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ZDF-Doku über Tierfabriken: Der Tierschutz endet am Tellerrand

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ZDF-Doku über Tierfabriken: Der Tierschutz endet am Tellerrand

25.08.2015, 17:50 Uhr | dpa, t-online.de

Noch schauen diese Ferkel munter und neugierig in die Welt - doch schon bald landen sie auf unseren Tellern. (Quelle: ZDF/Lindig)

Noch schauen diese Ferkel munter und neugierig in die Welt - doch schon bald landen sie auf unseren Tellern. (Quelle: ZDF/Lindig)

Der Durchschnitts-Verbraucher in Deutschland ist kostenbewusst. Zugleich verabscheut er natürlich jede Form von Massentierhaltung. Aber zu viel Geld dürfen Lebensmittel eben auch nicht kosten. Das zeigt der Erfolg der Discounter. Und dann wäre da noch das deutsche Tierschutzgesetz. Es soll verhindern, dass Tiere ohne vernünftigen Grund leiden müssen. Dass das alles nicht so richtig zusammengehen kann, zeigte die ZDF-Dokumentation "Tierfabrik Deutschland".

Der Durchschnitts-Deutsche vertilgt in einem Jahr 59 Kilo Fleisch, 218 Eier und rund 84 Liter Milch. Nahezu jeder (sofern er nicht völlig vegan lebt) verspeist in seinem Leben vier Rinder, 46 Schweine und 945 Hühner.

Deutsche sparen beim Essen

Die Deutschen geben im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn ziemlich wenig für Lebensmittel aus: Es sind gerade einmal zehn Prozent des Pro-Kopf-Einkommens. Dafür rufen sie umso lauter nach mehr Tierschutz und artgerechter Tierhaltung - ganz nach dem Motto: Schweine im Stroh, freilaufende Hühner mit Hahn auf dem Mist oder Kühe auf der Weide mit niedlichen herumtollenden Kälbchen.

80 Prozent der deutschen Verbraucher wollen angeblich mehr bezahlen für tierschutzgerechte Lebensmittel, doch zwischen Verbraucherwunsch und landwirtschaftlicher Produktionsrealität liegen Welten.

Beispiel Ei: Seit der Industrialisierung der Eierproduktion werden Hühner entweder als Legehennen oder als Masthühner gezüchtet. Eine Folge davon: Die süßen männlichen Küken (nur sie sind gelb) der Legelinien werden direkt nach dem Schlüpfen millionenfach vergast - was sehr drastisch gezeigt wird. Seit Jahren ist das Problem ungelöst, obwohl es mittlerweile möglich ist, das Geschlecht im Ei zu erkennen, also vor dem Schlüpfen. Die Einführung dieser Technik ist allerdings teuer.

Beispiel Schwein: Die Tiere gebären mehr Ferkel als die Sauen Zitzen haben, sie sind weitaus größer, breiter und schwerer als noch vor 20 Jahren. Also werden überzählige oder zu kleine und schwache Ferkel einfach an der Stallwand totgeschlagen - was ebenfalls zu sehen ist. Die immer größeren Sauen müssen ihr halbes Leben in viel zu engen Kastenständen leben, eingepfercht hinter Gittern, die sie oft annagen. Auch das Abschneiden der Schwänze wird von vielen Behörden geduldet.

Schließlich das Beispiel Milch: Jahrzehntelange Hochleistungszucht hat nicht nur die jährliche Milchleistung auf mehr als 10.000 Liter pro Kuh gesteigert, sie hat die Tiere auch anfälliger gemacht für Krankheiten. Daher landen sie immer schneller beim Schlachthof.

Für Kinder nicht geeignet

Die Autoren Jörg Göbel und Christian Rohde nehmen kein Blatt vor den Mund, und sie zeigen drastische Bilder. Deshalb sollten Kinder besser nicht zuschauen.

Die Filmer reisen quer durch die Republik und reden mit Milchbauern, Tierschutzbeauftragten und Tierärzten über die Schlachtung trächtiger Rinder. Sie besuchen Schweinemäster und Hühnerzüchter - wobei einige zu Wort kommen, die zurückwollen zu einer Zucht wie sie früher üblich war, ohne dass die Hälfte der Tiere einfach in der Abfalltonne landet.

Sie zeigen, wie die Agrarlobby es bis heute schafft, Tierschutzgesetze aufzuweichen und zu umgehen. Und sie befragen den niedersächsischen Umweltminister (Grüne) und den Bundeslandwirtschaftsminister (CSU), warum Hochleistungszucht mit Todesfolge nicht längst verboten ist. Aber außer Lippenbekenntnissen wie "Das kann so nicht bleiben" kommt da nicht viel.

Veränderungen nicht in Sicht

Fazit: Eine Nutztierwende ist nicht in Sicht. Die Verbraucher wollen ihr Fleisch auf dem Teller haben. Und die Minister möchten ihre Wähler natürlich nicht vergraulen und gleichzeitig der Industrie nicht wehtun. Es bleibt also dabei: Wirtschaftlichkeit geht weiter contra Tierschutz. Schließlich ist die Landwirtschaft der fünftgrößte Industriezweig in Deutschland. Kühe stehen also weiterhin im Stall und nicht auf der Wiese, und das Töten von Eintags-Küken, Kälbern und Ferkeln geht weiter, weil offenbar weder die Bauern noch die Politiker wirklich an einer tiefgreifenden Veränderung interessiert sind. Ein Teufelskreis.

Quelle: dpa, t-online.de


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