Sie sind hier:

Klimawandel verläuft drastischer als gedacht - keine Pause

...

Keine Pause: Klimawandel verläuft drastischer als gedacht

02.07.2015, 11:30 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, feelgreen.de

Infolge der Klimaerwärmung schmelzen zunehmend Gletscher und Landeismassen. (Quelle: dpa)

Infolge der Klimaerwärmung schmelzen zunehmend Gletscher und Landeismassen. (Quelle: dpa)

Die Fachwelt diskutiert: Bis vor kurzem schien es noch so, als stagniere die mittlere globale Temperatur. Jetzt zeigt eine Studie jedoch bedenkliche Temperaturanstiege aufgrund des andauernden CO2-Ausstoßes. Wie kritisch ist die Lage wirklich? Die Redaktion von feelgreen.de hat mit Dr. Annette Kirk gesprochen. Sie ist Pressereferentin des Max-Planck-Instituts für Meteorologie.

Klimaexperten diskutieren derzeit die Untersuchungsergebnisse von Thomas R. Karl, Direktor am "National Climate Data Center" der US-Meeres- und Atmosphärenforschungsbehörde NOAA. Gemeinsam mit seinem Team wertete der Forscher eine Reihe verschiedener Klimadaten neu aus - darunter auch die Oberflächen-Temperaturen der Ozeane. Das Ergebnis der Studie, die im Wissenschaftsjournal "Science" veröffentlicht wurde: Es gibt keine Pause im Anstieg der globalen Mitteltemperatur. Die Werte steigen weiter an.

Ozeane speichern Wärme

"Aufgrund der erneuten Untersuchung korrigierte der Forscher den global gemittelten Wert der Oberflächentemperatur leicht nach oben", erklärt Kirk. "Bisher sah es zwar so aus, als stagnierten diese Werte. Doch der Treibhauseffekt wirkte durch die weiterhin steigenden Emissionen weiter fort. Irgendwo musste die Wärme also hin. Sie wurde größtenteils in den Ozeanen vermutet und dort auch nachgewiesen." 

Laut der Klimaexpertin ist seit Beginn der Industrialisierung die Temperatur um etwa ein Grad angestiegen. "Das klingt nicht viel, ist regional aber durchaus sehr drastisch, insbesondere in der Arktis. Beeindruckend ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Werte in die Höhe klettern." Als Vergleich nennt Kirk die Erwärmung von der Eiszeit hin zur Warmzeit. Über zehntausende Jahre hinweg hätte der Temperaturanstieg gerade einmal etwa fünf Grad betragen - und sei wesentlich langsamer vonstatten gegangen.

Warmes Klima lässt Eismassen schmelzen

Die Auswirkungen auf die Umwelt sind enorm: Landeismassen schmelzen und der Meeresspiegel steigt. Betroffen sind der Expertin zufolge nicht nur die Gletscher, sondern auch die schwimmenden Eismassen in der Arktis sowie das grönländische Inlandeis. Doch das ist nicht das einzige Problem.

Da die Treibhausgase in der Atmosphäre die Ozeane erwärmen und warmes Wasser mehr Volumen einnimmt als kaltes, dehnt sich die Wassersäule aus und lässt den Meeresspiegel zusätzlich ansteigen. Fachleute sprechen von der sogenannten thermischen Expansion.

"Hinzu kommt, dass die Ozeane, die sehr viel des atmosphärischen CO2 aufnehmen, immer saurer werden. Das hat weitreichende Folgen für die kalkschalenbildenden Tiere und Korallen - bereits jetzt", erklärt Kirk. Umweltexperten gehen davon aus, dass jeden Tag etwa 20 Millionen Tonnen CO2 in die Ozeane gelangen.

"Erwärmung kann nicht gestoppt werden"

Kann die Erwärmung noch aufgehalten werden? "Komplett gestoppt werden kann sie nicht. Sie kann in den nächsten 100 Jahren höchstens noch verlangsamt werden, sofern die Emissionen von Treibhausgasen drastisch zurückgefahren werden", so Kirks Einschätzung. Nur so können Langzeitfolgen wie Trinkwasserknappheit, Wüstenbildung, Unwetterzunahme sowie weitere Auswirkungen auf die Natur eingedämmt werden.

Quelle: Ann-Kathrin Landzettel, feelgreen.de


© Ströer Digital Publishing GmbH 2017

Anzeige
shopping-portal