Unterstützung der Regierung soll in Simbabwe eine neue Agrarpolitik entworfen werden, die das Ziel hat, Millionen Menschen auf renaturiertem Land anzusiedeln und die Landwirtschaft wiederzubeleben. "Landwirtschaft trägt ebenso wie Kohle, Erdöl und Gas zum Klimawandel bei. Ohne den ganzheitlichen Ansatz können wir den größten Teil des Klimaproblems nicht lösen", sagt Savory. 

Arbeit stößt auf großes Interesse

Die Arbeit des 'Savory Institute' und seines Partners ACHM ist inzwischen auch in anderen Ländern Afrikas auf Interesse gestoßen. In Namibia, Botswana und Kenia wird Nutzvieh ebenfalls erfolgreich gegen Wüstenbildung eingesetzt. Schon seit langem wird diese Methode weltweit erfolgreich eingesetzt, um die biologische Vielfalt und die Erhaltung einer gesunden Flora und Fauna zu unterstützen. Durch das Forschungsprojekt von Savory wird diese Maßnahme nun auch im trockenen Wüstenland angewandt.

Vom Büro für auswärtige Katastrophenhilfe (OFDA), das der Entwicklungsbehörde US-AID angegliedert ist, haben die beiden Institutionen 4,8 Millionen US-Dollar erhalten, um weitere Programme im südlichen Afrika durchzuführen. "Ohne Maßnahmen gegen Wüstenbildung kann nichts gegen den Klimawandel unternommen werden", sagt Savory.

Quelle: ips, feelgreen.de


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