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Bericht manipuliert: Australien will Klimaschäden vertuschen

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UN-Bericht manipuliert: Australien will Klimaschäden vertuschen

28.05.2016, 13:24 Uhr | feelgreen.de, dpa

Das Great Barrier Reef ist das größte Korallenriff der Erde und seit 1981 Weltnaturerbe. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Great Barrier Reef ist das größte Korallenriff der Erde und seit 1981 Weltnaturerbe. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Klimawandel bereitet Australien zunehmend Sorgen. Besonders das berühmte Great Barrier Reef vor der Nordostküste des Landes leidet - weite Teile des Weltnaturerbes sind inzwischen verbleicht. Doch geht es nach der australischen Regierung, sollte davon möglichst niemand Wind bekommen.

Nach einer Intervention Australiens sind Passagen zum Great Barrier Reef aus dem Bericht "Weltnaturerbe und Tourismus bei wandelndem Klima" gestrichen worden. "Als Wissenschaftler bin ich verärgert, als Australier angewidert", schrieb Will Steffen, Chef des australischen unabhängigen Klimarats.

Er hatte die entsprechenden Textstellen in dem unter anderem von der UN-Kulturorganisation Unesco veröffentlichten Bericht auf Richtigkeit gegengelesen. "Ich war einer der Wissenschaftler, die sie zum Schweigen zu bringen versuchen."

Australische Regierung sorgt sich um Tourismus

Das Umweltministerium in Canberra bestätigte in einer Email an die Deutsche Presse-Agentur: "Das Ministerium hat deutlich gemacht, dass es die Erwähnung der australischen Weltnaturerbestätten in einem solchen Bericht nicht schätzt." Die Regierung habe die Vorbehalte durch den australischen Botschafter an die Unesco übermittelt.

Die Begründung des Ministeriums: Die Erfahrung zeige, dass negative Kommentare über den Status von Weltnaturerbestätten Einfluss auf den Tourismus haben. Das Great Barrier Reef ist eine der wichtigsten Touristenattraktionen Australiens und zieht im Jahr Millionen Touristen an. In dem UN-Bericht fehlen allerdings auch andere australische Touristenattraktionen.

Verheerende Korallenbleiche

Der britische "Guardian" veröffentlichte ein Kapitel, das nach Informationen der Zeitung für den Bericht vorgesehen war. "Klimawandel ist die wichtigste langfristige Bedrohung für die Unversehrtheit und Artenvielfalt am größten Korallenriff der Welt", beginnt der Abschnitt mit Blick auf das Great Barrier Reef.

Das Riff erlebt derzeit eine verheerende Korallenbleiche. In einigen Teilen des Great Barrier Reefs starben Biologen zufolge etwa 50 Prozent der Korallen ab. Das liegt zum einen am Wetterphänomen El Niño, das zuletzt sehr heftig ausfiel und die Wassertemperaturen in der Region stark steigen ließ. Meeresbiologen machen zum anderen aber auch seit Jahren darauf aufmerksam, dass der Klimawandel das Riff zusätzlich zu allen anderen Bedrohungen durch Fischerei, Schifffahrt und Meeresverschmutzung schwächt.

Korallen sind Nesseltiere, die in Symbiose mit Algen leben. Die Algen versorgen sie mit Nährstoffen. Allerdings scheiden sie bei anhaltend hohen Wassertemperaturen Gifte aus, woraufhin sie von den Korallen abgestoßen werden. Die Korallen verlieren dann ihre Farbe - in diesem Zusammenhang sprechen Experten von Korallenbleiche. In der Folge sterben die Korallen ab, außer es siedeln sich neue Algen an.

Die Union of Concerned Scientists veröffentlichte inzwischen eine Ergänzung zu dem UN-Klimabericht. Die US-amerikanische Wissenschaftlervereinigung, die auch an der ursprünglichen Version des Reports beteiligt war, weist darin auf die Gefahren des Klimawandels für das Great Barrier Reef hin.

Quelle: feelgreen.de, dpa


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