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Debatte um Tierschutz und Lebensmittel: Grüne Woche in Berlin eröffnet

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Grüne Woche in Berlin ist eröffnet

20.01.2012, 15:51 Uhr

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner eröffnet mit Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit und dem rumänische Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Valeriu Tabara, die Grüne Woche 2012.  (Quelle: dpa)

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner eröffnet mit Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit und dem rumänische Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Valeriu Tabara, die Grüne Woche 2012. (Quelle: dpa)

Am Freitag hat die Grüne Woche in Berlin begonnen. Auf der weltgrößten Agrar- und Ernährungsmesse zeigen diesmal über 1600 Aussteller aus knapp 60 Ländern ihre Produkte. Zu den politischen Themen, die die Messe begleiten, gehört der nachhaltige Umgang mit vorhandenen Ressourcen und die verstärkte Forderung nach mehr Umwelt- und Tierschutz in der Landwirtschaft.

2011 war wirtschaftlich gut

Begleitet vom Ruf nach mehr Umwelt- und Tierschutz in der Landwirtschaft beginnt an diesem Freitag die Grüne Woche in Berlin. Auf der weltgrößten Agrarmesse präsentieren sich mehr als 1600 Aussteller aus knapp 60 Ländern. Die deutschen Bauern sind nach einem wirtschaftlich guten Jahr 2011 in bester Stimmung. Angesichts umstrittener Antibiotika-Anwendungen in der Massentierhaltung stellen sie sich aber auf kritische Verbraucherfragen an den Messetagen ein.

Verantwortungsvoller Umgang mit Nahrung

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hob bei der Eröffnungsfeier am Donnerstagabend den Kampf gegen den Hunger in Entwicklungsländern als zentrale Aufgabe hervor. Sie mahnte zugleich, Nahrung nicht massenhaft wegzuwerfen, auch wenn sie in Deutschland preisgünstig sei. "Lebensmittel gehören auf den Teller und nicht in die Tonne." Aigner befürwortete, dass bei der EU- Agrarfinanzierung ab 2014 ein größeres Gewicht auf Umweltkriterien gelegt werden solle. Eine Stilllegung wertvoller Flächen lehnte sie aber ab.

Nachhaltige Wirtschaftsweise

Grundsätzlich gelte es, mehr Tierschutz und Nachhaltigkeit in der Branche durchzusetzen, sagte die Ministerin. Sie stellte dazu eine "Charta für Landwirtschaft und Verbraucher" vor, die nach Gesprächen mit der Branche, Umweltverbänden und anderen gesellschaftlichen Gruppen entstanden ist. Ihr Leitbild sei eine ökologisch tragfähige, ökonomisch existenzfähige, sozial verantwortliche und Ressourcen schonende Wirtschaftsweise. "Das Tierwohl werden wir stärken und dem Verbraucher in seinen Wahlmöglichkeiten bei Lebensmitteln über mehr Transparenz eine klare Orientierung bieten", sagte Aigner.

Verbraucher in der Verantwortung

Der Bauernverband stimmte den Zielen im Prinzip zu, sieht dafür aber auch die Verbraucher in der Verantwortung. Sie dürften nicht nur auf billige Preise setzen. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner warnte auch vor Wettbewerbsnachteilen auf internationalen Märkten. Aigner bekräftigte, sich auf EU-Ebene für einheitliche Kennzeichen für Produkte einzusetzen, an denen der Kunde besondere Standards für tiergerechte Haltung erkennen kann. Um die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung und ein Eindämmen der Rohstoffspekulation geht es auf einem internationalen Agrarminister-Treffen an diesem Samstag.

Deutsche Bauern in bester Stimmung

Geschäftlich ist die Stimmung der deutschen Bauern so gut wie lange nicht. Das Konjunkturbarometer des Bauernverbands erreichte im Dezember einen Spitzenwert. Die Landwirte benoteten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage auf einer Skala von 1 bis 5 im Schnitt mit 2,72. Das ist so positiv wie im Frühjahr 2008. Gute Ernteergebnisse sowie die Entwicklung der Fleisch- und Futtermittelpreise trugen dazu bei.

Mehr Verantwortung beim Fleischkauf

Der Öko-Beauftragte des Verbands, Heinrich Graf von Bassewitz, appellierte an die Supermarktkunden. "Die Verbraucher, die sich heute über die sogenannte Massentierhaltung beschweren, haben mit ihrem Kauf von Billig-Lebensmitteln und ihrer extremen Preisbewusstheit letztlich genau diese Art der Landwirtschaft vorangetrieben", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Langfristig seien steigende Preise zu erwarten, sagte Aigner in der ARD.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warf der Ministerin vor, die Systemfragen der Massentierhaltung nicht anzupacken. Fleisch zu Dumpingpreisen bedeute, dass artgerechte Haltung unmöglich sei und Tiere massiv mit Antibiotika versorgt würden, sagte Künast der dpa. Sie forderte ein Verbot quälender Haltungsformen. Fördergeld dürfe es nur geben, wenn Mindeststandards gewahrt seien.

Schlimme Folgen durch Exportorientierung

Alternative Agrarverbände warnten vor verheerenden Folgen der wachsenden Exportorientierung der deutschen Landwirtschaft. In Entwicklungsländern würden Flächen zerstört, um dort billiges Futter für Tiere in "Agrarfabriken" auch in Deutschland zu produzieren, kritisierte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger. Sonnleitner sagte, die deutschen Bauern verfütterten in hohem Maße heimische Futtermittel. Auf den guten Böden in Deutschland lasse sich verglichen mit Entwicklungsländern das Drei- bis Fünffache ernten. "Darum helfen wir durch unsere Exporte, den Druck aus dem Kessel der Weltagrarmärkte zu nehmen." Die deutschen Agrarexporte waren 2011 um zehn Prozent auf rund 59 Milliarden Euro gewachsen.

Quelle: dpa

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